Eisenbahner kritisieren "Tatsachenverdrehung" in punkto ÖBB-Lehrlingsausbildung

GdE-Zentralsekretär Bacher: ÖBB-Lehrlinge dürfen nicht als "Profilierungsplattform" für den Arbeitsminister missbraucht werden

Wien (GdE/ÖGB) - Eine "Verdrehung der Tatsachen" wirft der Zentralsekretär der Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE), Norbert Bacher, dem ÖBB-Vorstand und Arbeitsminister Bartenstein vor. "Wenn sich Bartenstein und ÖBB-Vorstandssprecher Huber mit der staatlichen Auszeichnung der Qualität der ÖBB-Lehrlingsausbildung rühmen, so ist dies eine blanke Verhöhnung der Lehrlinge und eine Täuschung der Öffentlichkeit", sagt Bacher am Mittwoch in Wien. Gerade der ÖBB-Vorstand sei nämlich derzeit dafür verantwortlich, dass diese ausgezeichnete Qualität in der Ausbildung verloren geht. Die ÖBB beabsichtigen, in der Lehrlingsausbildung rund eine Million Euro einzusparen.Jeder dritte Ausbildner soll eingespart, die unternehmenseigene Berufsschule in St. Pölten geschlossen sowie der zusätzliche Werksunterricht für Lehrlinge minimiert werden, kritisiert Bacher. ++++

"Es ist absurd, dass die ÖBB nun gerade bei jenen Qualitätsmerkmalen sparen wollen, für die die ÖBB-Lehrlingssaubildung vom Wirtschaftsministerium im Jahr 1994 staatlich ausgezeichnet wurde", betonte Bacher. Die Auszeichnung wurde nämlich u. a. damit begründet, dass bei den ÖBB die Ausbildung "in einem weit über das jeweils bestehende Berufsbild hinausgehenden Rahmen nach einem festgelegten Plan unter Zugrundelegung moderner didaktischer und methodischer Erkenntnisse durch geprüfte und ausschließlich mit Ausbildungsaufgaben betraute Ausbilder" erfolgt, heißt es in der Begründung des Ministeriums. "Mit den geplanten Einsparungen kann diese ausgezeichnete Qualität jedenfalls nicht mehr gewährleistet werden", befürchtet Bacher.

Die Folgen der Einsparungen seien bereits jetzt in der ÖBB-Lehrwerkstätte Graz spürbar, so der GdE-Zentralsekretär weiter. Dort müssten Jugendliche aufgrund fehlender Ausbildner einen Teil ihrer Ausbildung im rund 75 Kilometer weiter entfernten ÖBB-Standort Knittelfeld absolvieren. "Die Eltern der Betroffenen wurden überfallsartig von den ÖBB zu einer Zustimmung zur Änderung bereits bestehender Lehrverträge angehalten - zudem müssen sie zusätzliche Kosten für die weitere Anreise in die Lehrwerkstätte Knittelfeld und teilweise auch für die dadurch notwendig gewordene Unterbringung der Lehrlinge in Kauf genommen werden", erörtert Bacher.

Angesichts dieser Umstände sei es "scheinheilig und irreführend", so Bacher, "wenn der ÖBB-Vorstand und der Arbeitsminister die ÖBB-Lehrlinge im Wahlkampf als öffentliche Profilierungsplattform für eine Regierungspartei missbrauchen, indem sie sich selbst mit der staatlichen Auszeichnung der ÖBB-Lehrlingsausbildung schmücken." Die Eisenbahnergewerkschaft hat im vergangenen Jahr acht Monate erfolgreich gegen die Reduzierung der Lehrplätze gegen die ÖBB gekämpft und wird auch jetzt dafür kämpfen, dass die Qualität in der Lehrlingsausbildung nicht zunichte gemacht wird, unterstrich der GdE-Zentralsekretär abschließend.

ÖGB, 6. September
2006 Nr. 585

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