ÖAMTC-Baustellen-Test 2006: Österreichs Autobahn-Baustellen sind im Europavergleich Top (Teil 1, +Grafik, +Foto, +Beta TV-Material)

Rote Karte für Italien und Kroatien - viele Baustellen gelten dort als bedenklich

Wien (OTS) - Am Boden aufgestellte Schilder, störende Originalmarkierung, fehlende Beschleunigungsstreifen, wirr blinkende Warnleuchten - die Mängelliste war lang, die Kritik der Baustellentester streng, aber gerecht. Erst vor wenigen Tagen hat es im oberösterreichischen Wartberg Tunnel in einer Kurzbaustelle eine Frontalkollision mit einem Toten und zwei Verletzten gegeben. Im Vorjahr verunglückten österreichweit 196 Menschen bei Unfällen im Baustellenbereich auf Autobahnen, drei wurden dabei getötet, 15 schwerverletzt. Die drei getöteten Personen haben nicht in der geschützten Pannenbucht gehalten, sondern zu Fuß die Baustelle betreten.

Baustellen sind Gefahrenstellen - darum hat der ÖAMTC gemeinsam mit 15 Partnerclubs 53 Autobahnbaustellen in zehn europäischen Ländern getestet und "Schwarze Schafe" aufgedeckt. Gleichzeitig gibt es aber auch einiges an Lob. "Das Baustellenmanagement wurde in den vergangenen Jahren deutlich besser", sagt ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke. Im aktuellen Test dürfen sich Österreich und Großbritannien die Krone aufsetzen. Aufholbedarf ist aber überall noch möglich. Besonders besorgniserregend ist das Ergebnis für die beliebten Urlaubsdestinationen Kroatien und Italien. "Für einige Autobahnbaustellen gab es hier nur die Rote Karte", kommentiert Matzke die Ergebnisse.

Beim Lokalaugenschein in Österreich gab es für drei der acht heimischen Testkandidaten ein "sehr gut", viermal "gut" und ein "ausreichend". Die Vorzeigekandidaten liegen alle auf der West Autobahn (A1): Das sind die Baustellen zwischen Pressbaum und Wien-Auhof, zwischen Knoten Voralpenkreuz und Vorchdorf und zwischen dem Knoten St. Pölten und Böheimkirchen.

"Für die längste (22 Kilometer) und komplizierteste Baustelle Europas auf der Süd Autobahn (A2) bei Modriach hat es immerhin zu einem "gut" gereicht. Schwächen im Test waren die zu geringe Anzahl an Fahrspuren, Originalmarkierungen, die teilweise nicht entfernt wurden, zu viele Baustellenzu- und abfahrten und Blinkleuchten, die blenden, trüben das positive Bild. Einige der Kritikpunkte im Test konnten von der Asfinag bereits beseitigt werden. "So wurde die Markierung verbessert, die Anzahl der Baustellenausfahrten reduziert und ein eigenes Staumanagement eingeführt", sagt der ÖAMTC-Verkehrsexperte. Der Club macht sich dafür stark, dass diese bisher in Europa einmalig lange Großbaustelle bis zum Sommer 2007 fertig wird. Bis dahin gibt es aber in zwei Tunnels noch Gegenverkehr. Dann soll es aber von Graz bis Wolfsberg unbehinderten Verkehr geben.

"Die beste Baustelle ist die, von der man nie etwas hört, wo es keine Staus und keine Unfälle gibt", sagt Matzke. Fast hätte es für die Baustelle auf der Tauern Autobahn (A10) zwischen Gmünd und Spittal an der Drau zu einem "sehr gut" gereicht - aber nur fast. Denn die notwendigen Verbesserungen im Baustellenbereich wurden erst nach dem Test unternommen. Seit Ende Juni rollt der Verkehr nun klaglos auf vier Fahrstreifen mit durchgehender Mittelsicherung über die Baustelle und erstmals in Europa, sogar vierspurig durch den neuen Tunnel Trebesing. "Außerdem wurden die Markierungen ab 30. Juni in hellem Weiß ausgeführt und nicht in antiquiertem Orange, eine Farbe, die man im Dunkeln besonders schlecht sieht und überhaupt eine österreichische 'Eigenheit' ist", so der ÖAMTC-Verkehrsexperte. Ganz Europa verwendet signalgelb oder eben weiß.

Ein echter Schandfleck ist der österreichische Testverlierer auf der Inntal Autobahn (A12) zwischen Kufstein-Süd und der deutsch-österreichischen Grenze. "Vor allem die Markierungen waren dort so verwirrend, dass man beim besten Willen nicht erkennen konnte, auf wie vielen Fahrspuren hier gefahren werden darf. Endlose Staus waren die Folge, was für eine Mautautobahn kein akzeptabler Zustand ist", kritisiert Matzke. Die Asfinag hat daher für die Zukunft regelmäßige Baustellenkontrollen mit den ÖAMTC-Experten angekündigt und einen eigenen Ombudsmann für Beschwerden eingerichtet. Bis Ende September soll es diese Baustelle noch geben.

Rote Karte für italienische und kroatische Baustellen

Mangelhaft bis sehr mangelhaft schnitten die kroatischen Baustellen bei der Verkehrsführung ab. Das größte Manko: Gegenverkehr und Arbeitsbereich waren nur durch kleine Baken getrennt, in den Ein-und Ausfahrten gab es keine Beschleunigungs- oder Verzögerungsstreifen, der Fahrbahn-Zustand war schlecht und die Information erwies sich ebenfalls als glatte Nullnummer.

Auch bei den Italienern ist die Liste der Defizite lang: Der Gegenverkehr war teilweise nur mit kleinen Baken abgetrennt, die Einfahrten gefährdeten den Verkehr und Ein- und Ausfahrten waren generell nur schlecht zu erkennen. "Teilweise musste man vor der Einfahrt in die Autobahnbaustelle vor einer Stopp-Tafel Halt machen, was das Einordnen in den fließenden Verkehr fast unmöglich macht", kritisiert Matzke den südlichen Nachbarn. "Wirr blinkende Warnleuchten verhinderten obendrein jegliche Orientierung."

Die Schweiz liegt mit ihren Testergebnissen im Mittelfeld. Die Deutschen bekamen vor allem bei der Verkehrsführung schlechte Noten, auf hohem Niveau hingegen war die Beschilderung und Markierung sowie der Fahrbahnzustand. In Spanien fanden die Tester auch bei Dunkelheit vollste Zufriedenheit. Die Fahrbahn-Markierungen waren eindeutig und durchgehend reflektierend. Negativ vielen aber Schilder auf, die am Boden abgestellt waren und leicht überfahren werden konnten. Das gleiche gilt für die Franzosen. Positiv fiel aber die Abtrennung des Arbeitsbereichs durch Betonleitwände auf, was selbst in Österreich noch vielfach fehlt. Großbritannien als Testsieger weist eine Besonderheit auf: Hier werden die Baustellen nachts oft komplett umgebaut, was aber leicht in die Irre führen kann.

Club fordert europaweit einheitliche Sicherheitsrichtlinien

In Österreich weisen Smilies durch die Baustelle, in Großbritannien ist bei Nacht alles anders als tagsüber und in Italien werden die Autofahrer von sehr steilen Verschwenkungen überrascht. Jedes Land hat bei der Gestaltung der Baustellen so seine Eigenheiten. "Was der Verkehrssicherheit nicht sehr dienlich ist. Eine einheitliche europäische Regelung ist längst überfällig", fordert Matzke als Konsequenz aus dem Ergebnis.

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