"Flucht nach Wien" - Ungarn 1956 im Wien Museum

Wien (OTS) - Im Jahr 1956 stand Wien im Brennpunkt des Weltgeschehens. Im Gefolge der ungarischen Oktoberrevolution flohen 180.000 Ungarn vor den russischen Panzern über die Grenze nach Österreich. Die Ereignisse dieser Tage mit ihrer Vorgeschichte und den weiteren Auswirkungen erzählt das Wien Museum in einer rund 300 Objekte umfassenden, informativen Schau, für die ein Platz in der Dauersammlung des Hauses freigemacht wurde. Direktor Wolfgang Kos, der die Ausstellung am Mittwoch mit den Kuratoren präsentierte, verwies auf die Zweisprachigkeit der Schau, die auch für Sichtweise von zwei Seiten steht. Kein österreichisches Epos der Hilfsbereitschaft solle hier erzählt werden, sondern eine durchaus differenzierte Sicht des Geschehens dieser tage mit ihren Auswirkungen auf die Zeit danach gegeben werden. Die Ausstellung tut dies mit vielen interessanten Objekten, Zeitungsmeldungen, Plakaten, Flugblättern, Aufzeichnungen, Briefen, persönlichen Dokumenten wie Studienausweisen etc, und sie erzählt damit viele kleine Geschichten, die sich zur großen Geschichte dieser Tage zusammenfügen.

Solidarität mit dem "Nachbarn in Not"

Die Ausstellung weist einleitend mit einigen Exponaten auf die durchaus komplexe und schwierige Beziehung der beiden Nachbarländer hin. Die Ereignisse der ungarischen Revolution und der folgenden Flüchtlingswelle werden auch im Spiegel der österreichischen Presse abgehandelt, die daraus ein Medienereignis machte. Österreichs Bevölkerung wie auch die offiziellen Stellen reagierten mit einer ungeheuren Hilfsbereitschaft auf die Massenflucht, die Flüchtlinge fanden in rasch eingerichteten Lagern, aber auch in Privatquartieren Unterkunft, organisatorische Hilfseinheiten wurden eingerichtet, eine positive Stimmung gegenüber den Ungarn ging durch das ganze Land. Österreich selbst gewann damit für sein Selbstbewusstsein und sein Geschichtsbild einen Mythos als demokratische, hilfsbereite Nation, der bis heute prägend geblieben ist, wenn sich auch die tatsächliche Situation rund um die Ungarnflüchtlinge bald differenzierter darstellte und einer ambivalenten Haltung wich. Von den 180.000 Menschen bleiben schließlich rund 15.000 in Wien und wurden hier allmählich, wie der ebenfalls nach Österreich geflüchtete Schriftsteller György Sebestyén sagte, "Wiener" und dank der intellektuellen Kapazitäten dieser Menschen ein Gewinn für die Stadt. Die übrigen wanderten vor allem nach Übersee aus, erfolglos blieben die in der Folge einsetzenden ungarischen Bemühungen um die Rückkehr von Flüchtlingen.

Rund um das Geschehen dieser Zeit bietet die Ausstellung viele individuelle Blickpunkte, sie illustriert Schicksale, macht Zusammenhänge deutlich und erzählt damit ein Stück Zeitgeschichte, die vielen Menschen noch in Erinnerung ist, die Wien als Stadt auch dank mancher prominent gewordener Zuwanderer in verschiedenen Bereichen wie Kunst und Medien bis heute beeinflusst und die doch für die jüngere Generation bereits Vergangenheit ist. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Czernin Verlag erschienen, der 14 Euro kostet. Weitere Einblicke in die Thematik gibt das Rahmenprogramm zur Ausstellung, das am 20. September, 18.30 Uhr ein Podiumsgespräch mit Zeitzeugen, moderiert von Erika Weinzierl und eine ganze Palette von Veranstaltungen am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober bietet. Der Eintritt für das Wien Museum kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, am Sonntag ist der Eintritt die Dauerausstellung inklusive der Schau "Flucht nach Wien" frei.

Weitere Informationen: http://www.wienmuseum.at/ .
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