"Die Presse": Kommentar: "Freiheit für Kampusch!" (von Dietmar Neuwirth)

Ausgabe vom 7.9.06

Wien (OTS) - Wen das Schicksal von Natascha Kampusch kalt lässt, dem ist wahrscheinlich nicht zu helfen. Ihr Martyrium, ihre spektakuläre Flucht und ihre ersten Auftritte in der Öffentlichkeit gestern, Mittwoch, stoßen in der ganzen Welt auf kaum zu stillendes Interesse. Jetzt wissen wir also, wie diese Frau aussieht, wie sie spricht - und sind einigermaßen verblüfft.
Selbstbewusst, eloquent, man könnte glatt sagen: cool tritt sie uns entgegen. Laien, die wir sind, atmen wir erleichtert auf: Zumindest oberflächlich scheint Natascha Kampusch weniger traumatisiert als befürchtet. Ende gut alles gut also? Nein.
Denn natürlich sind die acht Jahre nicht ungeschehen zu machen. Die Wunden können unmöglich schon vernarbt sein. Natascha Kampusch war acht Jahre unter tatsächlich unvorstellbaren Bedingungen gefangen. Jetzt ist sie in gewisser Weise wieder Gefangene. Unter unendlich leichteren Bedingungen zwar. Aber doch. Gefangene der Medienöffentlichkeit.
Vor dieser gab es für Natascha Kampusch bisher kein Entrinnen. Ursprünglich hätte ihr Gesicht ja nicht gezeigt werden sollen. Die ultimativen Drohungen internationaler Medien, Kampusch mehr oder weniger bis ans Lebensende Fotografen an den Hals zu hetzen, haben Kampusch und ihrem Betreuerteam keine Wahl gelassen.
Unsere Neugierde wurde mit den ersten Interviews also gestillt. Wenn uns so nebenbei auch nur ein wenig an Natascha Kampusch liegt, müsste sie nun ein selbstbestimmtes Leben führen dürfen. Freiheit für Natascha Kampusch!

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