Alpbach: Europäisches Modell als Antwort auf Globalisierung

Der europäische Weg der Balance zwischen sozialer Sicherheit, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und ökologischer Verträglichkeit muss überzeugter vertreten werden

Wien (PWK544) - "Sicherheit am Arbeitsmarkt hängt mit Vertrauen zusammen. Die Bürger müssen in die politischen Rahmenbedingungen Vertrauen haben können.", meinte WKÖ-Präsident Leitl beim hochkarätig besetzten Abschlussplenum der Alpbacher Reformgespräche Die Globalisierung hätte dazu geführt, dass die Wirtschaft international agiert, während die Politik noch zu sehr an nationalen Eigeninteressen festhalte. "Es gibt zwar eine WTO, die den Welthandel überwacht, aber nach wie vor fehlt hier ein ethischer Begleitrahmen", so Leitl. Auf EU-Ebene vermisst der WKÖ-Präsident entscheidungsfähige Institutionen: "Wir brauchen ein starkes EU-Parlament und eine handlungsfähige EU-Regierung." Auf nationaler Ebene hätte Österreich seine Hausaufgaben gemacht. Leitl: "Die Österreicher und Österreicherinnen haben das Gefühl, dass sie Vertrauen in Österreichs Wirtschaft und die Leistungsfähigkeit der Betriebe haben können". Hierzulande würde weniger gejammert und mehr gemacht. Das österreichische Erfolgsrezept wird an folgenden Zahlen deutlich: +14% Steigerung im Export und die Rekordbeschäftigung von 3,3 Mio. unselbständig Beschäftigen. Entscheidende Aufgaben für die nächste Regierung seien das Vorantreiben einer Bürokratie- und Bundesstaatsreform, eine Gesundheitsreform, bei der die Sozialpartner besonders gefordert seien, und eine besondere Förderung der Bildungsstandards in Österreich.

"Die Gewerkschaft ist kein Verhinderer, sondern vielmehr ein Gegenpol, der darauf schaut, dass der Wohlstand gerecht verteilt wird.", stellte ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer fest. Der ÖGB werde in Zukunft noch mehr den nicht-klassischen Betriebsstrukturen Augenmerk schenken und besonders für Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen eintreten. "Die Globalisierung kann man nicht aufhalten, aber es müssen faire Spielregeln herrschen.", so Hundstorfer. Auch auf internationaler Ebene müssten daher die Sozialpartner für gerechte Arbeitsbedingungen sorgen.

"Die Globalisierung ist ein Faktum, bietet aber auch Chancen für Österreich und Europa, aber nur dann, wenn faire Spielregeln entwickelt werden, um die Balance zwischen sozialer Sicherheit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit herzustellen.", meinte Wilhelm Molterer. Der ÖVP-Klubobmann tritt für ein Vorantreiben der europäischen Integration ein, wobei aber Sicherheit und Sorge der Bürger nicht aus den Augen verloren werden dürfen. "Europa ist viel zu wenig selbstbewusst. Das europäische Modell der Balance zwischen sozialer Sicherheit, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und ökologischer Verträglichkeit wird von den Europäern viel zu wenig überzeugt vertreten.", so Molterer.

"Die politischen Strukturen haben mit dem rasanten Tempo der weltweiten Veränderungen weit weniger Schritt halten können als die Wirtschaft.", so Madeleine Petrovic, die Klubobfrau der Niederösterreichischen Grünen. Die marktwirtschaftlichen Prozesse würden funktionieren, aber Petrovic vermisst soziale und ökologische Rahmenbedingungen, die diesem rasanten Wandel Rechnung tragen. Der freiheitliche Klubobmann Herbert Scheibner ortet zu viele nationale Eigeninteressen in der europäischen Politik, dabei "könnte Europa ein wichtiger Faktor in der globalisierten Wirtschaft werden. Ein einheitlich agierendes, starkes Europa, dass neben wirtschaftlichem Erfolg auch auf soziale Sicherheit Wert legt, wäre ein Kontrapunkt zur internationalen Konkurrenz, etwa in Asien." (TB)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Stabsabteilung Presse
Mag. Rupert Haberson
Tel.: (++43) 0590 900-4362
Fax: (++43) 0590 900-263
presse@wko.at
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0005