Big Brother Awards 2006: Land der Spanner

Wien (OTS) - Eine Fachjury aus Juristen, Technikern, Daten- und Verbraucherschützern tagte und nominierte aus den rund 90 eingereichten Fällen, jene Personen, Institutionen, Behörden und Firmen, die sich ganz besonders im Feld der Überwachung, Kontrolle oder Bevormundung verdient gemacht haben.

Die unrühmlichen Preisträger werden in Form einer Gala am Vorabend des Nationalfeiertages im Wiener Theater Rabenhof veröffentlicht.

Im VOLLTEXT: http://www.bigbrotherawards.at/2006/Nominierungen

Verspätet, dafür umso gründlicher fällt das Land Österreich dem Kamerawahn anheim. Vor der Nationalratswahl werden noch schnell alle Register gezogen, um dem Volk zu zeigen, was eine Ordnung ist und eine öffentliche Sicherheit.

Selten hat sich eine Person so intensiv um einen Big Brother Award wie Frau Innenminister Liese Prokop beworben. Seit 2005, besonders aber vor der Wahl, tourte sie durch Stadt und Land und hinterließ polizeiliche Videoüberwachungsanlagen, wo auch immer sie gastierte.

All dies läßt man sich auch etwas kosten. Allein in Wien werden 3,7 Millionen Euro in die Vollüberwachung aller U-Bahnzüge investiert. Die Wiener Linien, der letztjährige Preisträger in der Kategorie Volkswahl, kommt so erneut in der Kategorie Politik zum Zug.

Nominiert ist Dr. Sepp Rieder (SPÖ Wien) der mehrfach diesen Ausbau, der möglicherweise Vandalismus von geschätzten 200 Tausend Euro jährlich verhindern kann, gefordert hat. Allein die Kosten für die erstmalige Installation würden sich erst nach 18.5 Jahren rechnen.

Gar nicht unfallfrei hält es Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) bei seinem Kollisionskurs mit der Verfassung. Sowohl die Experten des Bundeskanzleramtes als auch der Verfassungsgerichtshof hatten fundamentale Bedenken gegen das LKW-Mautsystem, das bereits jetzt die Kennzeichen aller PKW einliest, aber noch löscht.

In der Kategorie "Business und Finanzen" zoomt die ÖBB noch näher an die Privatsphäre und installiert, um der größte Videoproduzent des Landes zu werden. 20 Millionen investiert man ohne Wartung und Betrieb für die ersten Kontrollmaßnahmen. Bis 2011 soll dies auf gar 2000 Kameras ansteigen.

Eine besondere Ehre wurde der Datenschutzkommission unter der Leitung von Waltraut Kotschy in der Kategorie "Behörden und Verwaltung" zuteil. Sie wurde für das Verleugnen ihrer Zuständigkeit nominiert. Wegen der mangelnden Unabhängigkeit der Datenschutzkommission hat der EU Gerichtshof bereits ein Verfahren wegen Vertragsverletzung gegen Österreich eingeleitet.

Dieses Jahr wurde wieder eine Schule auf dem Weg in den Hochsicherheitstrakt nominiert. Die HAK Grazbachgasse wurde mit einer Smart-Card-Lösung samt Funkchip von Microsoft ausgestattet. Damit lassen sich Schüler/innen von Essensgewohnheiten, bis zu den Bewegungen im Gebäude überwachen.

Seit Jahren häufen sich bei Konsumentenschützern Beschwerden über die Methoden der Tele2-Verkäufer. Tele2 schneidet "Verkaufsgespräche" ohne Zustimmung der Teilnehmer und entgegen §93 des Telekommunikationsgesetzes zum Nachweis des "Vertragsabschlusses" mit.

Die Verleihung findet am 25.10 um 21:00 im Wiener Theater Rabenhof statt. Der Eintritt ist frei. Zur Platzreservierung bitten wir um Voranmeldung.

VERANSTALTER der BIG BROTHER AWARDS AUSTRIA
quintessenz - Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter
http://www.quintessenz.at

VIBE!AT - Verein für Internet-Benutzer Österreichs http://www.vibe.at/

LUGA - Linux User Group Austria - http://www.luga.or.at/

DIE JURY-MITGLIEDER - http://www.bigbrotherawards.at/2006/Jury

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