Hochleitner: Bessere Rahmenbedingungen erhöhen FTI-Output der Unternehmen - Malina: Unternehmen stoßen im Forschungsbereich zu schnell an ihre Grenzen

Maschinen & Metallwaren Industrie / Elektro- und Elektronikindustrie präsentieren Ergebnisse der Studie FORSCHUNG - TECHNOLOGIE - INNOVATION (FTI)

Wien (OTS) - Knapp 60% der F&E-Ausgaben und 60% der F&E-Beschäftigten sind den beiden größten heimischen Industriebranchen, der Maschinen & Metallwaren Industrie (MMI) bzw. der Elektro- und Elektronikindustrie (EEI), zuzurechnen. In den vergangenen drei Jahren haben durchschnittlich 80% der Unternehmen der beiden Branchen innovative Produkte auf den Markt gebracht oder merklich verbesserte Prozesse eingeführt. Die Unternehmen erzeugen durch ihre Leistungen im Forschungs- und Innovationsbereich signifikante Effekte für die österreichische Volkswirtschaft und tragen damit wesentlich zu einer erfolgreichen Wirtschaftsentwicklung unseres Landes bei. Jeder neunte EUR, der in Österreich erwirtschaftet wird, ist den innovativen Unternehmen der MMI bzw. der EEI zu verdanken. Die rund 1.220 Unternehmen generieren direkt und indirekt 47,4 Mrd. EUR der Produktion und sie tragen analog dazu 20,7 Mrd. EUR zur heimischen Wertschöpfung bei. Das sind die erfreulichen Ergebnisse einer vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) durchgeführten Studie zum Thema "Forschung - Technologie -Innovation", die die beiden Fachverbandsobmänner Albert Hochleitner (FEEI) und Clemens Malina-Altzinger (FMMI) heute im Rahmen eines Pressegesprächs vorstellten. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille, wie Albert Hochleitner anlässlich der Präsentation ausführte: "Die Studie zeigt uns deutlich, dass die Forschungstätigkeit der Unternehmen durch zu hohe Innovationskosten, das komplexe Fördersystem und zu geringe Beiträge der öffentlichen Hand zur F&E-Risikoabdeckung erschwert wird." Clemens Malina-Altzinger ergänzte weiters, dass rund 60% der befragten Unternehmen den Mangel an qualifiziertem Personal als Barriere für erfolgreiche FTI angeben würden. Umso wichtiger sei es, dass die Bemühungen im Bereich Forschung, Technologie und Innovation entsprechend vorangetrieben werden, um die Attraktivität des Standortes Österreich weiter zu erhöhen.

Unternehmen sehen Handlungsbedarf bei der Effizienz des Fördersystems

Innovation bedeutet "Forschung nah am Markt". Um ihre Innovationskraft auch entsprechend in Innovationsleistungen umsetzen zu können, gilt es für die Unternehmen die Planungs- und Investitionssicherheit sicherzustellen. Über 50% der befragten Unternehmen bemängeln jedoch die Unübersichtlichkeit des F&E-Fördersystems in Österreich. Vor allem für Klein- und Mittelunternehmen, deren Personalressourcen im Bereich Forschung und Entwicklung begrenzt sind, muss daher die Komplexität des Fördersystems entscheidend reduziert werden. Konkret fordern die Branchenvertreter daher eine Reduktion des administrativen Aufwandes für die Unternehmen und die Verbesserung der Übersichtlichkeit. Damit solle nach Meinung von Hochleitner und Malina nicht nur die Attraktivität des Fördersystems an sich, sondern auch die Möglichkeit einer Inanspruchnahme durch die Unternehmen verbessert werden.

Anhebung der F&E-Quote darf nicht auf dem Rücken der Wirtschaft ausgetragen werden

Laut Lissabon Agenda ist es Österreichs Ziel bis ins Jahr 2010 die F&E-Quote auf 3% des BIP zu erhöhen. Das wären nach derzeitigen Hochrechnungen Ausgaben von rund 9 Mrd. EUR. Dass die heimischen Unternehmen bereits jetzt einen großen Anteil der F&E-Finanzierung tragen, zeigen die von Statistik Austria[1] veröffentlichten Ergebnisse. Von der heimischen Wirtschaft werden im Jahr 2006 geschätzte 2,86 Mrd. EUR, das sind 45,8% der gesamten F&E- Mittel, aufgebracht. Weitere 1,06 Mrd. EUR (17,0 %) kommen vom Ausland (zusammen 62,8 %). Die öffentliche Hand steuert 36,9% bei (Bund 1,92 Mrd. EUR, Bundesländer 332 Mio. EUR). "Um im Jahr 2010 die angestrebte F&E-Quote zu erreichen, ist ab 2007 eine jährliche Steigerung der F&E-Ausgaben von durchschnittlich 10% erforderlich. Rechnen wir die derzeitigen Ausgaben auf das Jahr 2010 hoch, so lägen die F&E-Ausgaben der Wirtschaft dann bei rund 4 Mrd. EUR, zusammen mit dem Ausland bei knapp 5,8 Mrd. EUR. Die öffentliche Hand käme auf 3,1 Mrd. EUR. Eine unbegrenzte Belastung des risikobehafteten F&E-Eigenkapitals ist jedoch für die österreichische Industrie nicht finanzierbar. In unseren Augen muss es vielmehr eine Aufstockung der wirtschaftsbezogenen Forschungsförderung geben, um auch die weniger kapitalkräftigen KMU nicht in ihrer Innovationstätigkeit einzuschränken", appelliert FEEI-Obmann Hochleitner in Richtung einer neuen Bundesregierung.

