Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth empört über Jürgen Flimm : "Wir sind nichts als Abfall!"

Wien (OTS) - In der neuen BÜHNE äußert sich die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die am 20. Oktober ihren 60. Geburtstag feiert, erstmals zu Zeitungsmeldungen, wonach Jürgen Flimm die Uraufführung ihrer Oper "Der Fall des Hans W." bei den Salzburger Festspielen 2009 plane: "Ich weiß davon nichts. Mit mir hat niemand gesprochen." Die Oper bestehe seit drei Jahren nur aus dem von Jelinek verfassten Libretto über den Kinderarzt und Kinderschänder Franz Wurst, die Musik sollte Olga Neuwirth komponieren. Der amerikanische Tenor Neil Shicoff , der Jelineks Libretto großartig findet und gern die Titelrolle, die Olga Neuwirth für ihn komponieren wollte, singen würde, versucht seit zwei Jahren, Flimm für die Uraufführung bei den Salzburger Festspielen zu gewinnen.

Ohne Absprache mit den beiden Künstlerinnen vereinbarte Flimm eine Koproduktion mit der Amsterdamer Oper und übertrug deren Chef, Pierre Audi, einem "mittelmäßigen Handwerker", die Regie. Olga Neuwirth weigert sich nun, auch nur eine Note zu schreiben. Neuwirth: "Gerade dieser Stoff braucht keine harmlose Umsetzung, sondern eine explosive. Den Überhit finde ich aber, daß der Audi nicht einmal das Libretto kennt."

Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth wünschen sich den dänischen Dogma-Regisseur Lars von Trier, der mit ihnen, wie Jelinek sagt, "unbedingt etwas machen will, am liebsten eine ,Operette‘, und es ist ja eine Gespensteroperette." Nach allen ihren Erfahrungen wollte Olga Neuwirth "ein Mitspracherecht bei der Regie", so Jelinek. "Man kann nicht zwei Jahre an einer Oper arbeiten und sie dann irgendjemandem hinwerfen. Daß einem Intendanten der Regisseur wichtiger ist als die Schöpfer des Werks, ist für mich selbstverständlich, da ja die Schöpfer eines Werks für die Opernintendanten das Gleichgültigste überhaupt sind. Jeder andre ist wichtiger, auch die Interpreten, vor allem die Interpretinnen, das ist doch eindeutig." Und Olga Neuwirth:
"Das stinkt zum Himmel, was der Flimm von sich gibt und wie er mit Komponisten umgeht. Darf ich noch mitdenken, oder muß ich als zu schweigen habende Komponistin-Idiotin ausgeschaltet werden? Ich weiß, daß Shicoff es machen will, aber da kann er einmal sehen, wie mit erstschaffenden Künstlern umgegangen wird, die nicht einmal völlig unbekannt sind. Wir sind nichts als Abfall."
"2009 in Salzburg geht sicher nicht, vor ’11 kann Olga nicht", korrigiert Elfriede Jelinek die "Wurstoper"-Zeitungsenten. Olga Neuwirth könnte - vorausgesetzt, sie einigt sich mit Flimm auf einen Regisseur und bekommt einen akzeptablen Vertrag - wegen anderer Aufträge die Oper frühestens 2010 fertigstellen, die Uraufführung wäre also erst 2011 möglich.

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