Umweltdachverband startet Zukunftsdiskussion: Mit aller Kraft für Österreichs Nationalparks!

Wien/Gesäuse (OTS) -

  • Zukunftskonferenz im Gesäuse zeigt anstehende Herausforderungen auf
  • Erweiterung angehen, Managementmaßnahmen umsetzen, Erschließungsdruck stoppen, Evaluierung der Nationalparkpolitik starten!
  • Schutz einzigartiger Naturräume darf nicht verwässert werden
  • Nationalparks müssen bis 2010 alle Naturschutzkonventionen nachweislich erfüllen

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"Die Entstehungsgeschichte der sechs heimischen Nationalparks ist eng mit dem Wirken der Alpinvereine und Naturschutzorganisationen verbunden", sagt Dr. Gerhard Heilingbrunner anlässlich der Eröffnung der Zukunftskonferenz "25 Jahre Nationalparks - Zwischenbilanz und Perspektiven", die der Umweltdachverband zurzeit im Stift Admont veranstaltet. "Im ältesten heimischen Nationalpark Hohe Tauern -dessen gesetzlicher Verankerung des Kärntner Anteils im Jahr 1981 wir das 25-Jahr-Jubiläum verdanken - engagierten sich Alpinvereine und Naturschutzorganisationen im Umweltdachverband von Beginn an. Ohne Alpenverein, Naturschutzbund und Naturfreunde gäbe es diesen ersten und gleichzeitig größten Nationalpark Österreichs nicht", so der Präsident des Umweltdachverbandes. Heilingbrunner selbst hatte -damals noch als Studentenvertreter - maßgeblichen Anteil, dass in den Donau-Auen bei Hainburg kein Kraftwerk gebaut wurde. Ohne den Einsatz von Bürgerinitiativen, aller Naturschutzorganisationen und zig-tausender umweltbewegter Menschen wäre die Weichenstellung für die Unterschutzstellung des Nationalparks Donau-Auen, der heuer sein 10-jähriges Jubiläum feiert, nicht gelungen. Mit der Verhinderung des Kraftwerks Reichraminger Hintergebirge wurde die Grundlage für den Nationalpark Kalkalpen geschaffen, und dass der Naturschutzbund eine Brücke über den Neusiedler See verhindern konnte, machte letztlich den Nationalpark Neusiedler See möglich. "Ohne die jahrelange Arbeit der Alpinvereine und Naturschutz-NGOs und das Engagement hunderter Nationalpark-PionierInnen stünde Österreich im Jahr 2006 noch ohne einen einzigen Nationalpark da", ist Heilingbrunner überzeugt. "Zuständige Landes- und BundespolitikerInnen, aber auch die Nationalpark-Verwaltungen wären in Zukunft gut beraten, auf die Ratschläge und die Arbeit der NGOs zu achten und diese voll und ganz in die weitere Nationalpark-Entwicklung einzubeziehen", so Heilingbrunner, denn "ohne NGOs ist kein Nationalpark zu verwirklichen."

Nationalparks müssen sich neuen Herausforderungen stellen:
Erweiterung, Managementpläne, Naturschutz & Co.

Die zahlreichen Nationalpark-Jubiläen sind daher nicht nur Anlass zum Feiern, sondern desgleichen auch der richtige Zeitpunkt, um anstehende Herausforderungen zu diskutieren. In den letzten 25 Jahren wurde viel erreicht, dennoch ist noch vieles offen: Obwohl versprochen, fehlen etwa dem Nationalpark Donau-Auen nach wie vor 2.200 Hektar wertvollste Auwälder und darüber hinaus drohen Gefahren durch verschiedenste Verkehrsprojekte (Donau-Querung, Ausbau der Wasserstraße und künstliche Eintiefung der Schifffahrtsrinne). Ebenso überfällig ist - wie zuletzt auch der Rechnungshof festgestellt hat -eine Harmonisierung der Verwaltung sowie der Managementpläne und -maßnahmen zwischen NÖ und Wien. Auch der Nationalpark Kalkalpen ist flächenmäßig über den ersten Verordnungsabschnitt noch nicht hinausgekommen. "Hier ist zu klären, wie es im Gebiet der Haller Mauern, des Warschenecks und im Toten Gebirge weitergeht. Ferner wird dort über den Mitteleinsatz zu reden sein: Zu Lasten von Naturschutz und Forschung werden mehr und mehr Mittel in die Infrastruktur gesteckt", betont Heilingbrunner. Im Nationalpark Thayatal steht die Arrondierung mit unbedingt notwendigen Flächen desgleichen weiterhin aus, die schon 1997 im Staatsvertrag Bund-NÖ vereinbart wurde.