Mangel an qualifiziertem Personal und "ForscherInnen-Brain drain" gefährden FTI-Leistungen

Knapp 90% der befragten Unternehmen nennen die Verfügbarkeit qualifizierter und innovativer Arbeitskräfte als wichtigen Einflussfaktor für die FTI-Tätigkeiten, für rund 60% der Unternehmen stellt der Mangel an Fachpersonal am Arbeitsmarkt eine wichtige FTI-Barriere dar. Die Unternehmen suchen technischen Nachwuchs - egal ob FacharbeiterInnen, HTL-AbsolventInnen, FH-AbsolventInnen oder DiplomingenieurInnen. "Das Ziel muss daher lauten, diesem Trend, immer weniger technische Ausbildungen zu wählen, entgegen zu wirken." Die Maschinen & Metallwaren Industrie hat z.B. im Frühsommer 2006 eine umfangreiche Image- und Informationskampagne gestartet. Argumente wie moderne Arbeitsumfelder, gute Karrierechancen und sichere Arbeitsplätze sollen mehr junge Menschen für eine technische Ausbildung überzeugen. Um die Innovationskraft der Unternehmen langfristig zu erhalten und in Anbetracht dessen, dass es im Jahr 2020 rund 20% weniger 15-jährige geben wird, ist es höchste Zeit, dass entsprechende Maßnahmen im Bildungssektor gesetzt werden", erklärte FMMI-Obmann Clemens Malina-Altzinger.

Infrastrukturausbau und flexible Rahmenbedingungen

Einig waren sich die beiden Fachverbandsobmänner darüber, dass der Erfolg Österreichs als Innovationsstandort in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Infrastruktur in den Bereichen Verkehr, IKT und Energie steht. Auch die Unternehmen bestätigen, dass die ausgezeichnete Exportleistung nur durch die entsprechende infrastrukturelle Anbindung an die internationalen Märkte gewährleistet werden kann. Sie sichert den Betrieben die internationale Wettbewerbsfähigkeit und erhöht zugleich die Attraktivität des Industriestandortes um ein Vielfaches. Ebenso entscheidend sei laut Hochleitner auch die Gestaltung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen. Hier gelte es die Flexibilisierung der Arbeitszeit entsprechend zu forcieren, wobei das Ziel für die Unternehmen Kostenoptimierung und für die Beschäftigten Wohlfahrtsoptimierung heißen müsse.

Volkswirtschaftliche Effekte erfolgreicher F&E-Tätigkeit

Die Leistungen der Unternehmen der Maschinen & Metallwaren Industrie bzw. Elektro- und Elektronikindustrie stellen eine wichtige Basis für die erfolgreiche Entwicklung anderer Sektoren, wie zum Beispiel Dienstleistungen, dar. Erfolgreiche F&E-Tätigkeit leistet hier einen wichtigen Beitrag, denn sie ist der entscheidende Schrittmacher für die Innovationskraft der Unternehmen und damit auch für Wachstum und Beschäftigung. "Laut IWI-Studie ist jeder neunte EUR, der in Österreich erwirtschaftet wird, den innovativen Unternehmen der MMI bzw. der EEI zu verdanken. Die rund 1.220 Unternehmen generieren direkt und indirekt 47,4 Mrd. EUR der gesamtwirtschaftlichen Produktion und sie tragen analog dazu 20,7 Mrd. EUR zur heimischen Wertschöpfung bei. Mit jedem Beschäftigten in der MMI oder der EEI werden bis zu eineinhalb zusätzliche Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie und vor allem im Dienstleistungsbereich geschaffen", betont Studienautor und IWI-Chef, Dr. Herwig W. Schneider. In Summe sichern die innovativen Unternehmen der MMI und EEI gesamtwirtschaftlich bis zu 327.000 Arbeitsplätze. Das sind 7,9% aller Beschäftigungsverhältnisse in Österreich.

Der FEEI vertritt in Österreich die Interessen von rund 300 Unternehmen mit ca. 57.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von mehr als 10 Milliarden EUR (Stand 2005). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern - dazu gehören u. a. die Fachhochschule Technikum Wien, das Forum Mobilkommunikation (FMK), das Umweltforum Haushalt (UFH), das Umweltforum Starterbatterien (UFS), der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband der Bahnindustrie (VBI) - ist es das oberste Ziel des FEEI, die Position der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken.

Der FMMI ist die Vertretung aller Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinen-, Anlagen-, Stahlbau und Metallwaren. Diese Branchengruppe stellt mit über 1.600 Unternehmen, etwa 110.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von rund 22 Mrd. EUR (2005) das Rückgrat der industriellen Beschäftigung in Österreich dar. Oberstes Ziel des FMMI ist die Mitwirkung an der Gestaltung von maßgeblichen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um den erfolgreichen Fortbestand der Unternehmen der Maschinen & Metallwaren Industrie im internationalen Wettbewerb zu sichern.

[1] Globalschätzung der F&E-Finanzierung, Statistik Austria 2006

Rückfragen & Kontakt:

Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie
Dipl.-Ing. Dr. h. c. Albert Hochleitner, Obmann des FEEI
c/o Siemens Österreich
Tel.: 051707-20000

Fachverband Maschinen & Metallwaren Industrie
Dipl. Ing. Dr. Clemens Malina-Altzinger, Obmann des FMMI
c/o Reform-Werke Bauer und Co GesmbH
Tel.: 07242/232-200

Fachauskünfte zur Studie:
Industriewissenschaftliches Institut (IWI)
Dr. Herwig Schneider
Tel: 01/513 44 11 DW 2070
Email: schneider@iwi.ac.at

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