Neues von Elfriede Jelinek: Flimm plant Neuwirth-Oper für Salzburg 2009

Meinhof-Tochter will gegen RAF-Stück vorgehen

Wien (OTS) - Neues von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede
Jelinek in der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS:
Jürgen Flimm, der soeben die Salzburger Festspiele übernommen hat, will die Oper "Der Fall W." (Musik: Olga Neuwirth, Libretto: Elfriede Jelinek) 2009 beim Elite-Festival uraufführen. Die Oper, die am Beispiel des Klagenfurter Arztes, Kinderschänders und Mörders Franz Wurst den "Don Giovanni"-Mythos paraphrasiert, sollte schon 2006 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt werden und wurde abgesagt. Die Wiener Staatsoper und die Pariser Oper wollten übernehmen und zogen sich gleichfalls vom brisanten Projekt zurück.

Nun erklärt Flimm in NEWS: "Wir befinden uns mit der Sache auf einem Weg, der nicht einfach ist. Aber ich möchte die Oper 2009 in Salzburg mit Neil Shicoff herausbringen. Nähere Details erst, wenn das Paket geschnürt ist. Ich bewundere Elfriede Jelinek als ganz große Autorin und Olga Neuwirth als tolle Komponistin." Neil Shicoff, der die teuflische Hanswurstfigur Hans W. singen soll, hat sich für das Werk weltweit eingesetzt.

Komplikationen türmen sich über der Uraufführung von Jelineks RAF-Stück "Ulrike Maria Stuart" - 28. Oktober am Hamburger Thalia Theater in der Regie von Nicholas Stemann - auf. Das Werk führt die Schicksale der RAF-Terroristinnen Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin mit denen Maria Stuarts und Elisabeth I. parallel. Nun hat sich, wie NEWS berichtet, Meinhof-Tochter Bettina Röhl beim Verlag und beim Theater gemeldet, macht Persönlichkeitsrechte geltend und fordert markante
Eingriffe in Text und Regie.

Röhl zu NEWS: "Das Stück arbeitet sich an meiner Familie, an meiner Mutter, meiner Schwester und mir mit ungeheurer Verletzungsenergie ab. Damit es nicht sofort auffällt, tauchen meine Schwester und ich in der Gestalt mamischreiender Kobolde auf, und es fällt dann auch schon mal das Wort ,Fleischwolf’, durch den meine Schwester und ich gedreht werden
sollen. Am Ende hängt Ulrike Meinhof am Strick, und das dann in Zukunft allabendlich auf mehreren deutschen Bühnen gleichzeitig. (...) Meinhof und auch ihre Familie sind nicht irgendwelche volkseigenen Projektionsflächen, diese Personen haben auch nichts mit besagten Mythen und Legenden zu tun. Echte Menschen haben echte Rechte, und wenn es um historische Dokumentation geht, und die Figuren heißen Meinhof oder Mann und Kinder von Meinhof, dann haben die Dinge fakrisch auch auf der Bühne
korrekt zu sein. Alle rechte nach Ulrike Meinhof gehören meiner Schwester und mir und nicht Jelinek." Das Stück sei "ein schleichend schleimiger Aufruf besonders an junge Leute, es doch mal wieder mit einem zeitgemäßen Terrorismus zu versuchen. Es ist eine Beleidigungsorgie gegen die Opfer." Deshalb schrieb Bettina Röhl am 30.
August erstmals an die Nobelpreisträgerin, um ihr "Hilfe für Änderungen des Stücks anzubieten". In dieser Woche trifft sie Regisseur Stemann, um auf seine Inszenierung Einfluss zu nehmen. Röhl verlangt diese Änderungen, denn, so die nicht sonderlich verhohlene Drohung: "Solange ich auf einen positiven Prozess bei Jelinek in angemessenen Fristen hoffen kann, erteile ich kein Anwaltsmandat."

Elfriede Jelinek will die Causa bis zur Klärung nicht kommentieren.

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