"WissenschaftlerInnen schreiben Presseaussendungen" - 5.Platz: Streß macht Pollen munter

Wien (OTS) - Streß bewirkt selten etwas Gutes. Anders ist das bei jungen Pollenkörnern von Blütenpflanzen. Normalerweise zur Bestäubung von Blüten bestimmt, bringt Streß sie zu einer einzigartigen Entwicklung: sie wachsen zu Pflänzchen heran- ohne Mitwirkung der weiblichen Blüte! Forscher an der Universität Wien befassen sich mit diesem nützlichen wie interessanten Phänomen.

Unter normalen Bedingungen bestäuben Pollenkörner die weiblichen Blütenteile zur Samenbildung. Isoliert man junge Pollenkörner, sogenannte Mikrosporen allerdings und setzt sie in der Petrischale stressigen Bedingungen wie Hitze oder Nahrungsentzug aus, so gehen ihre Gene mit ihnen durch: sie verzichten auf den innigen Kontakt mit den weiblichen Blütenteilen und wachsen ganz alleine zu Embryos und kleinen Pflanzen heran. Streß veranlaßt die Mikrosporen also dazu, ihr herkömmliches Entwicklungsprogramm zu stoppen und ein vollkommen neues zu beginnen. Diese Besonderheit wird in der Pflanzenzüchtung sehr geschätzt, da weit weniger Zeit zur Entwicklung neuer Sorten benötigt wird als mit konventionellen Methoden. Zudem fließt nur das Erbgut der Vaterpflanze in den Zuchtprozeß ein, was eine hohe Sortenreinheit gewährleistet.

Forscher an den Max F. Perutz Laboratorien der Universität Wien unter der Leitung von Prof. Heberle-Bors und Prof. Alisher Touraev versuchen herauszufinden, welche Pflanzenarten zu dieser Umprogrammierung fähig sind und welche Gene den Vorgang, die sogenannte Mikrosporen-Embryogenese steuern. Anhand von Tabak als Modellpflanze wurde eine Reihe von Genen aus gestreßten Mikrosporen isoliert. Besonders eines dieser Gene erregte die Aufmerksamkeit der Forscher, da es maßgeblich an der Umprogrammierung beteiligt zu sein scheint. Pflanzen, die nur geringe Mengen des Genprodukts aufweisen, sind nicht mehr zur Bildung von Embryonen aus Mikrosporen fähig und sogar in deren normaler Entwicklung gestört. Es werden allerdings noch Jahre vergehen ehe die vielen ungeklärten Fragen zu diesem Phänomen beantwortet sind.

Dieser Pressetext wurde am 26. September 2006 beim Wettbewerb "WissenschaftlerInnen schreiben Presseaussendungen" mit dem 5.Platz ex aequo mit Kerstin Scherr ausgezeichnet. Der Text-Wettbewerb wird von dialog<>gentechnik in Kooperation mit APA-OTS, einer Tochter der APA - Austria Presse Agentur, und dem Fond zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) organisiert.

Alle übrigen GewinnerInnen finden Sie in der digitalen Pressemappe unter: http://www.ots.at/pressemappe.php?q=EMITTENTID=910

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