"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Früchte des Terrors" (Von Kurt H0rwitz)

Ausgabe vom 15.09.2006

Wien (OTS) - Wenn Amerika Krieg führt, geht es fast immer auch um Geld, um Erdöl und um Macht. Dass die USA dabei besonders zimperlich agieren, kann man nicht behaupten. Nicht umsonst geht das Wort von der "Kanonenbootpolitik" auf das Verhalten der Amerikaner im 19. Jahrhundert zurück. Damals kreuzte die Kriegsflotte der USA vor Latein- und Mittelamerika, um diese beiden wichtigen Handelspartner gefügig zu machen.
Die jüngsten Coups erinnern an diese schon fast in Vergessenheit geratene Zeit. Statt mit Kanonenbooten vor der Küste zu patrouillieren, werden Computer eingesetzt, um Datenströme unter Kontrolle zu bekommen.
Den Vorwand liefert der Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Ihm verdanken wir das Ende des anonymen Sparbuchs die Legitimierung aller Einlagen und demnächst auch die Ausweispflicht bei Bareinzahlungen in Banken. Die Amerikaner haben es verlangt, weil sie auf der ganzen Welt Schwarzgeldkonten von Terroristen wittern. Die EU und Österreich haben nachgegeben.
Inzwischen stellt sich heraus, dass die USA längst den weltweiten Geldverkehr unter genauester Beobachtung haben. Sie haben "Swift" dazu gebracht, ihnen automatisch und zeitgleich Kopien der Daten aller Zahlungsströme nach Amerika zu liefern.
Das Pikante daran: Swift (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) ist eine Gemeinschaftsgründung europäischer Banken, die seit 1973 praktisch den gesamten internationalen Zahlungsverkehr von 7800 Banken in mehr als 200 Ländern bündelt und abwickelt. Die Eigentümer und Auftraggeber wussten bis heuer nichts davon, die Auftraggeber der Überweisungen erst recht nicht. Betroffen waren schon bisher hunderttausende Europäer. Ihre Geldtransaktionen lassen Schlussfolgerungen auf wirtschaftliche Aktivitäten zu - ein klassischer Fall von Wirtschafts- und Industriespionage.
Aber das ist noch lange nicht alles. Wer in die USA exportieren will, muss 24 Stunden vor Versendung der Ware detaillierte Informationen inklusive Wert der Ladung an die US-Zollbehörden schicken. Auf die Daten haben Marktforschungsunternehmen Zugriff, die sie ihrerseits um gutes Geld an Interessenten verkaufen.
Es wird Zeit, diesen Praktiken ein Ende zu machen. Der Kampf gegen den internationalen Terror, seine Hintermänner und Financiers ist wichtig. Er darf aber nicht zum Vorwand für einen Wirtschaftskrieg gegen die restliche Welt werden, in dem sich die USA unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung Zugriff auf alle nur irgendwie greifbaren Finanzdaten verschaffen.

Rückfragen & Kontakt:

Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVN0001