Leitl: Mehr "Face to face" Kontakt zwischen der EU und ihren Bürgern würde dem Image von Europa gut tun

Special Lecture in Alpbach über die Imageprobleme der EU: Mangelnde und fehlerhafte Kommunikation sind Hauptproblem der europäischen Institutionen

Wien (PWK536) - Dem Thema "Hat die EU ein Imageproblem?" widmete sich gestern Abend eine Expertenrunde bei den Reformgesprächen der Wirtschaftskammer Österreich beim Europäischen Forum in Alpbach.

Für WKÖ- Präsident Christoph Leitl liegt der Hauptgrund für das schlechte Image der EU im fehlenden direkten Kontakt mit den Bürgern. "Beim Vertrauensindex befindet sich die EU an letzter Stelle, da es kaum einen direkten Kontakt zwischen Bürgern und den gewählten Vertretern in der EU gibt. Die Bevölkerung will aber den Kontakt zu ihren Abgeordneten in Europa genauso haben wie es z.B. in einer kleinen Stadt den Kontakt zwischen dem Bürgermeister und seinen Bürgern gibt", so Leitl. Als Beispiel wie solch ein Dialog funktionieren könnte, nennt der WKÖ-Präsident die Aktivitäten der Wirtschaftskammer rund um den EU-Beitritt Österreichs und die Einführung des Euro: "Wir haben damals bewiesen, dass es möglich ist einen "face to face"- Kontakt mit der Bevölkerung herzustellen um so besser auf deren Sorgen, Wünsche und Bedürfnisse eingehen zu können. Wenn wir diese Art der direkten Informationsvermittlung europaweit etablieren könnten, dann würde das dem Image der EU sicher nur gut tun". Auf die Frage ob die EU vielleicht mehr auf einzelne Persönlichkeiten setzen sollte, antwortet Leitl abschließend: "Die EU muß durch Handlungen und Aktivitäten beim Bürger punkten können, und nicht durch ein paar Gesichter, die dann mangels Entscheidungskompetenz zur Farblosigkeit tendieren".

Ähnlich sieht das Rudolf Strohmeier, Kabinettchef von EU-Kommissärin Viviane Reding: "Identifikationsmerkmale sind durchaus ein wichtiges Mittel für eine erfolgreiche Kommunikation. Es ist auch klar, dass heutzutage vieles über Gesichter und Personen läuft. Im Falle der EU wird es aber schwierig werden, die Komplexität und Vielfalt der Inhalte nur über eine einzelne Person zu vermitteln."

Ein weiteres Problem für das Image der EU sieht Gerfried Sperl, Chefredakteur der Tageszeitung "Der Standard" auch in der medialen Berichterstattung: "Viele Verleger glauben selbst nicht an Europa, und deshalb haben es manche Redaktionen sehr schwer, überhaupt Mitarbeiter direkt in Brüssel zu stationieren, was in der Folge zu einer nur sehr bescheidenen Berichterstattung über die Ereignisse aus Europa führt".

Für Rudolf Bretschneider vom Fessel-GfK Institut in Wien stellt sich zuerst einmal die grundsätzliche Frage, bei wem die EU ein Imageproblem hat. "Die EU muss ich zuerst einmal bewusst werden, bei wem und warum sie ein Imageproblem hat. Denn für die vielen Flüchtlinge, die nach Europa wollen, hat die EU sicherlich kein Imageproblem. Für diese Menschen ist die EU ein Hoffnungsland". Für Bretschneider ist die Kritik an der mangelhaften Kommunikation nur bedingt zulässig: "Ein Fehler in der Kommunikation impliziert automatisch, dass die EU demnach alles richtig gemacht hat und nur Probleme bei der Vermittlung der Inhalte hat, was aber sicherlich der falsche Ansatz ist". Von der Überinszenierung und dem Auftreten einzelner Personen, die die EU nach außen hin repräsentieren sollen, zeigt sich auch Bretschneider nicht sehr begeistert. (TB)

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