8 Jahre in Einzelhaft - Psychologische Überlebensstrategien und Zukunftsperspektiven

Wien (OTS) - Von einem Tag auf den anderen aus der gewohnten Umgebung herausgerissen, eingesperrt und einer fremden Person völlig ausgeliefert und dies auf unbestimmte Dauer. Dieses Szenario ist eines der schlimmsten, denen der Mensch ausgesetzt sein kann:
vollständiger Kontrollverlust, Ausgeliefertsein und Unvorhersehbarkeit der Zukunft.

Welche psychologische Strategien ermöglichen es den Opfern in dieser Situation zu überleben und vor allem nachher ihr Leben zu gestalten?

Eine dieser Strategien ist das sogenannte Stockholm-Syndrom, bei dem das Opfer sich emotional mit dem Täter identifiziert und positive Gefühle für den Täter entwickeln kann. Dies ist eine unbewusste Reaktion auf das Trauma, einem Gewalttäter ausgeliefert zu sein und mit der Angst vor dem Tod konfrontiert zu sein. Menschen fühlen sich sicher, wenn sie ein Minimum an Kontrolle über ihre Umgebung haben. "Wenn ich alles richtig mache, dann überlebe ich." Jede dieser und anderer Reaktionen sind Anpassungsleistungen, die das Überleben durch Hoffnung auf Freiheit
ermöglicht.

Hilfe bei der Bewältigung heißt, dem Verarbeitungstempo der Betroffenen zu folgen: in den Zeiten, wo sie sich mit dem Erlebten beschäftigen, kann man mit Hilfe einer speziellen psychologischen Begleitung dabei helfen, das Geschehene zu ordnen, zu verstehen und in das Leben zu integrieren. Wichtig ist es, den Opfern psychologische Techniken zu vermitteln, die Helfen, immer wiederkehrende Erinnerungen zu bewältigen, das gegenwärtige Leben wahrzunehmen und ein Gefühl der Sicherheit in bezug auf ihre Zukunft zu vermitteln. Die Traumapsychologie beschäftigt sich intensiv mit den "normalen Reaktionen auf abnormale Erlebnisse" und hat zum Ziel, eine posttraumatische Belastungsreaktion zu verhindern oder zu verringern. Die Forschung auf diesem Gebiet und die dadurch entwickelten, therapeutischen Techniken haben zum Ziel, Traumaopfer besser zu verstehen und sie bei der Bewältigung psychologisch kompetent zu unterstützen.

Tatsache ist leider auch, dass selbst diese wichtige notfallpsychologische Behandlung noch immer nicht von den Krankenkassen bezahlt wird.

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