Berger fordert Engagement der EU im Bereich Fußball

Ungerechtigkeiten im Fußball müssen beseitigt werden

Wien (SK) - "Um die Attraktivität des Fußballs für die sportbegeisterten europäischen Bürger zu erhalten, muss die Europäische Union jetzt handeln", betonte die Delegationsleiterin der SPÖ-Abgeordneten zum Europäischen Parlament Maria Berger am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz. Ungleichheiten wie unterschiedliche finanzielle Ausstattung der Klubs, verschiedene nationalstaatliche Regelungen und kriminelle Vorkommnisse rund um den Fußball machen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Eine von der britischen EU-Präsidentschaft in Auftrag gegebene Studie zur Lage des europäischen Fußballs habe den Anstoß zur länder- und parteienübergreifenden Initiative gegeben, so Berger. "Sport ist ein Bereich, in dem sich die Politik nur in geringem Maße einzumischen hat", bemerkte Berger. Jedoch gebe es einige Belange, die durchaus auf EU-Ebene zu regeln wären. Dies würde auch von Verbänden und Klubs begrüßt. "Die Beteiligten wollen, dass die EU tätig wird", unterstrich die EU-Abgeordnete. ****

Ein besonderes Problem sei, so Berger, dass die Schere der Wirtschafts- und Finanzkraft der einzelnen Klubs und Ligen immer weiter auseinander gehe. Mehr als die Hälfte der Fußballeinnahmen entfalle auf die großen fünf Fußballnationen (Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und England). Es sei jedoch von einem Sportprofessor nachgewiesen worden, dass zu zwei Drittel die finanzielle Ausstattung der Klubs über den Erfolg entscheide. Auch Prämiensysteme innerhalb der Champions League hätten die Ungleichheiten verstärkt, betonte die SPÖ-Politikerin.

Massive Unterschiede gebe es auch bei nationalen Regelungen zur Vermarktung von Übertragungsrechten. Es sei entscheidend ob sich die Klubs selbst vermarkten müssen oder nicht. Bayern München verfüge im Vergleich zu Juventus Turin über nur ein Fünftel der Einnahmen aus Übertragungsrechten. Auch die Größe des Heimmarktes sei entscheidend für die Einnahmen aus Fernsehrechten. Klubs mit großen nationalen Märkten würden sich zu etwa einem Drittel aus den Einnahmen durch Fernsehrechte finanzieren.

Ebenfalls Handlungsbedarf bestehe im Bereich von kriminellen Aktivitäten rund um den Fußball. Zwar sei hier schon in einigen Bereichen eine Zusammenarbeit zu orten, allerdings gebe es noch immer Lücken, hielt Berger fest. Insbesondere die Nichteinhaltung des Arbeitsrechts sei problematisch. Erhebungen hätten ergeben, dass 50 Prozent der Spieler ohne arbeitsrechtliche Absicherung eingesetzt würden.

"Die EU hat derzeit keine Kompetenz für Gesetze im Sport", kritisierte Berger. Es würden allgemeine Regelungen wie die Freizügigkeit und die Nichtdiskriminierung auch im Bereich des Sports gelten. Dieser Umstand würde jedoch dazu führen, dass an sich begrüßenswerte Regelungen wie die neue UEFA-Mindestquote für "home grown Players" vor dem EUGH eventuell keinen Bestand hätten. Eine weitere große Unsicherheit für den europäischen Fußball sei der zu erwartende Wegfall des Lotterie- und Glücksspielmonopols, da Finanzierungslücken zu erwarten seien, konstatierte die EU-Abgeordnete.

Der EU-Aktionsplan umfasse unter anderem Elemente wie die Einführung von zentralen Vermarktungssystemen und ein verstärkter Solidarausgleich zwischen reichen und armen Klubs. Überdies solle der Sportartikel der in den Verfassungsentwurf zur EU-Verfassung eingearbeitet wurde, neu gestaltet werden, denn "dieser löst die Probleme nicht", so Berger. Problematisch sei vor allem, dass dieser das "big business", um das es sich im Fußball handle, nicht berücksichtige. Überdies müsse die Zulassung von Spielern aus Drittstaaten geregelt werden und auch ein sozialer Dialog zur Sicherung von Spielerrechten sei notwendig.

Zum Fahrplan des EU-Aktionsplans merkte Berger an, dass derzeit fünf Ausschüsse (Sport, Wirtschaft, Beschäftigung, Binnenmarkt und Recht) zusammenarbeiten würden und man noch im Dezember eine einheitliche Linie festlegen wolle. Im Frühjahr nächsten Jahres solle sich dann die Kommission mit der Materie beschäftigen. (Schluss) sw

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