Schule soll Minderheiten in die Mitte rücken Parlament - neues Buch thematisiert mehrsprachige Lebenswelt

Wien (PK) - Ein internationales Publikum folgte heute Nachmittag der Einladung von Nationalratspräsident Andreas Khol zur Präsentation des im Drava-Verlag herausgegebenen Buchs "Vom Rand zur Mitte -Jugendliche von Minderheiten sagen ihre Meinung". An der Spitze der zahlreichen Gäste waren VertreterInnen von Minderheiten wie Rudolf Sarközi vom Kulturverein Österreichischer Roma sowie Anas Schakfeh, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft im Parlament erschienen. Im Rahmen des von Christian Fridrich, Professor an der Pädagogischen Akademie, mit initiierten EU-Projekts CENTIME kamen Kinder und Jugendliche aus Minderheiten in Europa zu Wort und berichteten über ihr Leben, ihre Erfahrungen, Probleme, Erwartungen, Perspektiven und Wünsche.

In Vertretung von Nationalratspräsident Andreas Khol ging die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus Hannah Lessing in ihren Begrüßungsworten auf das Schicksal der Roma und Sinti ein. Auch auf Grund ihrer Anerkennung als Volksgruppe im Jahr 1993 haben die Angehörigen dieser Minderheit nunmehr stärkeres kulturelles Selbstbewusstsein entwickelt, gleichzeitig zeige aber auch die Bevölkerung Interesse für das Leben der Roma jenseits der althergebrachten Vorurteile. Das Buch biete vielseitige, berührende Einblicke in das Leben von Minderheiten und trage zu deren Verständnis mehr bei als die Aufzählung von historischen Fakten oder Statistiken.

Der Direktor der Pädagogischen Akademie des Bundes in Wien Manfred Teiner bezeichnete die heranwachsende Generation als den Hoffnungsträger für den Abbau von Vorurteilen und betonte, dass gerade Jugendliche im Alter zwischen 10 und 14 Jahren eine besondere Sensibilität für diese Thematik haben. Daher sei es auch wichtig, dass die Lehrer eine entsprechende Fortbildung in diesem Bereich absolvieren können.

Christian Fridrich nannte Beispiele dafür, dass die Minderheiten in Österreich einen wichtigen Teil der heimischen Geschichte, Kultur und Identität darstellen. Minderheiten seien "eine Bereicherung für die Gesellschaft."

Die EU-Projekte CENTIME und COMENIUS

CENTIME will das öffentliche Interesse an Minderheiten verstärken. Die teilnehmenden Staaten sind: Finnland, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und Zypern. Das EU-Projekt ist mit dem größeren europäischen Projekt COMENIUS zur Verbesserung der Schulbildung und zur Verstärkung der europäischen Dimension verbunden. Im Zentrum stehen die Förderung des Sprachenerwerbs sowie der Mobilität, das Lernen in einem multikulturellen Umfeld, die Unterstützung benachteiligter Gruppen und das Verhindern von Ausgrenzung.

Elf Sprachen - in einem Buch vereint

Als "pädagogischen Meilenstein auf dem Weg zur Überwindung von Vorurteilen" bezeichnet Bundespräsident Heinz Fischer im Vorwort das Buch, in dem "auf hohem erziehungswissenschaftlichen Niveau die Aussagen von Kindern und Jugendlichen aus Minderheiten in Europa gesammelt und einander gegenübergestellt" sind. - Schulbücher werden meist von AutorInnen der Mehrheit für die Mehrheit geschrieben. Wenn es um Minderheiten geht, werden oft ethnozentrische Stereotypen übernommen und somit problematische Einstellungsmuster tradiert.

Um dieser Situation zu begegnen, kommen im vorliegenden Band Kinder ausgewählter Minderheiten selbst zu Wort. Die Beiträge der GewinnerInnen eines im Rahmen des interkulturellen Projektes CENTIME international angelegten Aufsatzwettbewerbes zum Thema "Was mich als Angehöriger einer Minderheit freut, ärgert und bewegt und was ich mir von der Zukunft erwarte" bilden den Hauptteil des Buches. Die Verfasser der Aufsätze im Alter zwischen zehn und 18 Jahren gehören folgenden Minderheiten an: Roma in Rumänien, Finnland und Österreich, KapverdierInnen in Portugal, LateinamerikanerInnen in Spanien, UkrainerInnen in Polen und PontierInnen in Zypern. Das gesamte Werk ist in englischer und deutscher Sprache verfasst, die Aufsätze wurden teilweise in der Minderheitensprache beziehungsweise in der jeweiligen nationalen Sprache geschrieben, sodass das Buch insgesamt elf Sprachen vereint. Vorangestellt wurde den Aufsätzen jeweils ein vom jeweiligen Projektleiter verfasster Bericht zur Situation der betreffenden Minderheit.

Hauptziel des Werkes ist der Abbau von Ethnozentrismus, Stereotypen und Vorurteilen. Als Lehrbuch in offenen Unterrichtsformen eingesetzt, soll es affektiv-handlungsorientierte Lernmöglichkeiten eröffnen: SchülerInnen lernen aktiv und dynamisch Lebenskontexte kennen, Erfahrungen sammeln und sich eine Meinung bilden, wobei den LehrerInnen in diesem Lernumfeld die Moderatoren- und Betreuerrolle zukommt. Als Lehr- und Lernmethoden werden unter anderem Textanalysen, Rollenspiele sowie Interviews und deren Präsentation in Wort und Bild vorgeschlagen und erläutert.

Jugendliche sollen sich engagiert mit Minderheiten beschäftigen, betonte Fridrich, denn sie befinden sich in dem wichtigen Lebensabschnitt, in dem Feindbilder entstehen können. CENTIME will die Chance nutzen, dies zu verhindern, indem es Angehörige von Minderheiten und Volksgruppen, die in der Regel nicht in der Mitte, sondern am Rand der Gesellschaft leben, in die Mitte des -schulischen - Interesses stellt.

Das Buch " Vom Rand zur Mitte" zählt zu den aktivitätsfördernden Unterrichtsmaterialien. Die Homepage http://www.centime-minorities.net, ein Webmagazin, eine Audio-CD sowie ein Poster "Vielfältiges Europa" runden die Unterlagen zu einer Gesamtheit ab, die im Unterricht als Medienpaket verwendet werden kann. Für LehrerInnen werden zudem regionale und nationale Fortbildungskurse angeboten, in denen innovative Lehr- und Lernformen vorgestellt und praktisch erprobt werden.

Christopher Berger, ein Lehrling aus der Volksgruppe der Roma, trug seinen im Buch abgedruckten Aufsatz vor. Der Leiter des Drava-Verlages Thomas Busch wies insbesondere auf die Bedeutung der Mehrsprachigkeit in der globalisierten Gesellschaft hin.

HINWEIS. Fotos von der Ausstellungseröffnung finden Sie - etwas zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im Fotoalbum:
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