Alpbach: "Dringend bessere politische Rahmenbedingungen für Frauen schaffen"

Hochhauser, Rauch-Kallat und Shyman diskutieren " Rollenbilder -Geschlechterrollen"

Wien (PWK543) - "Wer wettbewerbsfähig sein will, kann auf das qualifizierte Potenzial von Frauen nicht mehr verzichten", stellte Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, anlässlich des Arbeitskreises "Rollenbilder -Geschlechterrollen" Dienstag bei den Reformgesprächen 2006 in Alpbach für die Wirtschaft fest. Gemeinsam mit Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, Gudrun Shyman, Gründerin der "Feminiskt initiativ" in Schweden, Christine Stix-Hackl, der ersten Generalanwältin im EUGH und Tina Reisenbichler von T-Systems Austria wurde die Rolle der Frau im Wirtschafts-, Lebens- und Arbeitsraum beleuchtet. Unter dem Vorsitz von ORF-Journalistin Eva Pfisterer wurde über Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Problematik der Rollenzuschreibungen und die Wirksamkeit bereits bestehender Maßnahmen für mehr Geschlechtergerechtigkeit diskutiert.

"Österreich hat eine Frauenerwerbsquote von 63 Prozent und liegt damit im oberen Bereich der EU-25, ein Drittel der österreichischen Unternehmen - also ca. 100.000 - werden von Frauen geführt, das sind 30 Prozent aller Einzelunternehmen; mittlerweile werden immerhin 16 Prozent der Betriebe mit über 50 Mitarbeitern von einer Frau geführt," führte Hochhauser aus. Frau sei am Weg in die richtige Richtung, es gelte aber zusätzliche politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um vor allem der Mehrfachbelastung der Frauen durch Familie, Haushalt, Beruf und Unternehmen entgegenzuwirken. "Denn", so Hochhauser, "mehr als die Hälfte aller Frauen fühlen sich dadurch beeinträchtigt." Familienfreundliche Maßnahmen, wie z.B. individuelle Arbeitszeitregelungen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Unterstützung im Rahmen der Kinderbetreuung sowie Kontakt zum Betrieb während der Karenz, so zeigte sich die Generalsekretärin überzeugt, würden nicht nur höhere Rückkehrquoten der Beschäftigten nach der Karenz bringen, sondern hätten auch einen betriebswirtschaftlich messbaren Nutzen. Laut einer Studie in Schweizer Unternehmen 2005 brächten solche Maßnahmen einen Return of Investment von 8 Prozent. Ein besonders wichtiger Ansatz ist für Hochhauser eine frühzeitige und umfassende Berufs- und Bildungsinformation für Mädchen unter Einbeziehung der Familien und der Wirtschaft.

"Die Überwindung von Stereotypen und eine vermehrte Ausbildungen für Mädchen in noch "frauenuntypischen" Berufen, ist ein besonders großes Anliegen," erklärte Bundesministerin Rauch-Kallat. "Denn obwohl den jungen Österreicherinnen mit 275 Ausbildungsberufen sehr viele Perspektiven offen stehen, werden zwei Drittel von ihnen nach wie vor in nur 5 Berufen tätig - Bürokauffrau, Friseurin, Einzelhandelskauffrau, Restaurantkauffrau und Köchin", so Rauch-Kallat. Diese 'typischen Frauenberufe' bieten geringere Arbeitsplatzsicherheit und weniger Aufstiegschancen. "Initiativen wie der Talent Check von Frau in der Wirtschaft und der Girls Day müssen forciert werden, damit junge Frauen die Chancen in technischen Berufen nutzen können", zeigte sie sich überzeugt. Auch die 1. Berufsinformationsmesse für Ein-, Auf- und Wiedereinsteigerinnen, die im Rahmen des Internationalen Frauentages im März in Wien stattfand, widmete sich dem Schwerpunkt "Frauen und Technik" und zeigte Frauen Möglichkeiten auf, abseits der traditionellen Frauenberufe Karrierewege zu erkunden. "Das rege Interesse hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, dass Mädchen sich informieren können und Vorbilder haben, an denen sie sich hinsichtlich nicht-traditioneller Ausbildungen und Berufswahl orientieren könne", so Rauch-Kallat.

TU-Absolventin Tina Reisenbichler - sie ist auch fünffache Mutter - unterstrich dies. Ihr Befund: "Wird eine einfache Erwerbstätigkeit noch als wirtschaftliche Notwendigkeit toleriert, so gilt höherer beruflicher Einsatz z.B. als Unternehmensleiterin bereits als Egoismus," kritisierte sie und forderte mehr gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter ein.

Frauenpolitikerin Schyman, die Vorsitzende der schwedischen Frauenpartei und Abgeordnete, setzt an einem entscheidenden Hebel an:
"Wir reden viel über das, was Frauen tun sollten und was nicht - aber wir sollten endlich mehr darüber reden, was Männer tun sollen", forderte sie.

Einig zeigten sich alle Diskutantinnen, dass - auch wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten und Jahren bereits viel zum Postiven verändert hätte - dringend weitere gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um die Position der Frauen in täglichen Lebenssituationen zu stärken. (EB)

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