Bayr zu Migration: Österreichische Politik muss Beitrag leisten

Weltbevölkerungsbericht: 95 Millionen Migrantinnen

Wien (SK) - "Ich freue mich, dass wir Gelegenheit haben, mitten im Nationalratswahlkampf, wo es unglaubliches xenophobes Gerülpse gibt, uns sachlich und fundiert mit dem Thema Migration auseinanderzusetzen", sagte die entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ, Petra Bayr, am Mittwoch in einer Pressekonferenz, bei der der diesjährige Weltbevölkerungsbericht des United Nations Population Fund (UNFPA) präsentiert wurde. Der Bericht unter dem Motto "Der Weg der Hoffnung" befasst sich mit der Rolle der Frauen in der internationalen Migration. "Die österreichische Politik ist aufgerufen, einen Beitrag zu leisten", so Bayr, die auf eine Außenpolitik hofft, die Reports wie diesen ernst nimmt. Die Pressekonferenz fand auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) statt. Außerdem dabei: Elisabeth Hlavac, SPÖ-Integrationssprecherin, Karl Öllinger, Familiensprecher der Grünen, und Rogelio Fernandez-Castilla (UNFPA). ****

Castilla nannte in seinen Ausführungen konkrete Zahlen: Insgesamt gibt es weltweit 191 Millionen MigrantInnen (Stand 2005). Etwa die Hälfte davon sind Frauen (95 Millionen). Frauen emigrieren, weil sie ihrer Familie nachfolgen, weil sie heiraten, weil sie arbeitslos sind, weil sie wenig verdienen, weil sie keine Chancen in ihrer persönlichen Entwicklung sehen und weil sie flüchten flüchten müssen. Jede/r dritte Migrant/in lebt in Europa. Frauen erleben doppelte Diskriminierung: Durch die Rolle als Frau und durch die Situation der Migration.

Problematisch ist die Situation für Opfer des Frauenhandels. Mit Frauenhandel werden jährlich 32 Mrd. US-Dollar verdient - neben Waffen und Drogenhandel ist er die profitträchtigste Einkommensquelle für das organisierte Verbrechen. Vom 14.-15. Sept. findet ein UN-Treffen über internationale Migration und Entwicklung statt.

Bayr machte auf den "Braindrain" aufmerksam. So werden jährlich 20.000 ausgebildete afrikanische Krankenschwestern und Ärzte/innen angeworben, um in Westeuropa und Nordamerika ihrem Beruf nachzugehen. Dieser Verlust von Gesundheitspersonal ist eine der größten Herausforderungen der internationalen Migration. Gerade im südlichen Afrika, das 25 Prozent der weltweiten Last an Krankheiten trage, gebe es nur 1,3 Prozent des weltweit vorhandenen Gesundheitspersonals. "In Manchester gibt es mehr Malariaärzte als in Malawi", verdeutlichte Bayr.

In Taiwan sei aus dem "Braindrain" ein "Braingain" geworden. MigrantInnen bringen neu erworbene Fähigkeiten wieder zurück ins Heimatland, der Staat bietet attraktive Rückkehrmöglichkeiten. "Menschen die in andere Länder emigriert sind, überweisen einen beträchtlichen Teil ihres Geldes in ihr Herkunftsland", so Bayr. 232 Mrd. US-Dollar - mehr als das Dreifache als an Entwicklungshilfe geleistet werde.

"30 bis 35 Prozent der irregulären MigrantInnen sterben; sie verhungern, ertrinken, verdursten, werden von skrupellosen Schleppern ermordet", so Bayr. "Wir sind aufgerufen, neben der legalen Schiene von geregelter Zuwanderung, den Menschen in ihren Heimatländern Hoffnung zu geben." Österreich sei gefordert, politisch aktiv zu werden: Erstens in der Frage der Entwicklungszusammenarbeit:
Armutsbekämpfung müsse an erster Stelle stehen, Wertschöpfung müsse im eigenen Land bleiben. "Die Entwicklungshilfe muss endlich auf 0,7 Prozent des BNE erhöht werden", forderte Bayr. Zweitens müsse bei der Umweltpolitik angesetzt werden.

Die UNO schätzt, dass es bis 2010 50 Mio. Umweltflüchtlinge geben wird, daher seien konkrete Maßnahmen im Klimaschutz notwendig. Drittens sei politisch kohärentes handeln gefragt: "Die Wirtschaftspolitik darf den Süden nicht länger als reines Rohstofflager sehen." Bayr sprach zudem die Problematik der Vernichtung von agrarischen Überschüssen an. Bayr hofft auf eine Politik mit Vernunft, Augenmaß und Weitblick.

Hlavac: Spracherwerb großzügig anbieten

Hlavac sprach die Situation der Migrantinnen in Österreich an. Ein Teil der Migrantinnen müsse aus der Isolation herausgeführt werden, da sie die Sprache nicht beherrschen und sich nur im Familienverband aufhalten. Hlavac verwies auf einen Bericht der OECD, der aufzeigt, dass sich das Ausbildungsniveau der 2. und 3. Generation verschlechtere. Dies habe sich vor allem bei jungen Mädchen gezeigt. "Auch das Heiratsalter ist gesunken", kritisierte die SPÖ-Abgeordnete. Hlavac sprach sie dafür aus, Spracherwerb großzügiger anzubieten. "In Wien erfreuen sich die 'Mama lernt Deutsch'-Kurse regem Zulauf, aber auch ein kostenloses Vorschuljahr ist eine Maßnahme, um das Sprachniveau zu erhöhen." Mangelnde Sprachkenntnisse würden zudem zu erheblichen Schwierigkeiten bei der medizinischen Betreuung führen.

Problematisch sei auch, dass die Qualifikation von MigrantInnen oft verloren gehe, da sie in Österreich nicht anerkannt werde. "Hier muss man ansetzen - mit mehr Transparenz und einer einheitlichen Vorgangsweise", so Hlavac. Zum Thema Pflege sagte Hlavac, dass die erste Gastarbeiterwelle in den 60er Jahren stattgefunden habe, und in Zusammenhang mit dem Thema Pflege auch der kulturelle Hintergrund berücksichtigt werden müsse. Hlavac wünscht sich eine bessere internationale Zusammenarbeit, Opfer- und Zeugenschutzprogramme für z.B. von Sexarbeit betroffene Frauen und fordert zudem Aufklärung bei Ärzten, Krankenhauspersonal aber auch bereits im Kindergarten über das Thema FGM. (Schluss) sk

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