Jank: Bauwirtschaft fordert gelebtes Bekenntnis zum Wettbewerb

Wien (OTS) - "Der Wiener Wohnbau war ein Paradebeispiel für funktionierenden Wettbewerb. Der Zugang zur Wohnbauförderung für gewerbliche Bauträger war vorbildhaft. Die Liberalisierung hat die Kostensteigerung gestoppt und einen massiven Innovationsschub ausgelöst", fasst die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank, heute, Donnerstag, die Ergebnisse einer aktuellen Studie zusammen. In den letzten Jahren werden aber immer weniger geförderte Wohnbauprojekte an gewerbliche Bauträger vergeben. Dies schadet den Mietern genauso wie den Unternehmen. ****

Die Studie, die von der Fachhochschule für Immobilienwirtschaft und dem Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien verfasst wurde, bestätigt die kostendämpfende Wirkung der 1995 eingeführten Bauträgerwettbewerbe. "Die gewerbliche Wohnwirtschaft hat das Monopoldenken mit Flexibilität, Kundenorientierung und Service konterkariert", so Dr. Winfried Kallinger, Sprecher der Bauträger im Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Obwohl gemeinnützige Bauträger ohne Körperschaftssteuer kalkulieren könnten, wären die Wohnungen der gewerblichen Mitbewerber für die Mieter gleich günstig. Bei den Betriebs- und sonstigen Kosten liegen sie sogar bei einer durchschnittlichen, 85 Quadratmeter großen Wohnung um 185,- Euro pro Jahr günstiger.

"Trotz dieser positiven Entwicklung bekommen gewerbliche Wohnbauträger immer weniger Aufträge von Seiten der öffentlichen Hand", kritisiert Jank. 1990 betrug der Anteil der gewerblichen Bauträger an den Wohnungsbewilligungen unter 20 Prozent. Bis 1996 stieg er auf rund die Hälfte. Jetzt liegt er unter 40 Prozent. "Als die Nachfrage hoch war, wurde auf gewerbliche Bauträger zurückgegriffen. Jetzt wird der Anteil sukzessive zurückgeschraubt. Doch der Wohnungsbedarf wird in den kommenden Jahren noch deutlich steigen", verweist Kallinger auf eine Prognose der Statistik Austria, der zufolge in 20 Jahren rund 2 Millionen Einwohner in Wien leben sollen. In den vergangenen Jahren wurden bis zu 5.500 Wohnungen pro Jahr gefördert. In den kommenden Jahren werde der Bedarf auf 7.000 pro Jahr und mehr steigen.

Ähnlich verlief die Entwicklung bei den Förderungen: Bevor die ersten Bauträgerwettbewerbe ausgeschrieben wurden, bekamen die gewerblichen Bauträger weniger als 15 Prozent der Gesamtfördersumme. "Der Anteil stieg auf etwa 40 Prozent, jetzt liegt er wieder bei 20 Prozent." Kallinger kritisiert speziell, dass gewerbliche Bauträger bei der Entwicklung großer Flächen nicht zum Zug kommen: "Dabei würde die Kosteneffizienz bei Großprojekten wie der Wilhelms-Kaserne, der Brauerei Liesing und der Carré St. Marx noch stärker zum Tragen kommen."

Auch bei den Innovationen geben gewerbliche Bauträger das Tempo vor:
Wärmerückgewinnung aus Abwässern und duale Wasserversorgung mit Regenwassernutzung oder Brunnen wurden auf breiter Basis verwirklicht. Weitere Innovationen, die im Lauf der vergangenen Jahre Usus wurden, sind die Biowand (Leichtbeton-Fertigelemente), der Concierge-Service oder das elektronische "schwarze Brett". "Dass dieses Innovationstempo anhält, darf aber bezweifelt werden, wenn Gewerbliche immer seltener zum Zug kommen", warnt Kallinger.

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