Nachhaltige Stärkung der Patienten und Patientenvertreter auf Dauer unverzichtbar

Wien (OTS) - Patientenanwaltschaft, ArGe Selbsthilfe Österreich
und Pharmig fordern stärkere Berücksichtigung der Patienten im österreichischen Gesundheitswesen. Pharmig unterstützt die Arbeit der ArGe Selbsthilfe Österreich.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz forderten die Patientenanwaltschaft, die ArGe Selbsthilfe Österreich und die Pharmig heute, dass die Stärkung der Patienten und ihrer Rechte im österreichischen Gesundheitswesen nachhaltig umgesetzt werden. Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig stellte fest, dass "Patienten im Gesundheitswesen nicht ausreichend berücksichtigt werden.", und Mag. Monika Maier, ArGe Selbsthilfe Österreich, ergänzt: "Patienten haben zwar ein grundsätzliches Recht auf Behandlung. Sie können die Behandlung jedoch nicht selbst beeinflussen, da sie keinen Zugang zu relevanten Gremien haben und auch an Entscheidungsprozessen nicht beteiligt werden." Huber verwies auf die "Deklaration über die Unterstützung der Patienten Rechte in Europa" der WHO aus dem Jahr 1994, nach der Patienten das Recht haben vollständig über ihren Gesundheitszustand informiert zu werden. Dies beinhaltet unter anderem medizinische Fakten, Therapiermöglichkeiten und mögliche Alternativen, die jeweiligen Risiken und Vorteile der Therapien und die Auswirkungen bei Nichtbehandlung ebenso wie die Diagnose, eine Prognose und den möglichen Verlauf von Therapien. Das EU-Parlament geht dabei laut Huber noch einen Schritt weiter und stellt fest, dass Patienten ein legitimes Bedürfnis und das Recht haben, über medizinische Produkte informiert zu werden. "Umgesetzt ist von diesen Empfehlungen bis heute noch keine einzige. Fakt ist jedoch, dass Patienten aktiv nach Informationen suchen." erläutert Huber.

Selbsthilfegruppen sind Pioniere einer beginnenden Zivilgesellschaft im Gesundheitswesen

Huber und Dr. Gerald Bachinger, Patientenanwalt Niederösterreich, wiesen darauf hin, dass die Selbsthilfegruppen auch im Bereich der Umsetzung der Patientenrechte von unschätzbarem Wert seien. "Sie übernehmen Verantwortung für sich und für ihre Gesundheit. Sie informieren sich aktiv. Sie verstehen sich als gleichwertige Partner, die gemeinsam mit dem Arzt Entscheidungen treffen." Um die Arbeit der Selbsthilfegruppen zu unterstützen hat sich die Pharmig entschlossen, die Arbeit der ArGe Selbsthilfe Österreich auch finanziell zu ermöglichen. Jährlich stellt die Pharmig der ArGe einen Betrag von Euro 20.000 zur Verfügung, "ohne jede Bedingung", so Huber.

Maier hält fest, dass die Selbsthilfegruppen gleichsam die Konsumentenseite des Gesundheitswesens repräsentieren. "Patienten zahlen rund ein Drittel der Gesundheitsausgaben selbst; etwa für Selbstbehalte, Kostenbeteiligungen, oder Kostenbeiträge", so Maier, die feststellt, dass das Prinzip "Wer zahlt schafft an", im Gesundheitswesen leider nicht zutrifft. Maier verweist etwa auf das Ungleichgewicht bei der Durchsetzung von Interessen. "Ärzte können zur Durchsetzung ihrer Forderungen relativ einfach mit einem vertragslosen Zustand drohen. Welches Druckmittel haben Patienten?"

Selbsthilfegruppen und Patientenanwaltschaft sind legitimierte Vertreter der Patientenwünsche

Bachinger: "Selbsthilfegruppen müssen eine sichere und ausreichende finanzielle Grundlage, selbstverständlich auch von Seiten der Öffentlichen Hand, für ihre Arbeit erhalten. Selbsthilfegruppen dürfen keine subventionierten Bittsteller sein, sondern müssen als selbstbewusste und aktive Akteure im Gesundheitswesen wahrgenommen werden." Bachinger und Maier fordern deshalb die Aufnahme eines Patientenvertreters in den wissenschaftlichen Beirat der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin ÖQMed ebenso wie in die Heilmittelevaluierungskommission - kurz HEK. "Die sozialpartnerschaftliche Besetzung der HEK ist antiquiert und entspricht in keiner Weise einem modernen und zeitgemäßen Gesundheitssystem", so Bachinger und Maier.
Maier, Bachinger und Huber halten als wichtigste gemeinsame Forderungen fest:
- Rascher und unbürokratischer Zugang zu qualitätsgesicherten Informationen für Patienten
- Mehr Mitsprache für alle Beteiligten im Gesundheitswesen
- Die Ausreichende Finanzierung von Patientenorganisationen

BALLTOGETHER - Initiative wichtiges Signal in die Öffentlichkeit Huber verweist auf die von der Pharmig im Vorjahr gestartete Initiative "BALLTOGETHER", die den Selbsthilfegruppen ein Forum bietet, um Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Wirtschaft zu begegnen und ihre Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. "Wir wollen zeigen, dass chronisch kranke Menschen mit Hilfe moderner Therapien ein beinahe normales Leben führen können", so Huber. BALLTOGETHER ist geprägt von Solidarität und Toleranz und "die große Zahl an teilnehmenden Teams zeigt, dass es den Selbsthilfegruppen ein Bedürfnis ist, in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie in Sachen Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik "am Ball bleiben", so Maier.

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