"Weltbevölkerungsbericht 2006"

"Frauen und Internationale Migration"

Wien (OTS) - Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) lädt ein zur Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des diesjährigen Weltbevölkerungsberichtes des United Nations Population Fund (UNFPA)

Der Weg der Hoffnung Frauen und internationale Migration - Petra Bayr NR-Abgeordnete und entwicklungspolitische Sprecherin der Sozialdemokratischen Partei - Dr. Elisabeth Hlavac NR-Abgeordnete und Integrationssprecherin der Sozialdemokratischen Partei - Karl Öllinger NR-Abgeordneter und Familiensprecher der Grünen - Rogelio Fernandez-Castilla Director der Technical Support Division (TSD), United Nations Population Fund (UNFPA) Zeitpunkt: 6.9.2006, 10.00 Uhr Ort: Café Landtmann, Löwelzimmer

Der Weg der Hoffnung
Frauen und internationale Migration

Der diesjährige Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) "Der Weg der Hoffnung" befasst sich mit der Rolle der Frauen in der internationalen Migration. Frauen stellen mit 95 Mio. die Hälfte der Migranten/innen. Ihre Bedürfnisse und Rechte wurden lange Zeit durch Einwanderungspolitik und -debatten ignoriert. Anlässlich des bevorstehenden ersten UN-Treffens über Internationale Migration und Entwicklung vom 14.-15.September sollten ihren Anliegen Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Migrantinnen erleben doppelte Diskriminierung: Durch die Rolle als Frau aber auch durch die Situation der Migration. Sie sind konfrontiert mit Armut, Benachteiligung durch ihr Geschlecht und durch die dunkle Seite der Globalisierung. Ausbeutung, Frauenhandel und Gewalt sind Menschenrechtsverletzungen, die Individuen, Nationen und die Weltgemeinschaft schädigen.

Migration kann - wenn sie gut gemanagt ist und die Beiträge von Frauen und jungen Menschen maximiert werden, eine win-win-Situation sein: Sie verbessert den Lebensstandard und die Lebensqualität und befreit die daheim gebliebene Familie von der Armut.

Migrationspolitik kann es sich nicht leisten vor den Bedürfnissen von Frauen und Jugendlichen die Augen zu verschließen. Verantwortungsvolle und humane Politik muss ihre Menschenrechte sichern und auch die ökonomischen Interessen aller fördern.

Migrantinnen tragen zur Lebensqualität und Produktivität ihrer Zielländer bei. Sie bezahlen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Als Verkäuferinnen, Industriearbeiterinnen, Haushaltshilfen, Alten-und Kinderbetreuerinnen, Krankenschwestern und Ärztinnen füllen sie Lücken in den wohlhabenden Ländern. Oft arbeiten sie in Berufen für die sie überqualifiziert sind.

In ihren Herkunftsländern vermitteln Migrantinnen ein neues Frauenbild. Sie werden Ernährerinnen ihre Familien, nehmen die Frauenrolle und die Frauenrechte anders wahr und gewinnen größeren Respekt und Autorität. Sie dienen ebenso als Vorbilder für ihre Kinder, was zur Förderung der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern beiträgt - dem ausschlaggebenden Aspekt bei der Armutsbekämpfung und Entwicklung.

Trends

Die Zahl der Menschen, die außerhalb ihres Geburtslandes leben, hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt und lag 2005 bei 191 Mio. Etwa die Hälfte davon sind Frauen: 94,5 Mio. (49,6%). In einigen Ländern liegt der Frauenanteil zwischen 60 und 80%.
Frauen emigrieren, weil sie ihrer Familie nachfolgen, weil sie heiraten, weil sie arbeitslos sind, weil sie wenig verdienen, weil sie keine Chancen in ihre persönliche Entwicklung sehen und weil sie flüchten müssen.
Seit 1945 gibt es kontinuierliche Migration nach und innerhalb Europas. Jede/r dritte Migrant/in lebt in Europa, 8,8% der Gesamtbevölkerung Europas sind Migranten/innen. Die meisten Menschen, die in ein OECD-Land emigrieren, haben eine Matura oder eine Universitätsausbildung.

Arbeitsmigration und Nachfrage nach gutausgebildeten Arbeitskräften

Seit den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat die Süd-Süd-Arbeitsmigration bei Frauen zugenommen, vor allem zog es Frauen in die Golf- und in die Tigerstaaten Asiens. Aber auch Europa und Nordamerika waren Ziele der Suche nach einem besseren Leben. Jährlich werden 20.000 ausgebildete afrikanische Krankenschwestern und Ärzte/innen angeworben, um in Westeuropa und Nordamerika ihrem Beruf nachzugehen. Dieser Verlust von Gesundheitspersonal ist eine der größten Herausforderungen der internationalen Migration heutzutage. Afrika, das 25% der weltweiten Last an Krankheiten trägt, hat nur 1,3% des weltweit vorhandenen Gesundheitspersonal zur Verfügung. Auch im Bildungssektor wird in Europa eine Vielzahl von Migranten/innen beschäftigt. In den europäischen OECD-Ländern arbeiten mehr als 17% der Migrantinnen im Gesundheits- und Bildungsbereich.