Erschließungsprojekte setzen Schutzgebiete unter Druck

Am meisten unter Druck scheint die Nationalpark-Idee des immerwährenden Naturschutzes im ältesten und mit Abstand größten Nationalpark zu sein, denkt man nur an die unerhörten Erschließungsprojekte, die allein in den letzten Jahren in den Hohe Tauern lanciert wurden: "Staumauer beim Sandersee, Seilschwebebahn von der Franz-Josefs-Höhe auf den hinteren Pasterzen-Gletscher unterhalb der Hofmannshütte im Sonderschutzgebiet, Erschließung des Auge Gottes, Liftprojekt bei der Rudolfshütte, Schigebietsverbindung von Gastein zum Schareck, aktuell besonders auch die Kraftwerksprojekte der TIWAG - alles Beispiele, die zeigen, wie dringend notwendig es ist, sich an die Leistungen der Gründerväter zu erinnern, die sich noch ganz sicher waren, dass solche Projekte in einem Nationalpark keinen Platz finden können. Auch nach 25 Jahren darf der Schutz nicht verwässert, dürfen die einzigartigen Naturräume nicht kurzfristigen Profitinteressen geopfert werden!", verlangt Heilingbrunner.

Evaluierung der Nationalparkpolitik erforderlich -Nationalparkverwaltungen müssen Naturschutz-Spitzenleistungen bringen!

"Neben einer ehrlichen Evaluierung der Nationalparkpolitik und einer kritischen Beobachtung einzelner negativer Entwicklungen in Nationalparks, sind in einer Reihe von Handlungsfeldern Anpassungen notwendig", so Heilingbrunner weiter. Bei den Kernaufgaben müssen die Nationalparks Spitzenleistungen erbringen: Etwa im Flächen-, Biotop-, Arten- und Kulturlandschaftsschutz, in der ökologischen Forschung, durch höchste pädagogische Qualität bei Führungen und Bildungsprogrammen, durch innovative Weiterentwicklung der Besuchereinrichtungen und nicht zuletzt durch höchstqualifizierte und -motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Außerdem wird es stärkere bundeseinheitliche Vorgaben für das Management der Nationalparks brauchen. Indikatoren und Effizienzkriterien sind zu entwickeln. Zumindest in den Nationalparks muss es in Zukunft möglich sein, internationale Naturschutz-Richtlinien und völkerrechtlich verbindliche Konventionen zufrieden stellend umzusetzen. Der Beitrag der Nationalparks zum so genannten Biodiversitätsziel 2010 - Stopp des Artenverlustes - muss jetzt sichtbar werden", fordert Heilingbrunner. "In den Nationalparks muss heute wieder neu um Akzeptanz, Anerkennung, Wertschätzung, Identifikation, vor allem aber auch um den Naturschutzgedanken ,Natur sich selbst zu überlassen’ gerungen werden - auf Ebene der Politik und Verwaltung ebenso wie bei der einheimischen Bevölkerung", so Heilingbrunner abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Umweltdachverband - Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident,
Tel. 0664/38 18 462.
Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 01/40 113-21,
E-Mail: sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at,
http://www.umweltdachverband.at

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