"So lang ich noch bei Puste bin, werde ich meine Meinung sagen" - Günter Grass zu Gast in der Ö1-Reihe "Im Gespräch" am 24.8.

Wien (OTS) - Als einziger österreichischer Journalist konnte Michael Kerbler mit Günter Grass vergangenes Wochenende für den ORF ein Interview führen. Für die Ö1-Reihe "Im Gespräch" nahm sich Grass eine Stunde lang Zeit, um über seine soeben erschienene Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel", in der er u.a. seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS offengelegt hat, und die daraus entstandene Diskussion zu sprechen. Zu hören ist dieses ausführliche Interview am Donnerstag, den 24. August in "Im Gespräch" ab 21.01 Uhr in Österreich 1.

War es das wirklich wert? Seit zwei Wochen steht Günter Grass wegen seines späten Geständnisses der Zugehörigkeit zur Waffen-SS in der Kritik. Fragt sich der Schriftsteller angesichts der teilweise heftigen Reaktionen, ob er sich selbst das nicht ersparen hätte können? Grass: "Ja, solche Anflüge gibt es natürlich, und es gibt dann auch diese Anfechtungen, dass man sich angesichts auch von so viel Hass, der da hochkommt, verkriechen möchte. Aber andererseits auch das Bedürfnis dem standzuhalten. Und ich glaube - ich hoffe jedenfalls und glaube jedenfalls, dass das letzte sich durchsetzen wird."

Haben nach der jetzigen Debatte die Wortmeldungen des politischen Menschen Günter Grass an Gewicht verloren? Grass dazu: "Sehen Sie, das ist, was man jahrelang gemacht hat, gegen meinen Willen. Und von mir werden Sie keinen Satz hören, der das für sich in Anspruch nimmt. Man hat mich als politisches Gewissen oder als Wappentier der Nation und all das bezeichnet. Das sind alles Etikettierungen, die von außen gekommen sind. Und das wird nun in Abrede gestellt. Ich kann sagen, ich bin dankbar dafür. Ich habe das nie für mich in Anspruch genommen, aber ich werde natürlich weiter als Bürger wie als Schriftsteller, so lang ich noch bei Puste bin, meine Meinung dazu sagen und auch dafür einstehen. Ob das dann akzeptiert wird oder nicht, das ist nicht in meiner Hand. Das ist vorher schon fraglich gewesen, und was jetzt in der Öffentlichkeit läuft, ist sicher auch aus dem Wunsch heraus, etwas, was man zum ‚Gewissen der Nation’ ernannt hat, loszuwerden."

In "Vom Häuten der Zwiebel" erzählt Günter Grass vom Ende seiner Kindheit beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Vom Knaben in Uniform, der so gern zur U-Boot-Flotte möchte und sich hungernd in einem Kriegsgefangenenlager wieder findet. Von dem jungen Mann, der sich den Künsten verschreibt, den Frauen hingibt und in Paris an der "Blechtrommel" arbeitet. Günter Grass erzählt von der spannendsten Zeit eines Menschen: den Jahren, in denen eine Persönlichkeit entsteht, geformt wird, ihre einzigartige Gestalt annimmt. "Beim Häuten der Zwiebel" ist ein mit komischen und traurigen, oft ergreifenden Geschichten prall gefülltes Erinnerungsbuch, das immer wieder Brücken in die Gegenwart schlägt. Grass fasst den jungen Menschen von damals nicht mit Samthandschuhen an, enthüllt seine Schwächen, legt den Finger auf manches Versagen und noch heute schmerzende Wunden. Dass er die eine oder andere Erinnerungslücke mit Hilfe seiner reichen Fantasie ausgemalt haben könnte, gesteht Grass "Im Gespräch" mit Michael Kerbler offen ein.

Das gesamte Interview mit Günter Grass ist in der Ö1-Reihe "Im Gespräch" am Donnerstag, den 24. August ab 21.01 Uhr zu hören. Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter http://oe1.ORF.at.

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