ARGE ÄrztInnen: Keine lebensnotwendige Operation wird aufgeschoben

Grund für drohende Zwei-Klassen-Medizin: Geldentzug durch den Bund

Wien (ARGE ÄrztInnen/ÖGB) - "Keine lebenswichtige Operation wird in Wiens Spitälern aufgeschoben, und erst recht nicht wegen des Widerstandes der Gewerkschaften", sagt Dr. Sabine Oberhauser, Vorsitzende der ARGE ÄrztInnen im ÖGB, zu Vorwürfen der Wiener ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Die angestellten MedizinerInnen haben flexiblen Arbeitszeitmodellen immer zugestimmt, solange die Belastbarkeit der in den Spitälern Arbeitenden in gerade noch erträglichem Ausmaß geblieben ist.

"Nicht nur in den aufwändigen Bereichen wie Herzchirurgie, Orthopädie oder Neurochirurgie wird bis 18 Uhr durchoperiert", so Oberhauser. Die Wiener Spitäler stehen den Menschen 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag offen. In Notfällen wird natürlich zu jeder Tages- und Nachtzeit operiert und behandelt. "Aber keiner Patientin und keinem Patienten ist zuzumuten, dass sie oder er um zwei Uhr früh zum Belastungs-EKG gebeten wird", so Oberhauser.

Oberhauser möchte Korosec aber daran erinnern, dass für den 24-Stunden-Betrieb auch ausreichend Personal zur Verfügung stehen muss. "Der Bund kürzt den Ländern permanent das Geld für die Spitäler, die ÄrztInnen müssen bis zu 100 Stunden pro Woche arbeiten", berichtet Oberhauser. "Bei jeder weiteren Ausweitung der Arbeitsbelastung wird es für die PatientInnen gefährlich", warnt die ÄrztInnenvertreterin.

Jedenfalls sei Österreich nicht wegen ÄrztInnen oder Gewerkschaften von der Zwei-Klassen-Medizin bedroht, sondern nur wegen der permanenten Kürzungen der Finanzmittel. "Durch den wissenschaftlichen Fortschritt steigen die Behandlungskosten, also werden wir nicht darum herumkommen, zusätzliches Geld in die Medizin fließen zu lassen", fordert Oberhauser. Dafür sei ein Heraufsetzen der Höchstbeitragsgrundlage bzw. die Einführung von wertschöpfungsabhängigen Komponenten in der Sozialversicherung notwendig. (fk)

ÖGB, 19. September
2006 Nr. 612

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