Bund und Länder entscheiden morgen über die Zukunft von Großtrappe, Wachtelkönig, Rebhuhn & Co.

WWF, BirdLife und Distelverein fordern für Naturschutz mehr Mittel aus der Ländlichen Entwicklung

Wien (OTS) - Morgen findet im Beisein von Lebensminister Josef Pröll die Sitzung der Agrar-Referenten der Bundesländer statt. Für die Naturschutzverbände ein dringender Anlass, abermals eindrücklich vor den bereits heute absehbaren negativen Folgen der finanziellen Unterdotierung von Naturschutzmaßnahmen im österreichischen Programm für die Ländliche Entwicklung zu warnen.
Zahlungen aus dem Agrar-Umweltpaket ÖPUL bilden beinahe ausschließlich die Basis für den Schutz gefährdeter Arten in der Kulturlandschaft. "Vom Aussterben bedrohte Vögel wie Großtrappe und Wachtelkönig sind heute vollständig darauf angewiesen", stellt Johannes Frühauf von BirdLife Österreich fest. Unterstützung für den Erhalt des österreichischen Naturerbes kommt ausgerechnet aus Brüssel: die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen. Dies ist, ebenso wie die Umsetzung von Natura 2000, eine Priorität für die Ländliche Entwicklung. Die EU stellt dafür die nächsten sieben Jahre 3,91 Milliarden Euro zur Verfügung, also um 700 Millionen Euro mehr als erwartet. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass man nun in Österreich - trotz neuer Ziele und Herausforderungen sowie stetig wachsender Probleme -nicht mehr Geld für Naturschutz in die Hand nimmt", kritisiert Michael Proschek vom WWF. Einige Bundesländer wollen überhaupt nur einen Bruchteil der Möglichkeiten im ÖPUL für Naturschutz umsetzen. "Besonders in Niederösterreich, einem für gefährdete Arten extrem wichtigen Bundesland und noch vor einem Jahr Vorreiter im Naturschutz, findet gerade eine katastrophale Kehrtwende hin zu minimalistischer Naturschutz-Bürokratie zum Schaden der Bauern statt. Dem Naturschutz kommen so die Partner abhanden", berichtet Frühauf. Die Naturschützer sehen sich in ihrer Verärgerung nicht alleine. Auch die Jägerschaft tritt für eine stärkere Umsetzung von Naturschutz-Maßnahmen ein. "Der Feldhase und das heute in Österreich bereits gefährdete Rebhuhn haben sich nur in Gebieten mit ausreichend Naturschutzflächen deutlich erholt", sagt Paul Weiss vom NÖ Landesjagdverband. "Bund und Länder sollen also endlich gemeinsam Verantwortung für den Naturschutz übernehmen und das fruchtlose Kompetenz-Ping-Pong-Spiel beenden. Das Geld dafür ist da", meint Proschek. Die Naturschutzverbände fordern daher die Agrar-Referenten und Minister Pröll dringend dazu auf, mindestens 100 Millionen pro Jahr für Naturschutz in der Ländlichen Entwicklung bereitzustellen und die Möglichkeiten des Programms offensiv zu nutzen. "Wir erinnern daran, dass Naturschutz-Gelder nicht nur zur Erhaltung der Landschaftsausstattung und der Artenvielfalt beitragen, sondern in der Regel auch eine Einnahme für Bauern sind, die ja Leistungen dafür erbringen. Fehlen diese Mittel oder sind sie zu eng bemessen, geht das auf Kosten der Natur und der Landwirte", erklärt Johannes Wolf vom Distelverein.
WWF und BirdLife werden die EU-Kommission über Defizite des Programms - wie etwa nicht ausreichende Naturschutz-Finanzierung und Maßnahmen mit zu geringer Umweltleistung - informieren. "Diese Aspekte werden bei den demnächst beginnenden Verhandlungen über die Genehmigung des österreichischen Programms eine wichtige Rolle spielen. Die Verantwortlichen sollten daher nicht aus Kurzsichtigkeit und Gleichgültigkeit dem Naturschutz gegenüber Fördergelder für die Bauern aufs Spiel setzen", warnen die Naturschutzverbände.

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