SUPPORT: Coaching als wirkungsvolle Hilfestellung

Die Coachingmeile als spielerischer Einstieg in die Selbsthilfe

Wien (OTS) - Stellen sie sich vor, Sie sind Ende dreißig.
Beruflich gut abgesichert, Vater von zwei Kindern und erstaunlich glücklich verheiratet. Ihr Leben ist nicht das der oberen 10 000 -aber sie sind zufrieden. Ihre Freizeit verbringen sie mit Sport und Familie - soweit alles ganz normal.

Eines Abends gehen sie schlafen, fühlen sich ein bisschen matt -nichts Ungewöhnliches... das nächste woran sie sich dunkel erinnern, ist das angstgeweitete Gesicht ihrer Frau, die neben ihnen im Rettungswagen sitzt... dann erst wieder, dass Sie in einem weißen Bett zu sich kommen - alles fühlt sich irgendwie anders an - und sie merken: "Ich bekomme Angst!" Doch das ist erst der Anfang - denn die Diagnose lautet auf Schädelhirn-Blutung. Die Folgen: Lähmung der rechten Körperhälfte, Konzentrationsschwierigkeiten, teilweiser Gedächtnisverlust,....

Sie liegen in ihrem Bett und sind selbst bei den einfachsten Dingen hilflos, können sich nicht selbst waschen, anziehen oder essen. Die Ärzte sind bemüht, können aber auch nicht genau sagen, wie gut sich die vorhandenen Symptome zurückbilden - wenn überhaupt. Und irgendwie haben sie bereits verstanden, dass es großes Glück war, dass sie überhaupt überlebt haben. Dafür sind sie dankbar, besonders wenn Frau und Kinder auf Besuch sind.

Die mitleidigen Blicke von Freunden und Arbeitskollegen, sind schon viel schwieriger zu ertragen - sie können ihre Gedanken förmlich lesen und sie gehen durch Mark und Bein - "Oh mein Gott - er ist ein Krüppel" Ihre eigenen Gedanken stoßen ins selbe Horn: "Was soll jetzt bloß werden? Wozu bin ich noch nütz’? Warum gerade ich?..."

Eine Beeinträchtigung - viele Folgen

Ein solches Ereignis, egal ob es, wie in diesem Bespiel plötzlich, oder wie bei chronischen Erkrankungen schleichend zu körperlichen Beeinträchtigungen führt, in jedem Fall verändert Behinderung die persönlichen und sozialen Lebensbedingungen und bringen oft das gesamte Lebensgefüge der Betroffenen aus dem Gleichgewicht. Probleme, die diese Situation häufig begleiten sind:

  • Angst vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust oder Langzeitarbeitslosigkeit
  • undurchschaubare Behördenstrukturen
  • finanzielle Schwierigkeiten

aber auch Problemen für die es kein Amt als Anlaufstation gibt:

  • plötzlich das tägliche Leben neu gestalten zu müssen
  • vertraute Dinge, die Teil des Lebens waren, nicht mehr tun zu können, die somit Lücken hinterlassen
  • das Gefühl des Verlustes.

Die scheinbare Ausweglosigkeit stürzt die Betroffenen oft in Apathie, Resignation und Selbstzweifel - gesehen werden nur noch die Defizite und zwar nicht nur vom Menschen mit Behinderung selbst, sondern auch von seiner / ihrer Umgebung. Behinderung kann aber auch Anstoß zu Neuorientierung, zum neu Entdecken von unerkannten Fähigkeiten und persönlicher Weiterentwicklung sein. Hier setzt das SUPPORT-Angebot an.

Raus aus gewohnten Pfaden

Den geeigneten Weg finden, Hindernisse überwinden, Entscheidungen treffen und sich immer wieder überraschen lassen: Das ist nur einiges, was im Coaching stattfinden kann - und es ist das, was beim Betreten der Coachingmeile spielerisch erfahren werden kann.

Die Coachingmeile ist ein Instrument, das in den letzten Jahren von SUPPORT Wien entwickelt wurde, um den abstrakten Begriff des Coachings mit allen Sinnen erlebbar zu machen um so Schwellenängste abzubauen, Neugierde zu wecken und Mut zu machen.

Mut und Neugierde, um mit Coaching als Hilfe zur Selbsthilfe unter anderem an der eigenen Lebensgestaltung mit Behinderung, am Bewusstmachen der eigenen Fähigkeiten und Stärken, am Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, sowie an der Klärung beruflicher und privater Ziele zu arbeitet.

