Gesundheitsministerin Rauch-Kallat verdrängt die dramatische Entwicklung bei den Gebietskrankenkassen

Der Abgang der neun Gebietskrankenkassen steigt unaufhörlich, die Ausgaben für Heilmittel erreichen 2006 Rekordwerte

Wien (OTS) - Das Minus der neun Gebietskrankenkassen (GKK) wird
vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB) für 2006 mit 253,6 und für 2007 mit 372 Millionen Euro prognostiziert. Dieses finanzielle Horrorergebnis wird 2006 nur dadurch etwas geschönt, da die Sonderversicherungsträger (Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau, Sozialversicherungsanstalt der Bauern, Versicherungsanstalt öffentlicher Bediensteter, Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft) Überschüsse verbuchen(siehe Tabelle).

Aktualisierte Voranschläge Krankenversicherung 2006
Stand: 15. August 2006

Krankenversicherungs- Einnahmen Ausgaben Saldo Saldo in % träger in Mio. in Mio. in Mio. der Euro Euro Euro Einnahmen KV - insgesamt 12.265,7 12.419,4 - 153,7 - 1,3 Alle GKK 9.049,2 9.302,8 - 253,6 - 2,8 Gkk Wien 2.350,2 2.427,8 - 77,6 - 3,3 Gkk Niederösterreich 1.536,4 1.586,5 - 50,1 - 3,3 Gkk Burgenland 253,5 260,6 - 7,1 - 2,8 Gkk Oberösterreich 1.529,8 1.544,3 - 14,5 - 0,9 Gkk Steiermark 1.160,2 1.219,6 - 59,4 - 5,1 Gkk Kärnten 559,4 587,2 - 27,8 - 5,0 Gkk Salzburg 566,7 572,9 - 6,2 - 1,1 Gkk Tirol 696,9 697,2 - 0,3 - 0,0 Gkk Vorarlberg 396,1 406,7 - 10,6 - 2,7 Alle BKK 116,4 114,7 + 1,7 + 1,5 VA für Eisenbahnen und Bergbau 520,6 516,2 + 4,4 + 0,8 VA öff. Bediensteter 1.310,7 1.257,9 + 52,8 + 4,0 SVA d. gewerblichen Wirtschaft 782,0 754,9 + 27,1 + 3,5 SVA d. Bauern 486,8 472,9 + 13,9 + 2,9

Quelle: HVB

Da aber ein Finanzausgleich zwischen den bundesweiten Sonderversicherungsträgern und den Gebietskrankenkassen per Gesetz untersagt ist, müssen die GKKs mit ihrer negativen Gebarung selbst fertig werden. Die Aussage von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, dass die Gebarungserfolge der Sonderversicherungsträger die Verluste der Gebietskrankenkassen abdecken könnten, sei laut Franz Bittner, Vorsitzender der Trägerkonferenz im Hauptverband, "völlig unverständlich". Anscheinend habe Rauch-Kallat das Urteil des Verfassungsgerichtshofes in dieser Causa bereits völlig verdrängt.

Heilmittelkosten steigen überproportional an

Auch die Aufwandsentwicklung auf dem Heilmittelsektor macht allen Krankenkassen zu schaffen: Es werden mehr und teurere Medikamente als bisher verschrieben. So mussten die Krankenversicherungen im ersten Halbjahr 2006 um 8,48 Prozent mehr für Heilmittel ausgeben als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres, das ist eine Differenz von 70 Millionen Euro. Im Juli 2006 sind die Heilmittelausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 7,45 Prozent gestiegen. "Da nützt es auch nichts, wenn die Gesundheitsministerin von der Pharmaindustrie Rückendeckung erhält, indem behauptet wird, dass die Heilmittelausgaben bis dato nur um fünf Prozent gestiegen seien", so Bittner.

Krankenversicherung gesamt (Abgabe über öffentliche Apotheken) (Entgelt=Taxbetrag abzüglich Abschläge)

Absolute Werte Änderungen 2005/2006 Änderungen 2004/2006 2005 2006 Differenz % % Jänner 126.949.578 144.807.803 17.858.225 +14,07% +11,30% Februar 128.080.401 136.259.842 8.179.441 +6,39% +11,03% März 143.204.802 161.505.334 18.300.532 +12,78% +10,30% 1. Quartal 398.234.780 442.572.979 44.338.199 +11,13% +10,85% April 142.540.411 142.178.287 -362.124 -0,25% +4,25% Mai 136.747.505 157.584.467 20.836.962 +15,24% +22,60% Juni 147.928.818 153.140.184 5.211.366 +3,52% +5,19% 2. Quartal 427.216.734 452.902.937 25.686.203 +6,01% +10,33% 1.

Halbjahr 825.451.514 895.475.917 70.024.402 +8,48% +10,58%
Juli 139.801.159 150.214.778 10.413.619 +7,45% +4,94%

Es bleibe nur zu hoffen, meint Bittner abschließend, dass "die künftige Bundesregierung die Finanzprobleme des österreichischen Gesundheitssystems besser in den Griff bekommt als die aktuelle".

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