WirtschaftsBlatt Kommentar vom 26.8.2006: Wahlkampf: Jetzt kommt die Schmutzwäsche - von Peter Muzik

Bartenstein war schon immer eine geeignete Zielscheibe für wüste Attacken

Wien (OTS) - Die Meldung, die der "Standard" in seiner Freitag-Ausgabe gebracht hat und die prompt von der Austria Presse Agentur übernommen wurde, gehört nicht wirklich in eine Wirtschaftszeitung: Ein Schloss in der steirischen Gemeinde Lannach, das Sitz einiger Pharmaunternehmen ist, war angeblich bis 8. Mai 1945 eines von acht Aussenlagern des Konzentrationslagers Mauthausen. Frauen, die als Zeuginnen Jehovas zuvor im KZ Ravensbrück interniert waren, sollen 1944 über das Tiroler Aussenlager Mittersill als Zwangsarbeiterinnen in das Subkommando Lannach überstellt worden sein. Jetzt fordern Vertreter der Opferverbände, dass die Geschichte des Schlosses bewusst gemacht wird. Ein Sprecher des Mauthausen-Komitees Steiermark verlangte "eine angemessene Form der Erinnerung" - etwa eine Gedenktafel.

Die Nachricht wurde in erster Linie deshalb zum Thema, weil Schloss Lannach dem Wirtschaftsminister Martin Bartenstein gehört. Dessen Vater ist in den 50er-Jahren in die 1947 gegründete Lannacher Heilmittel GmbH eingestiegen und übernahm das Unternehmen im Jahr 1966. Das Schloss ist heute nicht nur Firmenzentrale, sondern zugleich Wohnsitz des Ministers, und er hat dort übrigens auch die steirische Wahlkampfleitung im Hinblick auf den 1. Oktober untergebracht. Bartenstein, Spitzenkandidat der steirischen ÖVP, will laut eigenen Angaben über die KZ-Vergangenheit des Schlosses nichts gewusst haben.

Der Wahlkampf auf sehr persönlicher Ebene - kürzlich war bekanntlich Wolfgang Schüssel wegen seiner pflegebedürftigen Schwiegermutter in den Schlagzeilen - wird nunmehr brutal-untergriffig. Was strikt abzulehnen ist. Dass gerade jetzt politische Schmutzwäsche gewaschen wird, ist aber sicher kein Zufall: Den kaum identifizierbaren Urhebern solcher Meuchelstorys geht's primär darum, die politischen Gegner, allen voran natürlich die Regierungsmitglieder, möglichst heftig anzuschwärzen. Und dass Bartenstein und seine Firmengruppe hiefür immer eine geeignete Zielscheibe waren, ist hinlänglich bekannt.

Bleibt zu hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler solche schmutzigen Attacken, die von den wirklich wichtigen Themen ablenken sollen, als das sehen, was sie in Wahrheit sind: parteipolitisches Hickhack der übelsten Sorte. Und dass die ÖsterreicherInnen derartigen Sudelgeschichten in den kommenden Wochen keine Beachtung schenken -wer immer noch davon betroffen sein mag.

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