Experten in Alpbach einig: "Es gibt kein funktionierendes europäisches Sozialmodell"

Haubner: "Im Pflegebereich nicht nur punktuell investieren sondern mit einem groß angelegten Paket" - Investition durch Prävention als mögliche Strategie

Wien (PWK540) - Einig zeigten sich die Diskutanten beim heutigen Plenum zum Thema "Europäisches Sozialmodell auf dem Prüfstand" bei den Reformgesprächen der WKÖ in Alpbach in Bezug auf die Existenz eines europäischen Sozialmodells.

"Es gibt kein einheitliches europäisches Sozialmodell und es kann ein solches auch zukünftig nicht geben" erklärte Ursula Haubner, Bundesministerin für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz in ihrem Einführungsstatement. Weiters sprach sich Haubner auch gegen eine schematische Europäisierung der Sozialpolitik aus. "Was es aber in Europa geben soll, sind die Definition von gemeinsamen Werten, verbindliche gemeinsame Ziele und Methoden, wie diese Ziele erreicht werden können - aber immer unter Wahrung der Eigenständigkeit der Nationalstaaten in definierten Bereichen", so die Ministerin.

Eine wichtige Schlüsselrolle nimmt für Haubner auch die Familie ein. Sowohl die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die enge Verflechtung von Wirtschaft, Staat und Familie werden für die Ministerin zukünftig entscheidend sein. Es wird aber auch die Schaffung einer generationsgerechten Arbeitswelt, die sowohl Jugendliche als auch ältere Arbeitnehmer berücksichtigt, notwendig sein, um soziale Sicherheit gewährleisten zu können.

Bezüglich der aktuellen Pflegevorsorgediskussion "Wenn wir wollen, dass Menschen in Würde und in ihren eigenen vier Wänden alt werden können, dann müssen wir in diesem Bereich mehr investieren, und dies nicht nur punktuell, sondern gleich mit einem großen Paket. Der Erfolgsschlüssel heißt diesbezüglich "Investition durch Prävention". Konkret sprach Haubner bedarfsgerechte und gezielte Berufs- und Ausbildungsprogramme, die Aufwertung von Pflegeberufen, die Einführung eines eigenen Pflegelehrberufs sowie die Ergänzung des Pflegegeldes an.

Für Christoph Drexler, Klubobmann der steirischen Volkspartei, müsste zukünftig die Europäische Dimension mehr in ein funktionierendes Sozialmodell eingearbeitet werden. "Wenn wir bereits ein funktionierendes Sozialmodell definiert haben, so existiert dieses momentan nur in der Theorie. Wenn wir es schaffen, die Sozialpolitik soweit zu europäisieren, dass diese dann auch in der Praxis funktioniert, dann kann dieses Modell eventuell zu einem Exportschlager werden" so Drexler. Allerdings darf laut Drexler dieses Modell nicht statisch sein, sondern muss ständig an die sich ständig ändernden Verhältnisse angepasst werden können.

Für Bernd Marin vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung existiert zwar normativ gesehen ein europäisches Sozialmodell, in der Praxis ist dieses allerdings nicht vorhanden. "Obwohl sich Kleinstaaten wie Österreich und die Schweiz in diesem Bereich durchaus positiv entwickeln konnten, so sind wir doch meilenweit von den definierten Lissabon-Zielen entfernt. Wen wir Glück haben erreichen wir diese vielleicht im Jahre 2025" so Marin.

Erich Kirchler Wirtschaftspsychologe von der Universität Wien widmete sich in seinen Ausführungen der Arbeitswelt der Zukunft:
"Flexibilität und "Great Places to work" sind die Begriffe, die uns zukünftig begleiten werden, um eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Situation herstellen zu können". Kirchler weiter:" Sowohl die Flexibilität der Mitarbeiter, sich neuen Herausforderungen und Verantwortungen zu stellen, als auch die Bereitschaft der Firmen, ihre Mitarbeiter mehr ins unternehmerische Geschehen einzubinden, werden zukünftig in der Arbeitswelt noch mehr von Bedeutung sein als bisher".

Wilfried Stadler, Generaldirektor der Investkredit Bank AG, warf in seinen Ausführungen die Frage auf, ob die sich rasch verändernde Marktwirtschaft überhaupt in der Lage ist, sich den sozialen Bedürfnissen und Wünschen der Menschen adäquat anzupassen. Klug gesetzte Spielregeln der Politik sind für Stadler daher eine Notwendigkeit, um nicht nur in einer globalisierten Welt zu bestehen, sondern auch um den sozialen Frieden in der Arbeitswelt gewährleisten zu können. (NL)

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