Greenpeace: Im AKW Paks droht Brennstab-Mikado

Dennoch soll Betriebszeit um weitere 20 Jahre verlängert werden

Paks/Wien (OTS) - Die Betreiber des ungarischen Atomkraftwerkes
Paks wollen in den nächsten Wochen mit der Bergung von im Frühjahr 2003 zerbrochenen und abgesunkenen Brennstäben im Abklingbecken des zweiten Reaktorblockes beginnen. Dafür wurden über dreieinhalb Jahre lang Anbieter gesucht und im russischen Brennstab-Lieferanten TVEL schließlich gefunden. Dieses soll die gefährliche Bergung nun zum ersten Mal in der Geschichte der Atomenergie durchführen, nachdem in Russland über mehrere Monate an einem maßstabgetreuen Modell geübt wurde.

"Die lange Suchperiode beweist, wie heikel diese weltweite Premiere beim ungarischen Brennstab-Mikado ist", betont der Greenpeace-Atomexperte Erwin Mayer. Denn ähnlich dem Stäbchenspiel Mikado geht es bei dem Vorhaben im AKW Paks darum, die abgebrochenen und auf den Boden des Abklingbeckens abgesunkenen, gebrauchten Brennstäbe so zu bergen, dass sie dabei nicht weiter zerbröseln.

Geht dieses Experiment schief, droht erneut die Gefahr einer Rekritikalität bis hin zur Kernschmelze, obwohl die Betreiber zahlreiche Schritte zur Vermeidung ebendieser unternommen haben, so etwa sehr viel Borwasser und einen Neutronenfänger in das Abklingbecken zugefügt haben. "Das größte Problem liegt trotz aller Sicherheitsvorkehrungen darin, dass man hier technologisch absolutes Neuland betritt und den Informationen der ungarischen Behörden nun glauben kann oder auch nicht", kritisiert Mayer die fehlende Transparenz und fordert umfassende Informationen und Einsicht in die Bergungsmethode.

Greenpeace äußert überdies den Verdacht, dass die Zurückhaltung der ungarischen Behörden und der AKW-Betreiber potenzielle weitere Sicherheitsmängel des AKW verheimlichen soll, um die laufende UVP zur Lebenszeitverlängerung nicht negativ zu beeinflussen. Das nur dreihundert Kilometer von Wien entfernte AKW Paks ging für rund dreißig Jahre Betriebszeit ans Netz und soll trotz des schweren Zwischenfalls im Frühjahr 2003 um weitere zwanzig Jahre verlängert werden.

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Attila Cerman, Greenpeace CEE, Tel.: 0664-3435354
Erwin Mayer, Greenpeace CEE, Tel.: 0664-2700441

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