Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Hurra, es ist Krieg

In der internationalen Politik geht es um ernstere Probleme als in der heimischen - bisweilen bietet aber auch erstere genug zum Lachen. Ausgerechnet Italien und Spanien haben sich geradezu gedrängt, eine größer Truppe in den Libanon zu senden. Die Regierungen in Rom und Madrid waren aber einst auch die ersten, die nach Amtsantritt die eigenen Truppen aus dem Irak abgezogen haben.
Ist das logisch? Wird ein Libanon-Engagement zum Stahlbad der linken Regierungen, wie es der Irak zu jener der rechten geworden ist?

Eines ist gewiss: Jene Kämpfer, die im Libanon immer wieder ihre Schlachten ausgetragen haben, wissen schon heute, wie viele Bahn-Bomben oder Tote unter der vorerst noch stolzen EU-Truppe es gegebenenfalls braucht, bis diese den Schwanz wieder einzieht und deutlich weniger stolz nach Europa heimkehrt.

Ernst genommen wird sie aber von niemandem. Sie wird daher auch niemanden entwaffnen können. Sie wird nur von der internationalen Diplomatie gewünscht, die immer glaubt, ein Problem zu lösen, wenn man es zudeckt. Und sie wird von den Streitparteien toleriert, solange sie nicht stört.

Die gesamte Szene erinnert an den Beginn des Irak-Krieges: Auch damals waren in den USA fast alle und in Europa etliche dafür, dort Ordnung zu schaffen - darunter viele, die den Krieg heute als Privatsache George W. Bushs darstellen (obwohl für den Irak ein Sieg der immerhin demokratisch gewählten Regierung und der USA noch immer ein Segen wäre). Aber: Wenn ein Krieg verloren geht, verliert er rasch seine Väter. Gesellschaften, die nicht so leichtfertig wie etwa islamistische auf Todesopfer reagieren, sollten aus Irak lernen und bei militärischen Abenteuern sehr vorsichtig agieren.
Aber sie können sich auch lächerlich machen wie Frankreich, Italien und Spanien, die derzeit wirklich wieder in Dimensionen der Kolonial-und Mussolini-Zeit denken. Motto: Das Mittelmeer sei (jeweils:) "unsere" traditionelle Einfluss-Sphäre.

Wie kann nur in Europa heute jemand wachen Verstands noch so denken? Wie kann das insbesondere bei Frankreich und der EU-Linken passieren, die einst sogar fürs Wegschauen waren, als am Balkan, also auf europäischem Boden selbst, ein Völkermord versucht worden ist?

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