Begleitet wird dieses Abenteuer von eigens dafür ausgebildeten Coaches die sich Zeit nehmen, und zum Großteil selbst Menschen mit Behinderung sind. Das dadurch mögliche Peer Counseling (Betroffene beraten Betroffene) hat den großen Vorteil, dass die Coaches mit den Schwierigkeiten in den Lebenssituationen der KlientInnen vertraut sind und als positives Beispiel eine Vorbildfunktion übernehmen.

Erfolgreiche Tätigkeit seit 2002

Und Coaching funktioniert. Die individuellen Ergebnisse zeigen, dass Coaching zum gewünschten Perspektivenwechsel führt. Es gelingt den KlientInnen, sich weg von den vorhanden Defiziten und Schwächen mit ihrer Aufmerksamkeit hin zu ihren Stärken und Ressourcen zu orientieren - aus Problemen entstehen Lösungen. Und als wenn das nicht schon ein für den / die einzelne/n unermesslicher Erfolg wäre, ist die Folge daraus in vielen Fällen die Erlangung oder Erhaltung eines Arbeitsplatzes oder der Einstieg in eine geeignete Fördermaßnahme.

Damit ist auch bereits die Kernaufgabe von SUPPORT erklärt: Das Angebot, das vom ÖZIV seit dem Jahr 2002 österreichweit betrieben wird, soll Menschen mit Körper- und/oder Sinnesbehinderung sowie chronischer Erkrankung, die im arbeitsfähigen Alter sind, helfen, sich langfristig am Arbeitsmarkt zu etablieren. Durch die Förderung aus Mitteln der so genannten "Behindertenmilliarde" kann diese Dienstleistung, die 18 Büros in allen Bundesländern unterhält, für die Betroffenen kostenlos angeboten werden. In Wien sind für diese Aufgabe drei Coaches im Einsatz.

Das Interesse an Coaching nimmt dabei in der Zielgruppe ständig zu. Seit dem Start von SUPPORT wurden in Wien bereits 212 KlientInnen betreut, davon alleine im abgelaufenen Jahr 50. Im ersten Halbjahr 2006 konnte der Zulauf weiter gesteigert werden. Heuer wurden bereits 41 KlientInnen gezählt.

Doch die Anzahl der betreuten Fälle ist nicht das alleine entscheidende Kriterium. Wesentlicher ist, dass im laufenden Jahr bisher rund ein Drittel aller abgeschlossenen Coachingfälle die Aufnahme einer Arbeit oder zum Erhalt eines gefährdeten Arbeitsplatzes nach sich ziehen. Bei einem weiteren Drittel der KlientInnen ist es so, dass sie sich nach Abschluss des Coachings "fit" für den Arbeitsmarkt fühlen und in eine Schulungsmaßnahme oder Richtung Arbeitsassistenz weiter verwiesen werden können. Die übrigen AbsolventInnen erreichen zumindest selbst definierte persönliche Ziele, wie etwa verbesserte Selbständigkeit oder erhöhte Belastbarkeit und Stressresistenz.

Die Rolle des Bundessozialamtes

Das Bundessozialamt (BSB) arbeitet mit dem ÖZIV seit Jahren zusammen. Intensiviert wurde die Kooperation seit der Beschäftigungsoffensive der österreichischen Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen, durch die Bereitstellung der "Behindertenmilliarde". Das BSB/Landesstelle Wien ist Fördergeber bei der Umsetzung des Projektes "SUPPORT Wien". Die inhaltliche Leistung des Projektes besteht in der Begleitung von Menschen mit Körper-und/oder Sinnesbehinderungen durch SupporterInnen mittels Coaching.

Coaching ist als begleitender Prozess zu verstehen und soll wesentlich dazu beitragen, dass der(die)Klient(in) einen Arbeitsplatz erlangt oder einen gefährdeten Arbeitsplatz erhalten kann.

Das BSB/Lst. Wien hat mit dem Projektträger die Vereinbarung getroffen, dass eine bestimmte Anzahl an erfolgreichen Coaching-Prozessen und Akutinterventionen pro Förderzeitraum durchgeführt wird. Diese Anzahl sollte auch auf Grund der steigenden Nachfrage erreicht werden.

Das BSB /Lst. Wien fördert bei "SUPPORT Wien" ein Projekt, das für die erfolgreiche berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen wesentlichen Anteil hat.

Rückfragen & Kontakt:

Marisa Raggautz
Verantwortliche Supporterin, SUPPORT Wien
Landesstelle Wien
Tel: +43-(0)1-607 33 20-17
Fax: +43-(0)1-607 33 20-20
mailto: marisa.raggautz@oeziv.at

Melitta Steinmetz
Bundessozialamt
Tel +43 (0) 5 9988 2109
Fax +43 (0) 5 9988/8/2109
Melitta.Steinmetz@basb.gv.at

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