Tausende Naturschutzverträge für Bauern in Gefahr

Mehr Geld von der EU, aber Pröll spart den Naturschutz kaputt

Wien. (OTS) - Minister Josef Pröll ist es gelungen, für 2007 bis 2013 um 700 Millionen Euro mehr für die ländliche Entwicklung in Österreich bei der EU in Brüssel abzuholen als ursprünglich erwartet und als in der vergangenen Periode von 2000 bis 2006 zur Verfügung standen. Insgesamt stehen für die nächsten sieben Jahre damit rund 3,9 Milliarden Euro zur Verfügung, die Österreich noch mal verdoppelt. Doch anstatt dem zunehmenden Artensterben entgegenzutreten und den Verpflichtungen aus Natura 2000 gerecht zu werden, werden die Mittel für praktischen Naturschutz bei 35 Millionen Euro pro Jahr eingefroren und das gesamte Umweltprogramm ÖPUL jährlich von 610 Millionen auf 527 Millionen Euro gekürzt. "Wir sehen nicht ein, dass der Lebensminister nun die zusätzlichen 700 Millionen Euro in die Investitionsförderung steckt und diese damit mehr als verdoppelt", so die Naturschutzorganisationen WWF und BirdLife. "Wir befürchten, dass nun vermehrt gerade die Natur und Landschaft zerstörende Projekte wie Forststraßen, Großstallungen und ähnliches gefördert werden und der Naturschutz in Österreich keine ausreichende finanzielle Grundlage mehr haben wird", so Michael Proschek vom WWF.

"Die Artenvielfalt in der österreichischen Kulturlandschaft nimmt ab und die Roten Listen gefährdeter Vögel werden immer länger", warnt Johannes Frühauf von BirdLife Österreich. "Wir müssen leider bei unseren Beobachtungen seit Jahren einen markanten Rückgang vor allem im Grünland feststellen, den wir auch wissenschaftlich dokumentieren können. So gingen die Braunkehlchenbestände in den letzten Jahren um 35 Prozent zurück." Eine Verbesserung der Situation versprechen sich die Experten vom Programm für die ländliche Entwicklung, derzeit die wichtigste Finanzierungsquelle für den Naturschutz. Gerade diese Naturschutzmittel werden aber nun eingefroren.

Die Folgen dieser verfehlten Förderpolitik zeichnen sich bereits ab. So werden z. B. in Niederösterreich Landwirte, die in intensiver Überzeugungs- und Beratungsarbeit für den Naturschutz gewonnen werden konnten, durch dramatisch verschlechterte Bedingungen aus geltenden Naturschutz-Verträgen hinausgedrängt. "Dem Naturschutz kommen die Partner abhanden", befürchtet sich Michael Proschek vom WWF. "Viele Bauern kommen zu mir und sagen, sie können es sich nicht mehr leisten, zu diesen Förderbedingungen Leistungen für die Natur und die Allgemeinheit zu erbringen", berichtet Johannes Frühauf aus der Naturschutzpraxis: "Tausende für den Naturschutz wertvolle Flächen drohen ab jetzt verloren zu gehen."

Minister Pröll hat zugesagt, dass Thema Naturschutz bei der bevorstehenden Agrarreferentensitzung am 6. Oktober zum Thema zu machen. "Wir befürchten aber, dass hier Naturschutz und Landwirtschaft wieder gegeneinander ausgespielt werden und werden den Minister daher mit Argusaugen beobachten" so Frühauf. Dass die Befürchtungen der Naturschützer nicht ganz unbegründet sind, zeigt die Situation in Salzburg. "Ich verstehe nicht, dass sich Agrar- und Naturschutzlandesrat Eisl in Salzburg trotz wachsender Herausforderungen sogar für eine Deckelung der Naturschutzgelder ausspricht", meint Michael Proschek vom WWF. Dabei sind Naturschutz und Landwirtschaft kein Gegensatzpaar - im Gegenteil: Gelder für Naturschutz-Maßnahmen sind ein wichtiger Einkommensbestandteil gerade für existenzgefährdete Kleinbauern. "Und Bauernsterben ist Artensterben", warnen die beiden Naturschutzorganisationen.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488-231.
Mag. Michael Proschek, WWF Naturschutzexperte, Tel. 0676-83488-236.
Johannes Frühauf, BirdLife Naturschutzexperte, Tel. 0669-12736059.

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