Konjunkturaufschwung hat voll eingesetzt - auch 2007 robustes Wachstum

Prognose für 2006 und 2007

Wien (WIFO) - Die weltweit günstige Konjunkturlage ließ in Österreich bereits im 2. Halbjahr 2005 einen Wirtschaftsaufschwung in Gang kommen, der sich heuer deutlich beschleunigte. Von der Außenwirtschaft gingen die Wachstumskräfte auf die Investitionsnachfrage über und verstärkten so die Nachhaltigkeit der Aufwärtsentwicklung. 2007 wird sich die Dynamik aufgrund von Sondereffekten in Deutschland und des Abklingens der außenwirtschaftlichen Impulse etwas abschwächen, allerdings werden die heimischen Auftriebskräfte durch ein Aufleben der Konsumnachfrage zunehmen.

Das WIFO schätzt die Wirtschaftsentwicklung in Österreich für heuer und das kommende Jahr deutlich günstiger ein als in seiner Prognose von Ende Juni. Die Wachstumsrate wird für 2006 um 1/2 Prozentpunkt auf 3,1% angehoben, 2007 dürfte sie 2,5% betragen. Das Wirtschaftswachstum liegt somit in beiden Jahren weiterhin über dem Durchschnitt des Euro-Raums. Die heimische Investitionsnachfrage belebte sich wesentlich stärker als in der letzten Prognose erwartet, die Bruttoanlageinvestitionen werden heuer real um 5% zunehmen. Dabei entwickelt sich sowohl die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern als auch nach Bauten günstig. Die gute Investitionskonjunktur wird noch in das kommende Jahr ausstrahlen, wenngleich für 2007 mit real +4% ein leichtes Nachlassen der Dynamik der Bruttoanlageinvestitionen erwartet wird.

Der Warenexport wächst 2006 real um 10% und bildet damit die wichtigste Säule des Aufschwungs. Begünstigt wird die Ausfuhr auch durch die Vorzieheffekte in Deutschland vor der Anhebung der Mehrwertsteuer mit Anfang 2007. Von der zu erwartenden Steigerung der Autokäufe in Deutschland profitieren die heimischen Zulieferbetriebe. 2007 wird die Nachfrage entsprechend geringer sein, und auch die internationale Konjunktur wird an Schwung verlieren. Dadurch wird sich die Zunahme der Exporte in Österreich auf real unter 7% abschwächen.

Zwar wächst der private Konsum in Österreich 2006 mit real +1,9% deutlich rascher als im Durchschnitt der letzten Jahre, doch bleibt die Entwicklung hinter jener der anderen Nachfragekomponenten zurück. Auch 2007 fällt das Wachstum - trotz der Beschleunigung auf 2,1% -schwächer aus als in früheren Aufschwungphasen, weil die verfügbaren Haushaltseinkommen trotz der Zunahme der Beschäftigung nur mäßig steigen.

Aufgrund der Konjunkturbelebung nimmt die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten heuer merklich zu (+46.000, +1,5%). In der Sachgütererzeugung kommt der Beschäftigungsabbau der letzten Jahre zum Stillstand, und die Bauwirtschaft weitet den Personalstand beträchtlich aus. Dabei dürften auch vermehrt Vollzeitstellen entstehen. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen sinkt heuer um 11.000 auf rund 242.000. Neben den gesteigerten Schulungsaktivitäten zeigt die gute Konjunktur hier vermehrt positive Wirkung. Obwohl das Wirtschaftswachstum nachlässt, kann die Arbeitslosigkeit 2007 konstant gehalten werden. Die Arbeitslosenquote sinkt nach nationaler Berechnungsmethode heuer auf 6,9% und 2007 weiter auf 6,8%.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/presse)

Trotz der erheblichen Verteuerung von Energieträgern und Rohstoffen in den vergangenen Jahren zeigen sich nach wie vor keine Zweitrundeneffekte in der Inflationsrate. Das bisher unterdurchschnittliche Wirtschaftswachstum und die gedrückte Arbeitsmarktsituation verhinderten ein stärkeres Durchschlagen der Erdölverteuerung auf den Verbraucherpreisindex. Das WIFO rechnet für heuer mit einer Inflationsrate von 1,6%, für 2007 von 1,7%. Die Konjunkturverbesserung im Euro-Raum wird zwar den Preisauftrieb verstärken, jedoch flauen die preistreibenden Effekte der Energieverteuerung im Jahr 2007 ab.

Wegen der teilweise verzögerten Wirkung der Steuerreform 2005 nahm heuer das Defizit des Staates von 1,5% des BIP im Vorjahr auf 1,6% zu. Erst 2007 lässt das Anspringen der Binnennachfrage den Fehlbetrag auf 1,3% des nominellen BIP sinken.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 10/2006!

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Mag. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
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