Junge MS-Patienten sollen keine Pflegefälle werden

Wien (OTS) - Schwere Fälle von Multipler Sklerose bangen täglich um ihre Leistungsfähigkeit. Wann tritt der nächste Schub auf, wie massiv wird er die ohnehin eingeschränkte Lebensqualität erneut senken? Der Wirkstoff Natalizumab gibt jenen Hoffnung, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Aussetzen der Krankheitsaktivität. Die neue Therapieform wirkt wie eine Schutzschranke: Die Killerzellen gelangen nicht mehr an den Brandherd! Sie kommen nämlich nicht um zu löschen sondern um den Brand noch anzufachen. Sie sind die Killer-und Abräumzellen in der Endstrecke der Entzündungskaskade, wenn im Zuge eines MS-Schubes die Immunattacke gegen die körpereigene Substanz Myelin in Gang gesetzt wurde.

"Gerade die Debatte über Pflegenotstand motiviert dazu, MS-Patienten - wo noch möglich - vor der Situation zu bewahren, selbst Pflegefall zu werden. Ganz besonders gilt das natürlich für junge Patienten," sagt Univ. Prof. Dr. Lüder Deecke, Vorstand der Klinischen Abteilung für Neurologie am AKH Wien. "Der Bedarf einer innovativen Option für MS-Patienten, die auf immunmodulierende Therapien nicht mehr ausreichend ansprechen, war groß. Natalizumab schließt nun diese Lücke."

Bei der Multiplen Sklerose sind Teile des Zentralnervensystems -in erster Linie die die Nervenfasern (Axone) umgebende Myelinschicht - betroffen: die "Kabel" (Axone) sind auch hier mit dem Isolationsmaterial Myelin - den Markscheiden der Nerven - isoliert. Dagegen richtet sich die Immunattacke. Ein Angriff auf breiter Front (die Entzündungskaskade) beginnt und eskaliert bis zum Einmarschieren der aktivierten T-Lymphozyten aus dem Blut, die sich als wahre Killerzellen gebärden und die Markscheidensubstanz Myelin von den Axonen abstreifen. Diese funktionieren in so gestripptem Zustand nicht mehr, sie können nicht mehr elektrische Signale leiten. In der Heilungsphase wird zwar vielfach eine elektrische Leitung wieder herbeigeführt, allerdings signifikant langsamer als Hirnfasern sonst zu leiten imstande sind (ca. 60m/sec). Dies führt dazu, dass die vielen Prozesse im Gehirn, die ein exaktes Timing erfordern, nicht mehr richtig koordiniert sind.
So kommt es zu Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Augenbewegungs- und Sehstörungen, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen und Gangstörungen. Nach dem Schub kann z.T. gute Remission (Besserung) eintreten, häufig kann aber das Ausgangsniveau nicht wieder erreicht werden.

Gerade bei jungen Patienten muss man wachsam sein, um die oben beschriebenen typischen Symptome nicht falsch zu interpretieren. Die modernen technischen Untersuchungen haben die Diagnosesicherung und vor allem die Früherkennung enorm verbessert.

Der "Firewall" im Blutkreislauf

Prof. Deecke: "Der Wirkstoff Natalizumab ist in der Lage, die gefährliche Endstrecke der Entzündungskaskade zu unterbrechen. Die aktivierten T-Lymphozyten werden daran gehindert, durch die Gefäßwand der Kapillaren in das Zentralnervensystem zu wandern. So lässt sich die entzündliche Reaktion vor Erreichen der gefährlichen Endstrecke stoppen."

Natalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der wie gesagt das Durchschlüpfen der aktivierten Lymphozyten durch die Gefäßwand blockiert. Damit unterscheidet sich dieses Medikament deutlich von der Wirkweise der Standardtherapie.
Die Studienergebnisse sind beeindruckend: Bei beta-Interferon und anderen Immunmodulatoren kann eine Reduktion der Schubrate um ca. 1/3 erreicht werden, bei Natalizumab gelingt eine Schubratenreduktion von 2/3 (= 68%).

Diese Aussage einer Patientin ist typisch für schwer MS-Kranke:
"Meine abendliche Angst, ob ich morgen noch Milch über meine Cornflakes schütten kann, hat mich gelähmt und mit grausamer Konsequenz daran erinnert, dass der nächste Schub wie ein Gewitter über mich kommen wird: heftig, unaufhaltbar."

Die bisherigen Therapiemöglichkeiten...

... sind bei schweren Krankheitsschüben oft nicht ausreichend und viele MS-Patienten leiden darunter, dass ihre bisherige immunmodulatorische Therapie das Fortschreiten der neurologischen Ausfälle nicht mehr entscheidend aufhalten kann.

Prof. Deecke abschließend: "Als Neurologe und Präsident der Österreichischen MS-Gesellschaft, die österreichweit die Interessen der MS Patienten vertritt, liegt es mir sehr am Herzen, den Patienten das wirksamste Medikament, das es gibt, zukommen zu lassen, um so möglichst viel an Lebensqualität lange zu erhalten."

Beta-Interferon-Präparate werden jeden zweiten Tag, dreimal pro Woche oder einmal pro Woche verabfolgt. Natalizumab braucht nur einmal pro Monat als i.v. Infusion gegeben zu werden.

Dachverband der MS Gesellschaft Österreich:
Präsident: o.Univ.Prof. Dr. Dr. h.c. Lüder Deeck Universitätsklinik für Neurologie - AKH Wien
1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20

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