Vergisst Amon im Wahlkampffieber ÖAAB-Positionen?

GBH sagt Ja zu vernünftigen Arbeitszeitmodellen

Wien (GBH/ÖGB) - Mit Verwunderung nahm der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und ÖGB-Vizepräsident Johann Driemer die Presseaussendung des ÖAAB-Generalsekretärs NAbg. Werner Amon zur Kenntnis. Driemer: "Wenn Amon den von ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer als akzeptabel erachteten einjährigen Durchrechnungszeitraum in der Arbeitszeit strikt ablehnt, dann scheint er die Positionen seines ÖAAB vergessen zu haben, der seit 2003 ein Zeitwertkonto propagiert, das einer Jahres- bzw. Mehrjahresdurchrechnung entspricht und an dessen für 2005 geplanter Umsetzung er bislang gescheitert ist."++++

Der damalige ÖAAB-Generalsekretär Walter Tancsits präsentierte am 5. August 2003 das Modell des Zeitwertkontos "zur flexiblen individuellen Arbeitsgestaltung", in das Mehrleistungen einbezahlt werden sollten, die in Freizeit wieder abgerufen werden können. Dieses Modell sollte bis zum Jahr 2005 umgesetzt sein. Am 31.08.2005 präsentierte LR Mag. Wolfgang Sobotka vom NÖAAB dieses Zeitwertkonto neuerlich und sprach von einer flexiblen Einteilung der Lebensarbeitszeit und positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Und am 3. Mai 2006 wurde in einer Vollversammlung der AK Oberösterreich von Ing. Josef Scheuchenegger, ebenfalls ÖAAB, die rasche Umsetzung des Zeitwertkontos forciert.

Driemer: "Was also nach Meinung von NAbg. Amon beim ÖGB schlecht und striktest abzulehnen ist, ist in den Modellen des ÖAAB gut? Das verstehe, wer kann. Herr NAbg. Amon, im Gegensatz zum ÖAAB reden wir nicht nur, wir handeln! In der Bauwirtschaft haben wir 1996, also bereits vor 10 Jahren, auf Grund der wiederkehrenden hohen Winterarbeitslosigkeit ein äußerst fortschrittliches Jahresbeschäftigungsmodell mit einer Jahresdurchrechnung umgesetzt, das eine Verlängerung der Jahresbeschäftigung am Bau um sechs Wochen gebracht und sich in der Praxis bestens bewährt hat."

Dieses Modell bedarf jetzt einer Weiterentwicklung, da die vereinbarten Bestimmungen durch die Unternehmen in jüngerer Zeit nicht mehr dem ursprünglichen Ziel entsprechend angewendet werden. Driemer: "Bei den heurigen Kollektivvertragsverhandlungen haben wir mit dem Sozialpartner Bau vereinbart, diese notwendige Weiterentwicklung, die nach Meinung der Gewerkschaft Bau-Holz ein Jahres- und Lebensarbeitszeitmodell mit Jahres- und Lebenseinkommen zum Ziel haben muss, jetzt in einer Expertengruppe zu erarbeiten. Natürlich dürfen solche Arbeitszeitmodelle nicht zu Lasten der ArbeitnehmerInnen gehen - dafür hat die Gewerkschaft Bau-Holz in ihren Kollektivverträgen selbstverständlich gesorgt - ebenso wie die Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung in den ihren. Wenn ÖGB-Präsident Hundstorfer einer Jahresdurchrechnung zustimmt, stützt er sich auf diese erfolgreich erprobten Modelle"

Vorrangig für die GBH ist, wenn es zu Jahres- bzw. Lebensarbeitszeit-Regelungen in der Bauwirtschaft kommen soll, dass o das Jahreseinkommen und die Jahresbeschäftigung garantiert werden, o eine Aufzeichnungspflicht der Zeitausgleichsstunden und deren Verbrauch inkl. einer Deponierung des Entgeltes dafür bei der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) vorgenommen wird, o die täglichen und wöchentlichen Höchstgrenzen der Arbeitszeit festgeschrieben werden,
o der Zeitraum, in dem Zeitausgleichsstunden erworben werden können, festgeschrieben wird,
o eine höhere Bewertung der Zeitausgleichsstunden vertraglich festgelegt wird,
o es einen Beitrag der Arbeitslosenversicherung an Stelle des Arbeitslosengeldbezuges zur Sicherung der Jahreseinkommen der Bauarbeiter gibt.

Driemer abschließend: "Der ÖGB und die Gewerkschaften waren -dort, wo solche Modelle Sinn machen - immer gesprächsbereit, wenn es um die Entwicklung neuer, zukunftsorientierter flexibler Arbeitszeitmodelle gegangen ist, die nicht zu Lasten der ArbeitnehmerInnen gehen. Wir haben uns aber immer vehement gegen Vorschläge verwahrt, die auf Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich hinausgelaufen sind. Das sollte auch Herr NAbg. und ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon ganz genau wissen. Wenn er nun versucht, in der Öffentlichkeit das Gegenteil zu propagieren, dann ist ihm offensichtlich billige parteipolitische Wahlkampfpolemik wichtiger als die Interessen der ArbeitnehmerInnen. Herr NAbg. Amon, auch Sie sind als Arbeitnehmervertreter im Nationalrat! Sie sollten -anstatt ihre Zeit damit zu verbringen, täglich den ÖGB, der zukunftsorientiert handelt, zu kritisieren - endlich an Stelle von Parteipolitik zielorientiert zum Wohl der ArbeitnehmerInnen beitragen."

ÖGB, 25. August 2006
Nr. 553

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