ÖGB-Hundstorfer: Soziale Selektion in Österreichs Bildungssystem

Aktuelle OECD-Studie: Bildungsausgaben sinken seit Jahren

Wien (ÖGB) - "Die Zahl der Jugendlichen, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind, steigt. PISA-Niederlagen gehören schon zur Routine. Beim Bildungsstand der Bevölkerung liegt Österreich deutlich hinter den besten Ländern - und Ministerin Gehrer fährt trotzdem die Bildungsausgaben zurück", kritisiert der geschäftsführende ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer anlässlich der heutigen Sondersitzung des Nationalrats.++++

Österreichs Ausgaben für Bildung sind im Sinken. Wurden 1995 noch 6,1 Prozent des BIP dafür aufgewendet, waren es 2000 nur mehr 5,6 Prozent und 2003 5,5 Prozent. Das ergibt die aktuelle OECD-Bildungsvergleichsstudie "Education at a Glance". In den meisten Ländern ist der Prozentsatz am BIP zum Teil deutlich gestiegen.

Der Anteil der Jugendlichen, die nicht mehr in Ausbildung und nicht in Beschäftigung sind, steigt: Bei den 20- bis 24-Jährigen waren 2002 11,7 Prozent nicht in Ausbildung und nicht in Beschäftigung. 2004 gab es einen großen Anstieg auf 12,9 Prozent. Auch bei den 25- bis 29-Jährigen hat sich der Wert von 12,3 Prozent im Jahr 2003 auf 14,4 Prozent im Jahr 2004 verschlechtert.

Bedingt durch die angespannte Situation bei der Jugendbeschäftigung und auf dem Lehrstellenmarkt gewinnt auch die offenkundige soziale Selektion beim Bildungszugang an Bedeutung. "Es ist eine Tatsache, dass Kinder aus sozial schwächeren Haushalten keinen gerechten Zugang zur Grundbildung haben", stellt Hundstorfer fest.

Haushaltseinkommen entscheidet Bildungschancen

Dabei spielt das Haushaltsnettoeinkommen eine wichtige Rolle. 40 Prozent der Elternhaushalte von Kindern in der 1. Klasse AHS verfügen über mehr als 2.400 Euro netto. In der Hauptschule sind es hingegen nur 18 Prozent. Im unteren Einkommensbereich liegt der Anteil der Elternhaushalte, die mit weniger als 1.500 Euro netto pro Monat auskommen müssen, bei der Hauptschule bei 45 Prozent, in der AHS bei 27 Prozent.

Diese soziale Selektion von Kindern beim Übertritt von der Volksschule in eine weiterführende Schule verstärkt sich bei der Wahl der Berufsausbildung. 59 Prozent der Eltern von Kindern, die eine polytechnische Schule wählen, verfügen über weniger als 1.500 Euro monatliches Haushaltsnettoeinkommen. Ein Problem: Die mit 10 Jahren sehr frühe Aufteilung der Kinder in die Hauptschule bzw. in allgemeinbildende höhere Schulen. "In einer Zeit, in der lebensbegleitendes Lernen zum Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit geworden ist, kann es sich niemand leisten, Schüler früh auf bestimmte Bildungsstrukturen festzulegen", sagt der gf. ÖGB-Präsident.

"Es ist offensichtlich, dass Eltern mit nicht so gutem finanziellem Hintergrund auch nicht die Möglichkeiten haben, ihren Kindern die öffentlich fehlenden Rahmenbedingungen privat zu finanzieren", zieht Präsident Hundstorfer den logischen Schluss.

Daher fordert der ÖGB:

o eine gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen
o Ausbau des Förderunterrichts
o eine deutliche Ausweitung der Nachmittagsbetreuung
o Abbau von sozialen Selektionsschranken (Nachhilfekosten, Schulbeiträge, Studiengebühren,…) (fk)

ÖGB, 12. September
2006 Nr. 595

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