"Kleine Zeitung" Kommentar: "Es stinkt auch ohne die faulen Wahlkampf-Eier schon genug" (Von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 28.08.2006

Graz (OTS) - Das Bedürfnis danach, gerade in Zeiten der Skandale beim politischen Gegner gegenüber der Öffentlichkeit die staatstragende Gebärde zur Schau zu stellen, hat das Baden im Unglück des ÖGB verzögert, nicht verhindert. Pünktlich zu Beginn des propagandistischen Bauchaufschwunges der politischen Parteien einen Monat vor der Wahl wurde das Giftschränkchen geöffnet, zirkulieren spekulative Papiere, ergeht man sich in dunklen Verdächtigungen über Bekanntes hinaus, in der Hoffnung, die faulen Eier mögen zumindest noch bis zum Wahltag kräftig stinken.

Es stinkt auch ohne diese Bemühungen schon genug. Der Überlebenskampf des ÖGB wird hinter den Kulissen geführt, der Ausgang ist völlig ungewiss.

Die Daseinsberechtigung der Gewerkschaft, ihr Anspruch auf monatliche Beiträge ihrer Mitglieder, gründet sich auf das Versprechen einer Leistung. Diese Leistung ist in Gefahr und damit der ÖGB als Ganzes. Noch ist nicht einmal den Verantwortlichen selber klar, über welche finanzielle Mittel sie künftig verfügen, welchen Personalstand man sich buchhalterisch überhaupt leisten kann. Dieses Personal ist aber die Substanz der Arbeitnehmervertretung. Wenn es keine Leute mehr gibt hinter den Mauern, Leute, die informieren, die beraten, die Anker sind in den nicht sanfter werdenden Gewässern des Arbeitslebens, dann hat das Gebäude als Ganzes keinen Wert.

Die zusätzlichen ÖGB-Pensionen werden fallen, so oder so. Kein Problem im Falle so prominenter Anspruchsberechtigter wie Ex-Präsident Fritz Verzetnitsch & Co - ein Ausschluss aus der Gewerkschaft genügt laut Pensionszuschussordnung, um Widerspenstige zu zähmen.

Für die vielen Mitarbeiter, deren Gehälter nie lichte Höhen erreichten, ist es natürlich ein Problem. Sie werden vermutlich in Form von Solidaritätsakten zum Pensionsverzicht gezwungen werden, um ihre Haut, sprich den eigenen Arbeitsplatz zu retten. Es geht ihnen dabei nicht anders als vor ihnen anderen Arbeitnehmergruppen in Österreich, beispielsweise den Voest-Beschäftigten in den 90er-Jahren. Nicht das Schlimmste, was ihnen passieren kann, aber auch kein Anlass zu Häme, schon gar nicht für die obersten Hüter der Beamtenprivilegien, die ÖVP.

Bei der Suche nach Barem wird der ÖGB es sich auch nicht ersparen können, auf Reserven, die in den Teilorganisationen gebunkert sind, zurückzugreifen. Die schlichte Wahrheit: Ohne diese Reserven ist der Betrieb nicht aufrechtzuerhalten.****

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