Transferzahlungen an die Daheimgebliebenen

Zu den regelmäßigen Geldüberweisungen an Verwandte in der Heimat in der Höhe von 230 Mrd. US$ (in 2005) tragen Frauen mehr bei als Männer. So senden Frauen aus Bangladesch, die in den Vereinigten Emiraten arbeiten, 72% ihres Einkommens an ihre Familie in der Heimat. Dadurch können Kinder zur Schule gehen, werden Kranke behandelt und alte Eltern werden betreut. Aber das Geld dient auch dazu, dass Häuser gebaut und Kleinunternehmen gegründet werden und die Infrastruktur verbessert wird. Sie werden aber durch extrem hohe Bankspesen reduziert und sind kein Ersatz für die staatliche Entwicklungshilfe (ODA).

Flüchtlinge

2005 gab es weltweit 12,7 Mio. Flüchtlinge in der Welt. Bei den 773.500 Menschen die weltweit jährlich um Asyl ansuchen, sind Frauen unterrepräsentiert, da Asyl auf Grund der Geschlechtszugehörigkeit (z.B: Gefahr der weiblichen Beschneidung) oft nicht gewährt wird. Besonders im Zuge von bewaffneten Konflikten sind Frauen Ziel von Vergewaltigungen mit der Konsequenz von ungewollten Schwangerschaften, sexuell übertragbaren Infektionen inkl. HIV/AIDS, posttraumatischen Symptomen und sexuellen Dysfunktionen.
Aufgrund der restriktiven Gesetze hat sich die Zahl der Asylwerber/innen in Europa seit 2001 halbiert. Im Jahr 2005 haben 336.000 Personen um Asyl in den Industrieländern angesucht, in Europa waren ein Drittel der Asylsuchenden im Jahr 2002 Frauen.

Migrantinnen im Haushalt

Haushaltshilfen eröffnen den Frauen in Westeuropa, Nordamerika und Ostasien die Möglichkeit einem Beruf nachzugehen und einen höheren Lebensstandard zu erreichen, da Migrantinnen Kinder und pflegebedürftige Eltern versorgen.
So arbeiten 70% aller Migrantinnen (hauptsächlich aus Südamerika) in Spanien im Haushalt und in der Betreuung. 1,5 Mio. Frauen aus den Philippinen arbeiten in als Hausangestellte in den reichen Ländern Asiens. Die Umstände unter denen diese Tätigkeiten ausgeübt werden, unterliegen oft keinen arbeitsrechtlichen Bestimmungen und es besteht damit die Gefahr der Ausbeutung.

Frauenhandel

Frauen die verzweifelt versuchen, eine Arbeit zu finden, sind leichte Beute für Frauenhändler. Von den 800.000 jährlichen Opfern sind 80% Frauen und Mädchen, die sich in Bordellen wiederfinden oder zur Sklavenarbeit gezwungen werden. Mit Frauenhandel wird jährlich geschätzte 32 Mrd. US$ pro Jahr verdient und damit neben Waffen/Drogenhandel die profitträchtigste Einkommensquelle für das organisierte Verbrechen.
200.000 bis 500.000 Frauen arbeiten in Europa in der Prostitution. Die meisten davon wurden Opfer des Frauenhandels und stammen mittlerweile zum größten Teil aus Osteuropa und Russland.

Reproduktive Gesundheit /HIV/AIDS

Migrantinnen sind oft mit Problemen der reproduktiven Gesundheit konfrontiert. Studien haben herausgefunden, dass Migrantinnen nicht adäquate oder gar keine pränatale Betreuung erhalten, dass bei ihnen höhere Zahlen von Fehlgeburten und Kindersterblichkeit festgestellt werden können.
Mangelnde Kommunikation zwischen Patientin und Gesundheitspersonal kombiniert mit unzureichender Verwendung von ausgebildeten Spitalsdolmetscherinnen sind die Hauptursache für die verspätete und schlechte gynäkologische Versorgung in Dänemark.
Viele Migrantinnen sind vermehrt der Gefahr von HIV ausgesetzt, da sie von ihren Ehepartnern, die Sex außerhalb der Ehe haben, die Verwendung von Kondomen nicht zu verlangen wagen.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Gesellschaft für Familienplanung
Mag. Elisabeth Pracht
Tel.: 01 478 52 42 oder 0699 1 163 23 80
Email: e.pracht@oegf.at

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