Wolfgang Lorenz über erste konkrete Pläne

Pläne mit Daniel Kehlmann, Programmflächen für Junge Kritik an bisherigem Programm: Verkitschte alpenländische Suppe, Bachelor war ,,elektronischer Faschismus"

Wien (OTS) - Vorausmeldung zu NEWS Nr. 39/06 v. 28.09.06

Wolfgang Lorenz, designierter Programmdirektor des ORF, kündigt in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe erste konkrete Pläne und Veränderungen an.

Lorenz prinzipiell: -Es ist vorbei, dass eine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt nur Programmplacebos über verkitschte Leben verabreicht. Motto: Es herrscht Ruhe im Land, zahlt brav eure Gebühren. Gefragt sei Lebensorientierung, die polarisieren kann. Jede Art von Publikumsverachtung ist mir zuwider. Man muss die Leute in ihren Bedürfnissen ernst nehmen. Das muss nicht fad, das wird nicht immer lustig sein. Das Leben ist nicht immer lustig. Das Programm müsse unverwechselbar österreichisch sein, aber nicht diese verkitschte alpenländische Suppe (...) Wir waren zu mutlos. Sind nicht an die Grenzen der Möglichkeiten und des Gesetzes gegangen. Ich glaube, dass wir eine Verlässlichkeit ausstrahlen, die uns das Odium des Offizösen und, krass gesagt, des Staatsfunks eingetragen hat.

Konkrete Änderungen,Treffpunkt Kultur: Ob der Treffpunkt, so wie er seit zehn Jahren gelernt ist, nicht mittlerweile ein Missverständnis ist, wird zu besprechen sein. Es gilt die Kultur des Rausgehens, dorthin wo die Kultur passiert. Das ist wichtiger als Studioacts.

Opernübertragungen. -Man hat ja so getan, als wär das neu. Ich hab 1996 einen ,Figaro aus Salzburg live übertragen. Ich bin der Meinung, dass man das tun soll. Aber es ist die Frage, wie man mit Events umgeht. Lifeball oder Fußball-EM seien in einen ressortübergreifenden Gesamtschwerpunkt Gesellschaft, Dokumentation, Film einzubetten. Ebenso die Oper: Gerade an Traviata hätte man vieles andere anhängen können: eine Dokumentation über das Elend der Mätressen zum Beispiel.

Literaturverfilmungen: -Jetzt über eine Schnitzler-Verfilmung nachzudenken, wäre eine Retrogeschichte, die mir auf die Nerven geht. Interessant wäre mit Literaten von heute originär für das Fernsehen zu arbeiten. Ich will mit Daniel Kehlmann darüber reden, was ihm einfällt, in Erinnerung, was sein Vater (Michael Kehlmann verfilmte u. a. Joseph Roths Radetzkymarsch, Anm.) war.

Österreichischer Film. Die Einreichungen um Filmförderung sind oft eine Speisekarte der Untermittelmäßigkeit. Möglicherweise ist der ORF ist Miterzeuger eines Zustands, wo Filmemacher und Autorinnen Gremienfilme schreiben das was der ORF unter Hauptabend versteht , um Geld zu bekommen. Für Dokumentationen plant Lorenz einen fixen Sendeplatz. Für den jungen Spielfilm fordert er: Raschere, kleine Mut- und Talentproben. Es macht ja auch nichts, wenn von zehn Filmen zwei gelingen, drei mittelmäßig sind. Ich bin nicht dafür, dass man Geld wegschmeißt, aber man muss riskieren. Außerdem angedacht für Cineasten: Das Programm ist zu amerikanisiert. Wenn Dienstag nach der ZiB2 verlässlich Geschichten aus Europa einen Platz hätten, wird sich das Publikum darauf einrichten.

Programmflächen für Junge nach Art von FM 4: -Niemand von uns kann sich die Welt der 15- bis 20-Jährigen vorstellen. Aber was sich Jugendliche sicher nicht anschauen, ist ein Jugendmagazin. Daher muss man ihnen das Medium teilweise in die Hand geben. Man soll sich einfach nicht anscheißen, wenn einmal der halbe Sender brennt und am nächsten Tag regt sich ganz Österreich auf.

Massenprogramme: Formate wie Starmania zählt Lorenz zur Kultur des Landes. Das ist eine gute Bühne für Nachwuchsleute. Allerdings habe der ORF lange den Fehler gemacht erfolgreiche Formate solange zu perpetuieren, bis die Leute sagen: Starmania 27 brauchen wir nicht. Freilich differenziert er zwischen Starmania und unseren Fehlern Bachelor und Dismissed: Das hat einen Hauch von Menschenverachtung bis hinzum elektronischen Faschismus.

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