Neue "Kärntner Tageszeitung" - KOMMENTAR von M. Geistler-Quendler: Entlarvendes Wegschauen

Klagenfurt (OTS) - Menschen, die man liebt, schwach werden zu
sehen, geht an die Substanz. An sich selbst physische Ohnmacht zu erfahren, auch. Für jeden wird es irgendwann Realität, auf Hilfe anderer angewiesen zu sein. Das war schon immer so, nur über Jahrzehnte hindurch konnten wertkonservative politische Entscheidungsträger aller Parteien getrost das tun, was Minister Bartenstein kürzlich im Kontext der Pflegenotstandsdebatte empfahl:
"Wegschauen."

Ignorieren, dass Arbeit an Menschen auch Arbeit ist. Diese Betreuungsaufgaben gegenüber Älteren bürdete man großteils Frauen auf - unentgeltlich -, denn das hatte sich bei der Versorgung der Kinder "zu Hause" bewährt. Das schlechte Gewissen - unterstützt durch christliche Leidensphilosophie - blieb eine wirkungsvolle Waffe in der Hand jener Politiker, die eine Ausrede für die Nicht-Entlohnung dieser Arbeit brauchten. Oder auch eine Entschuldigung für die niedrige finanzielle Bewertung der Leistung erwerbstätiger Pflegerinnen.

Die Debatte über illegal in Österreich tätige Slowakinnen - Frauen - konterkariert das systematische Wegschauen. Man kann den Wunsch nach Pflege nicht als moralischen Anspruch an jene, die sich am wenigsten wehren, definieren. Qualitätsvolle Pflege muss ein Rechtsanspruch in einer humanen Gesellschaft sein, einer, der gemeinsam verwirklicht wird.

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