Gusenbauer: Kunstpolitik wichtiger Bestandteil eines gesellschaftspoltischen Diskurses

Öffentliche Hand darf sich nicht als Kunstförderer verabschieden

Wien (SK) - Was ist eigentlich Kulturpolitik? - Diese Frage stand
im Mittelpunkt einer lebhaften Diskussion mit SPÖ-Bundesparteivorsitzendem Alfred Gusenbauer und den Kulturjournalisten Thomas Trenkler (Der Standard), Henriette Horny (Kurier), Reinhold Reiterer (Kleine Zeitung) und Fritz Wendl (ORF). Organisiert wurde die Diskussionsveranstaltung von der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik. Gusenbauer vertrat die These, dass kunstpolitische Belange in kulturpolitischen Fragen einzuordnen sind. "Kunstpolitik ist ein relevantes Subsystem, aber man darf den Gesamtzusammenhang nicht vergessen", stellte Gusenbauer klar. ****

Gesellschaftspolitische Themen wie Xenophobie oder auch der Umgang mit der Bildung seien wichtige Bestandteile der Kulturpolitik, die diskutiert werden müssten, so Gusenbauer. Gerade im Bereich der Bildungspolitik würde die ÖVP eine Ideologie des 19. Jahrhunderts vertreten und ein Pseudoelitentum fördern, das "mit einer emanzipierten Bildungspolitik nichts zu hat." Bei den Einsparungen im Bildungsbereich seien zuerst die künstlerischen Fächer gekürzt worden. Dies deute darauf hin, dass es bei der Schulbildung nur mehr um die Verwertungsfunktion gehe, man aber keineswegs kritisch denkende und künstlerisch interessierte junge Menschen wolle. Im Gegenzug zur ÖVP wolle die SPÖ ein Bildungssystem, das gleiche Chancen für alle biete, eine Möglichkeit dazu wäre die gemeinsame Schule.

Angesprochen darauf, was die SPÖ nun konkret für die Kunst verbessern wolle untestrich Gusenbauer, dass die Stärkung des Kunstunterrichts, freier Eintritt für in Ausbildung befindliche Kinder und Jugendliche in Museen und eine Adaptierung des erfolgreichen Kulturprogramms Ö1 für das Fernsehen mögliche Maßnahmen seien, mit denen man auch breite Teile der Bevölkerung erreichen könne. Überdies wäre die Bündelung der Kunstagenden in einer zentralen Stelle wünschenswert, sowie eine Änderung in der Verteilung der Ressourcen für die Auslandskultur und eine Stärkung der modernen Architektur. Gerade im Bereich der Architektur könne die öffentliche Hand Zeichen setzen und beim Bau von öffentlichen Gebäuden Innovationen zulassen.

Skeptisch zeigte sich der SPÖ-Vorsitzende der Tendenz gegenüber, Kunstförderung immer mehr den Privaten zu überlassen. Der Staat dürfe seine Rolle als Kunstförderer nicht vernachlässigen. Als Beispiel nannte Gusenbauer die zu geringe finanzielle Ausstattung von Museen um Kunstkäufe zu tätigen. Natürlich wirke sich dies auf die heimische Kunstszene aus, übrig bleiben würden dann ausschließlich die Einkäufe von privaten Sammlern. Kritisierenswert sei auch die Maßnahme im ORF, Autoren von Hörspielen u. ä. immer weniger zu bezahlen. "Die Konsequenz ist, dass die Existenzbedingungen für Künstler immer schlechter werden", schloss Gusenbauer. (Schluss) sw

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