Volkshilfe: Beruhigungspillen helfen in der Pflege nicht

Wien (OTS) - Die Änderung des Ausländerbeschäftigungsgesetzes ändert nur wenig am rechtswidrigen Zustand der illegalen Pflege. Denn gleichzeitig werden Abgaben hinterzogen. Daher ist eine große Lösung gefragt.

Der von Bundesminister Martin Bartenstein in Begutachtung geschickte Verordnungsentwurf zur Änderung des Ausländerbeschäftigungsgesetzes regelt einen kleinen Teil der illegalen Beschäftigung im Bereich der Pflege. Für die Lösung der großen Aufgaben in der Pflege und Betreuung von alten und kranken Menschen in Österreich ist dieser Schritt nicht hilfreich.

"Denn", so der Präsident der Volkhilfe Österreich Univ.-Prof. Dr. Josef Weidenholzer in einer ersten Stellungnahme, "es bleibt weiter zu befürchten, dass die Regierung versucht, mit dieser Beruhigungspille bis zu den Wahlen zu kommen und die Österreicher glauben zu lassen, dass das Problem der Illegalität gelöst ist. Dabei bleibt das Grundproblem gleich: Für ein legales Beschäftigungsverhältnis müssen noch eine Fülle von sozial-, arbeits-und steuerrechtlichen Bestimmungen geklärt und geändert werden. Und dann stellt sich die große Frage, wer kann sich ein solches legales Arbeitsverhältnis noch leisten?"

Daher tritt die Volkshilfe Österreich für ein großes Maßnahmenpaket ein, das auf Grundlage einer soliden Bedarferhebung und eines Österreich weiten Pflegeplans umgesetzt wird. Dabei ist eine erste Maßnahme, die legalen mobilen Dienste länger betreuen zu lassen. Durch die Aufhebung der Kontingentierung pro Patient durch die Bundesländer können Haushalte mit Pflegebedarf sehr rasch entlastet werden. Weiters braucht es eine Erhöhung des Pflegegeldes und in Zukunft eine Anbindung an die Inflationsrate. Der Ausbau der flächendeckende Versorgung mit mobilen und teilstationären Angeboten muss endlich in Angriff genommen werden. Betreutes und betreubares Wohnen, Tageszentren und Wohngemeinschaften, auch speziell für Demenzkranke, Kurzeit- und Urlaubspflege sind gut erprobte, sinnvolle und menschliche Betreuungsformen.

Aber auch die Vereinheitlichung der Ausbildung muss in den Bundesländern umgesetzt werden, neue Berufsbilder müssen entwickelt werden, um den sich ändernden Betreuungsbedarf legal abdecken zu können. Ziel muss es sein, die Herausforderungen in der Pflege vorrangig im Inland zu beantworten und auch die Jobchancen zu nutzen, indem durch sinnvolle Rahmenbedingungen auch junge Menschen eine Zukunft in Pflege- und Betreuungsberufen sehen. Das alleinige Verlassen auf ausländische Pflegekräfte verstärkt nur die Probleme in ihren Heimatländern, führt zu auseinander gerissenen Familien und unbetreuten Kindern.

"Das alles", so Weidenholzer abschließend, "wird es nicht zum Nulltarif geben. Aber Österreich ist ein reiches Land, das muss uns die menschliche Betreuung von alten, kranken und behinderten Menschen einfach wert sein. Und wenn die Erträge aus der Erbschaftssteuer als Bagatellsteuer bezeichnet werden, dass hätte ich eine sinnvolle Verwendung dafür."

Rückfragen & Kontakt:

Erwin Berger, Tel. 0676 83 402 215
Leiter Kommunikation Volkshilfe Österreich
berger@volkshilfe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VHO0001