WirtschaftsBlatt Kommentar vom 12. 9. 2006: Unternehmer in der Politik - ein Trauerspiel - von Peter Muzik

Hände weg von der Politik - absurde Spielregeln sind nichts für Top- Manager

Wien (OTS) - Die SPÖ hat sich einst einen Bankdirektor und einen OMV-Manager geholt. Franz Vranitzky und Viktor Klima durften Minister werden und mussten dann auch noch den Bundeskanzler machen. Einen Welterfolg haben die beiden Quereinsteiger der Sozialdemokratie nicht gerade beschert.

Die ÖVP hat sich zwecks stärkerer Wirtschafts-kompetenz auch immer wieder UnternehmerInnen und ManagerInnen angelacht, darunter die einstige Inzersdorfer-Chefin Martina Pecher oder die Schotterexpertin Maria Fekter. Mit Ausnahme von Martin Bartenstein hat allerdings keine(r) in der Politik wirklich reüssiert.

Die FPÖ hat ebenfalls schon mehrmals gestandene Unternehmer als Verstärkung engagiert, beispielsweise den Industriellen Georg Mautner Markhof oder den Hotelier Helmut Peter. Mit Ausnahme von Thomas Prinzhorn, der sich schon ziemlich lange hält, hat ihr aber keiner Nennenswertes gebracht.

Jetzt versucht auch das darbende BZÖ sein Glück mit einem Promi aus der Wirtschaft: Die Orangen, die unbedingt wieder Freiheitliche sein wollen, treten am 1. Oktober mit dem früheren Billa-Boss Veit Schalle an, der den zweiten Listenplatz zugesichert bekam. Der mittlerweile pensionierte 63-Jährige wird von Peter Westenthaler als "unser Mann für Wirtschaft und Arbeitsplätze" angepriesen. Bei seinem ersten Auftritt liess er jedoch schon einige ungeschickte Äusserungen fallen, die vermuten lassen, dass er nicht viel mehr als ein reiner Polit-Amateur ist. Seine Ex-Firma, Rewe/ Billa, kann eigentlich nur hoffen, dass sie wegen der penetranten Ausländerpolitik des BZÖ nicht noch boykottiert wird.

Das überraschende Antreten Schalles aktualisiert wieder einmal ein bereits bekanntes Dilemma: Theoretisch ist es zwar für jeden, der mit Wirtschaft zu tun hat, wünschenswert, wenn sich erfolgreiche Unternehmer bzw. Manager in der Politik engagieren. In der Praxis jedoch zeigt es sich, dass solche Experimente meistens schiefgehen -weil eben in der Welt der Parteien völlig andere Spielregeln herrschen als in der Welt der Wirtschaft. Wer es nicht gewohnt bzw. nicht bereit ist, mit diesen häufig absurden Spielregeln zu Rande zu kommen, der muss in der Politik automatisch scheitern.

Fazit: Ich vertrete die Auffassung, dass sich Unternehmer bzw. Manager besser von der reinen Parteipolitik fernhalten und keine einschlägige Funktion anstreben sollten. Und wer sich unbedingt engagieren möchte, der sollte das etwa für die Interessensvertretungen der Wirtschaft tun.

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