Vranitzky-Kolloquium: Hochkarätige Expertenrunde beleuchtet Wahlkampfstrategien

"Negative Campaigning" nimmt in Österreich zu

Wien (SK) - "Eines der komplexesten Themen des öffentlichen Lebens ist es, Informationen zu geben, die zu einer Meinungsbildung führen, die eines gesellschaftlichen Zusammenlebens würdig ist", betonte der ehemalige Bundeskanzler Franz Vranitzky am Donnerstag im Rahmen des mittlerweile 14. Vranitzky-Kolloquiums. Zentrale Frage sei, so Vranitzky, welche internationalen Trends derzeit vorherrschen würden und wie diese auf nationale Wahlkämpfe rückwirken würden. Im Mittelpunkt der Diskussion des hochkarätig besetzten Podiums standen deshalb Themen wie die zunehmende Amerikanisierung des Wahlkampfes, der Einfluss von Medien und Meinungsforschung und das Ansteigen des "Negative Campaignings" in aktuellen Wahlauseinandersetzungen. ****

Universitätsprofessor Fritz Plasser konstatierte, dass seiner Meinung nach der Begriff der "Amerikanisierung" des Wahlkampfes zu hoch gegriffen sei. Die USA habe eine völlig andere politische Kultur, was sich auch im Wahlkampf ausdrücken würde. So sei der Einfluss der politischen Berater weit größer und auch die Wahlkampfausgaben würden anders verteilt. Setzt man in Amerika weitgehend auf TV-Spots, so ist dieser Anteil in Österreich noch eher gering. Viel eher als von einer Amerikanisierung des Wahlkampfes könne man von internationalen Trends in der Wahlwerbung sprechen, die in den meisten westlichen Demokratien auffindbar seien. Thomas Hofer, Geschäftsführer von Public Consult, merkte an, dass, auch wenn man noch nicht so weit sei wie in Amerika, der US-Wahlkampf doch große Vorbildwirkung habe. Dies würden beispielsweise die Amerikareisen von Bundesgeschäftsführern der großen Parteien beweisen, um sich Anregungen zu holen.

Beim Thema "Negative Campaigning" betonte der Politikwissenschafter Raphael Sternfeld, dass es wichtig sei, zwischen "Negative" und "Dirty campaigning" zu unterscheiden, wobei "es in der subjektiven Wahrnehmung liegt, was jetzt negative und was dirty ist". Unter "Dirty Campaining" seien Aktionen zu verstehen, die persönlich untergriffig wären.

Peter Pelinka, Chefredakteur des "Format", konstatierte, dass es für ihn drei Formen des "Negative Campaigning" gebe. Erstens jener Zugang, wo Personen persönlich diskreditiert würden, zweitens die Vorgangsweise, politische Parteien zu verunglimpfen, was sich beispielsweise im Versuch zeige, die SPÖ mit dem BAWAG-Skandal in Zusammenhang zu bringen und drittens gebe es sogenanntes inhaltliches "Negative Campaigning", was sich in Österreich vor allem im Wettlauf zwischen BZÖ und FPÖ zeigen würde, wo versucht werde, sich ständig gegenseitig mit negativen Inhalten zu überbieten.

Einig war man sich in der Diskussionsrunde, dass der politische Umgangston rauer geworden sei und dass auch in Zukunft "Negative Campaigning" eine Rolle spielen werde. Sternfeld stellte fest, dass, auf Österreich bezogen, "Negative Campaigning" lange Zeit "das Steckenpferd der ÖVP war". Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Slogan der "Haschtrafiken" und auf den untergriffigen Wahlkampf zur steirischen Landtagswahl.

Zur Rolle der Medien bemerkte Vranitzky, dass vor allem in Wahlkämpfen eine Ambivalenz zu bemerken sei. Einerseits würden die Medien von den Politikern Inhalte verlangen, andererseits sei man aber um skandalträchtige Schlagzeilen froh, die die eigentlichen Themen in den Hintergrund drängen würden. Pelinka konstatierte, dass auch die Rezipienten sehr unentschlossen seien. Man wolle zwar informiert werden, jedoch nicht auf den Nervenkitzel verzichten. (Schluss) sw

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