NEWS: Rushdie über Handke und Grass

Salman Rushdie, der im Oktober in Heidenreichstein (NÖ) Mittelpunkt eines Literaturfestivals sein wird, äußert sich in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe

Wien (OTS) - Vorausmeldung zu NEWS Nr. 39/06 v. 28.09.06

Der jahrelang von der Fatwa bedrohte Autor in NEWS: Ich habe für Handkes jüngste politische Dummheiten über Serbien nicht viel Zeit. Aber ich bewundere sehr viel von seinem Werk, besonders ,Die Angst der Tormanns beim Elfmeter. Was Grass betrifft: Er ist ein guter Freund von mir und mit Philip Roth und Gabriel Garcia Marquez einer der größten lebenden Schriftsteller. Niemand hat besser über die Schande und die Verwirrungen der Seele geschrieben, als er erfuhr, wie durch und durch
verkommen die Philosophie der Nazis war, die er selbst zu Hause aufgesaugt hatte. Diese Schande, diese Verwirrung machten den Künstler. Der Mann ist jetzt erfüllt von Intergrität und Zweifel. Das zählt für mich.

Zum Thema Terror sagt Rushdie: Manche Menschen werden Terroristen, während andere unter ähnlichem Druck stehen und es nicht werden. Menschen können aus den banalsten Gründen Terroristen werden oder auch aus sehr tiefschürfenden: für etwas Geld, eine warme Uniform, regelmäßiges Essen oder weil ihre Männlichkeit oder ihr Herz angekratzt sind. Oder auch Menschen, denen die Welt keinen Status gibt: Sie entdecken in dieser Aktivität die Möglichkeit, im Zentrum eines Ereignisses zu sein, und wenn auch nur für einen Moment. Durch den Terrorismus können die Namenlosen, die Hoffnungslosen Stars werden finstere Stars, aber immer noch Stars. Ihr Anspruch ist in bestimmter Hinsicht der auf Berühmtheit. Gewalt ist Glamour.

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