WirtschaftsBlatt Kommentar vom 28. 9. 2006: Heuschrecken müssen nicht zur Plage werden - von Angelika Kramer

Heuschrecken lassen sich schwerer abspeisen als Kleinaktionäre

Wien (OTS) - Jetzt haben die Heuschrecken also auch Österreich entdeckt. Während unsere deutschen Nachbarn schon mehrfach gegen die Begierden dieser zumeist nur auf Profit ausgerichteten Hedge Fonds ankämpfen mussten, ist die BA-CA hierzulande das erste "Opfer". Der britische Fonds Polygon wünscht in einem öffentlichen Schreiben Aufklärung über die Vorgänge rund um die Eingliederung der BA-CA in die UniCredit-Gruppe und wird dabei sehr scharf: "Warum fühlen Sie sich nicht mehr an die Entscheidung des Vorstands gebunden, eine Veräusserung der BPH-Beteiligung fände nicht statt? Was hat Sie zu diesem Wortbruch veranlasst?" werden die BA-CA-Chefs angeschossen.

Das ist ein völlig neuer Stil für Österreichs Vorstände, die sich ab sofort warm anziehen können. Denn eines ist klar: So leicht wie sich in der Vergangenheit gelegentlich Kleinaktionäre über den Tisch ziehen haben lassen, wird das den Unternehmen bei den Heuschrecken sicher nicht mehr gelingen. Dabei soll der BA-CA gar nicht unterstellt werden, dass sie ihre Aktionäre übervorteilen wollte -die Bewertung ihrer Geschäfte führt auch unter den Analysten zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Dass dem BA-CA-Streubesitz bei den Verhandlungen mit der UniCredit aber ganz sicher keine Priorität eingeräumt wurde, davon kann man wohl ausgehen. Wer bei den Italienern kümmert sich schliesslich schon darum, dass den Aktionären einmal zugesichert wurde, die BPH bleibe bei Österreich? Sicher niemand. Der UniCredit ist es wichtig, dass in Polen Ruhe herrscht und dass die Restrukturierung rasch ihren Lauf nehmen kann. Ebenso mit Vorsicht ist auch die Aussage der BA-CA zu beurteilen, sie bleibe bis auf Weiteres an der Börse. Wie schnell die Italiener bei Delistings sind, hat man erst jüngst bei der Generali Versicherung gesehen.

Genau in diesem Fall ist es aber gut, wenn jemand wie Polygon zur Stelle ist, der ähnliche Interessen wie die typischen Kleinaktionäre hat und Erfahrung im Verhandeln vorzuweisen hat. Zwar hat es auch in Österreich in den letzten Jahren schon erfolgreiche "Zwergen-Aufstände" gegeben, das aktuelle Beispiel Constantia Iso zeigt aber deutlich, dass Kleinaktionäre von den Unternehmen noch immer nicht allzu ernst genommen werden.

Wenn es Polygon also vermag, mit seinem Vorstoss die Aktionärskultur in Österreich zu stärken, dann kann man nur sagen: Seid willkommen, Heuschrecken!

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