DER STANDARD-KOMMENTAR "Gefährliche U-Boote" von Johanna Ruzicka

Ausgabe vom 21.9.2006

Wien (OTS) - Nicht nur, dass Genveränderung bei Nahrungs- und Futtermitteln Ängste hervorruft. Nicht nur, dass den mit den dazugehörigen Untersuchungen betrauten Behörden eine zu intime Nähe zur Gentechnik-Industrie vorgeworfen wird. Nein, es kommt noch dicker:

Die EU, die mit einer durchgängigen, vernünftigen Haltung zu Gentechnik-Produkten noch ringt, wird mit GVO-Konstrukten überschwemmt, die insofern illegal sind, als sie entweder für den Markt nicht gedacht waren und/oder den legalen Weg nie über Zulassungsverfahren gefunden haben.

Ein vernünftiges und machbares Vorsorgeprinzip, das auf Kennzeichnungsregeln sowie Gesundheits- und Umweltauflagen basiert, und um das sich die EU allen Unkenrufen zum Trotz bemüht, wird so unterwandert und lächerlich gemacht. Genmanipulierte "U-Boote", die aufgrund von Schlampigkeit und/oder Korruption irgendwo in der Welt entwickelt, vervielfältigt und schließlich industriell hergestellt werden, kommen anscheinend öfter vor, als uns allen lieb ist - den Gegnern wie den Befürwortern. Und solche "U-Boote" werden häufiger werden, weil ja der "Fortschritt" auch nicht pausiert.

Klar wird dabei die eminent wichtige Rolle starker Lebensmittel-Untersuchungsbehörden, die schnell reagieren und die nötige Expertise auch aufweisen können. Eine Gentechnik durch die Hintertür, in Konstrukten, die die Behörden nicht kennen, samt den technisch unvermeidbaren Verunreinigungen, benötigen ein profundes Know-how.

Deutlich wird dadurch im Übrigen auch, wie wichtig eine scharfe Kennzeichnungsregelung ist, die unabhängig von lobbyistisch ausgehandelten Schwellenwerten ist. Wo Gentechnik drin ist, sollte auch Gentechnik draufstehen.

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