Ungeregelte Schutzwege: Anhaltebereitschaft nach wie vor gering

Traurige Erkenntnis zu Schulbeginn: Nur die Hälfte der Autofahrer hält vor ungeregelten Schutzwegen an und lässt Fußgänger queren.

Wien (OTS) - Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) hat vor kurzem österreichweit erhoben, wie es um die Anhaltebereitschaft von Pkw-Lenkern in 30- und 50 km/h-Zonen bestellt ist. Leider hat sich wieder einmal herausgestellt, dass mit steigender Geschwindigkeit der Wille nachlässt, einen Fußgänger vorschriftsgemäß über den Schutzweg gehen zu lassen. Gerade zu Schulbeginn sollte dieses Verhalten zu denken geben. "Wir haben beobachtet, dass in Tempo-30-Zonen rund 59 Prozent der Pkw-Fahrer stehen bleiben. Sind 50 km/h erlaubt, sinkt dieser Prozentsatz auf etwa 51 Prozent", berichtet Dr. Othmar Thann, Direktor des KfV. "Tatsache ist natürlich auch, dass gerade im Ortsgebiet die gefahrenen Geschwindigkeiten in den seltensten Fällen den erlaubten Geschwindigkeiten entsprechen." Aktuelle Messungen des KfV zeigen, dass fast drei Viertel der Autofahrer Tempo 30 überschreiten, bei zulässigen 50 km/h ist rund die Hälfte schneller unterwegs. Dabei entscheidet die Geschwindigkeit über Leben und Tod der ungeschützten Verkehrsteilnehmer. Prallen Mensch und Pkw bei 50 km/h aufeinander, besteht bereits ein 40-prozentiges Risiko, dass der Unfall tödlich endet. Bei 70 km/h gibt es mit einem Tötungsrisiko von etwa 95 Prozent kaum Überlebenschancen. 17 Fußgänger starben 2005 bei Unfällen auf Schutzwegen, 14 davon auf ungeregelten Schutzwegen. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich übrigens zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen. "Mangelnde Anhaltebereitschaft vor ungeregelten Schutzwegen ist also kein Kennzeichen einer bestimmten Gruppe von Verkehrsteilnehmern, sondern ein umfassenderes Problem", meint Thann. "Viel mehr dürfte der Anstieg von Schutzwegunfällen in den letzten Jahren auf einen grundsätzlichen Machtkonflikt zwischen Fahrzeuglenkern und Fußgängern hinweisen."

Rechte und Pflichten für beide Seiten

Die Gefährdung von Fußgängern am Schutzweg ist seit dem 1. Juli 2005 ein Vormerkdelikt, innerhalb der ersten 12 Monate wurden in ganz Österreich 568 Vormerkungen dafür "verteilt". Der erweiterte Vorrang für Fußgänger findet sich aber seit 1994 in der Straßenverkehrsordnung. Fußgänger, die einen Schutzweg benützen oder erkennbar benützen wollen, haben Vorrang. Fahrzeuglenker dürfen diese weder gefährden noch in ihrer Querungsabsicht behindern. Dementsprechend müssen sie auch die Fahrgeschwindigkeit anpassen und gegebenenfalls anhalten. Bleibt der Fußgänger vor dem Schutzweg stehen oder zögert er, ist das kein Vorrangverzicht. Umgekehrt haben aber auch Fußgänger Pflichten. Will ein Fußgänger auf einem ungeregelten Schutzweg über die Straße, darf er nicht unmittelbar vor einem herannahenden Fahrzeug und für den Lenker überraschend auf den Zebrastreifen treten. Ohne Schutzweg darf man die Fahrbahn nur betreten, wenn kein anderer Straßenbenützer gefährdet wird. Kinder haben immer und überall Vorrang, sobald sie die Straße queren wollen. Ganz unabhängig davon, ob ein Schutzweg vorhanden ist oder nicht und ob sie allein oder in Begleitung Erwachsener unterwegs sind.

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