Studie zeigt Wege aus der Uni-Krise

Was die heimische Universitätspolitik vom Ausland lernen könnte

Wien (OTS) - Weshalb schneiden Österreichs Universitäten in internationalen Vergleichen so schwach ab und was machen andere Länder in der Hochschulpolitik anders als Österreich? Antworten auf diese Fragen gibt eine neue Bildungsstudie der "Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung" (ÖGPP). Die Untersuchung zeigt anhand zahlreicher Beispiele auf, was die heimischen Universitäten und die heimische Hochschulpolitik von anderen lernen könnten. Und das ist kurzgefasst: mehr Geld, mehr internationale Vernetzung, keine oder wenn dann sozial gestaffelte Studiengebühren sowie bessere Aufnahmeverfahren für Studienbewerber.

In Österreich hat sich in den letzten Jahren die Situation an den Hochschulen dramatisch verändert: 2001 kam es zur Einführung von Studiengebühren, 2002 wurden die Universitäten in die Vollrechtsfähigkeit entlassen, verbunden mit neuen Organisationsformen, aber auch Einschränkungen der Hochschuldemokratie. Zugleich wurden immer größere bauliche und organisatorische Mängel vieler Universitäten sichtbar. Im Sommer 2005 kam es schließlich zu ersten Zugangsbeschränkungen.

Wie Österreichs Universitäten aus der Krise kommen könnten, das zeigt die Studie zum Teil sehr eindeutig auf:

Geld spielt eine entscheidende Rolle

Geld spielt für den Erfolg von Universitäten eine entscheidende Rolle. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung hinken in Österreich und Europa deutlich hinter jenen der USA oder Japans her. Die öffentliche Sparpolitik konterkariert vielerorts auch bildungspolitische Ziele. Die Schweiz aber hat beispielsweise mit 2,65 % des BIP eine deutlich über dem europäischen Schnitt liegende Forschungsquote. Und private Mittel, welche die dortigen Universitäten erwirtschaften, werden vom Staat nicht zum Anlass genommen, seine Mittel zu kürzen. Deshalb verfügt beispielsweise die Technische Hochschule in Zürich über ein 4 mal so hohes Jahresbudget wie die etwa gleich große Technische Universität in Wien.

Forcierung von Forschung auf internationaler Ebene

Für den Erfolg einer Universität unerlässlich ist auch die Forcierung von Forschung und Entwicklung - und zwar auch auf internationaler Ebene. Lehre allein ist zu wenig. Eines der wesentlichsten Ziele der heimischen Hochschulpolitik muss daher die internationale Vernetzung und Forschungszusammenarbeit der Universitäten sein, denn alle erfolgreichen Universitäten der Welt sind erstens sehr forschungsintensiv und zweitens in internationalen Netzwerken eingebunden.

Wenn Studiengebühren, dann sozial verträglich

Untersucht wurde auch die in Österreich heiß diskutierte Frage der Studiengebühren. In etwa der Hälfte der europäischen Staaten existieren Studiengebühren, zumeist verbunden mit einem System von Stipendien, Förderungen oder (rückzahlbaren) Darlehen, die einkommensschwächeren StudentInnen Studium und Lebensunterhalt ermöglichen sollen. Vorbildlich zeigen sich die skandinavischen Länder, wo keine Studiengebühren eingehoben, aber großzügige Stipendien und Förderungen für mehrere Jahre gewährt werden. Aber auch wenn Studiengebühren verlangt werden, so gäbe es sozial verträglichere Systeme wie etwa das australische "Higher Education Contribution Scheme": dort sind Studiengebühren erst nach erfolgtem Studienabschluss und erst beim Erreichen eines bestimmten Einkommens zu bezahlen. Solche Systeme tragen dazu bei, den Hochschulzugang auch für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen offen zu halten.

Bessere Aufnahmeverfahren für Studienbewerber

Vielerorts steht der freie Hochschulzugang zur Diskussion. Zulassungsbeschränkungen lösen allerdings die Nöte der Universitäten nicht. Jedenfalls problematisch zeigen sich Zulassungsbeschränkungen, die nur auf Schulabschlussnoten basieren. Als nachahmenswert zeigen sich entweder "Assessment Center", bei der Studienbewerber praxisbezogene Aufgaben erhalten und über mehrere Tage hindurch bewertet werden. Oder Studieneingangsphasen beziehungsweise "Orientierungssemester", an die sich eine Eignungsprüfung schließt (wie etwa in Frankreich). Zweckmäßig sind jedenfalls Aufnahmeverfahren, die auch sozial ausgleichend wirken, vor allem wenn bestehende Bildungssysteme dazu neigen, soziale Ungleichheiten zu reproduzieren.

Die ÖGPP will mit der vorliegenden Untersuchung einen sachorientierten Beitrag zur heimischen Bildungsdiskussion leisten. Bereits im Juni 2005 ist eine ähnliche Untersuchung erschienen, die sich mit dem Vorschulbereich bis zur gymnasialen Oberstufe befasst. Die Untersuchung ist kostenlos auf der Internet-Seite der ÖGPP unter www.politikberatung.or.at downloadbar.

Hinweis für die Medien:

Die Studie wird bei einer einer gemeinsamen PRESSEKONFERENZ von Österr. Hochschülerschaft (vertreten durch ihre Vorsitzende Barbara BLAHA) und der Öst. Gesell. für Politikberatung und Politikentwicklung (vertreten durch ihren präsidenten Stadtrat Dipl.Ing. Rudolf SCHICKER) um 13.30 Uhr im Cafe Stein (Wien 9, Währingerstraße 6-8) präsentiert.

Rückfragen & Kontakt:

Öst.Gesell.f.Politikberatung und Politikentwicklung
Dr. Andreas Höferl
Tel.: 0664/1427727
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