"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Sensationsgier" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 06.09.2006

Wien (OTS) - Gestern Abend fand das erste TV-Duell statt:
Grünen-Chef Alexander Van der Bellen gegen den parteifreien Finanzminister Karl-Heinz Grasser; heute Abend sitzen einander SP-Obmann Gusenbauer und FP-Führer Strache gegenüber.
Die Profis im Studio wissen genau, wie sie bei solchen Konfrontationen aufzutreten haben. Sie geben sich keine Blöße, bringen ihre Botschaften an die mäßig interessierten Zuschauer und hoffen, wenigstens die eigenen Funktionäre zu motivieren. Quotenhits werden anderswo gespielt: Gegen das erste Interview von Natascha Kampusch heute Abend sehen alle Politikerinnen und Politiker blass aus. Zwar sind die Fragen abgesprochen und indiskrete Sensationsgier hat hoffentlich keine Chance. Wir werden hören, wie Frau Kampusch redet und wie sie sich derzeit ihre Zukunft vorstellt. Das aber ist authentisch und wesentlich glaubwürdiger als die Worthülsen, die uns die Politiker vorsetzen. Auch deshalb schlägt der erste öffentliche Auftritt des Entführungsopfers jede TV-Konfrontation.
Politiker wissen, was sie tun. Frau Kampusch ist kein Profi. Ihr wäre zu wünschen, die schrecklichen Erlebnisse der letzten acht Jahre in Ruhe verarbeiten und irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können. Vielleicht werden wir heute Abend eine Ahnung davon bekommen, wie schwer das sein wird.

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