OeNB - Einlagenzinssätze steigen im 2. Quartal 2006 deutlich - auch Kredite werden teurer

Die Entwicklung der Kundenzinssätze in Österreich und im Euroraum im 2. Quartal 2006

Wien (OTS) - In Folge der dritten Leitzinserhöhung der EZB innerhalb von 6 Monaten (um 0,25%-Punkte im Juni 2006 - Mittlerweile gab es eine weitere Leitzinsanhebung im August um erneut 0,25%-Punkte auf 3,00%) wurden im zweiten Quartal 2006 die Zinssätze für neu vereinbarte Einlagen von privaten Haushalten deutlich angehoben. Für Einlagen mit Bindungsfrist von über 2 Jahren wurde im Juni 2006 im Schnitt ein Zinssatz von 3,30% vergeben, was 0,34%-Punkte mehr als vor 3 Monaten und 0,63%-Punkte mehr als vor einem halben Jahr war. Dieser Zinssatz war im Euroraumvergleich der höchste aller Mitgliedsstaaten.

Bei Kreditzinssätzen gab es im Neugeschäft ebenfalls starke Anhebungen. Insbesondere bei Unternehmenskrediten wurden die drei Leitzinsanhebungen bereits größtenteils an die Kunden weitergegeben. Die Zinssätze von Juni lagen je nach Volumen 0,59 (bis 1 Million Euro) bzw. 0,70%-Punkte (über 1 Million Euro) über den Tiefstständen des Vorjahres. Bei Konsumkrediten gab es seit Dezember 2005 einen markanten Anstieg (um 0,48%-Punkte) auf 5,33%. Schwächer blieben die Anstiege wettbewerbsbedingt bei Wohnbaukrediten. Im Euroraumvergleich lagen die Zinssätze in Österreich zwar durchwegs unter dem Durchschnittswert des Euroraums, der höhere Anteil an variabel verzinsten Krediten führte aber dazu, dass über das gesamte aushaftende Kreditvolumen die Leitzinsanhebungen sich in den Konditionen österreichischer Kunden stärker als im Euroschnitt widerspiegelten.

In Folge der dritten Leitzinserhöhung der EZB innerhalb von 6 Monaten (um 0,25%-Punkte im Juni 2006 - Mittlerweile gab es eine weitere Leitzinsanhebung im August um erneut 0,25%-Punkte auf 3,00%) gab es im zweiten Quartal 2006 insbesondere bei Zinssätzen für neu vereinbarte Einlagen von privaten Haushalten deutliche Anhebungen. Insbesondere wettbewerbsbedingt gute Zinssatz-Angebote für längerfristig gebundene Kapitalsparbücher führten dazu, dass in der Kategorie "Einlagen mit Bindungsfrist von über 2 Jahren" der Zinssatz mit 3,30% nicht weniger als 0,34%-Punkte über dem Vergleichswert des vorigen Quartals bzw. 0,63%-Punkte über jenem von Dezember 2005 lag. Damit lag der Zinssatz in Österreich nicht nur über dem Anfang 2003 (vor den Zinssenkungen der EZB um insgesamt 0,75%-Punkte) verzeichneten Wert, sondern war zugleich der höchste aller Euroraumländer. Der Durchschnittszinssatz im Euroraum (2,57%) wurde um 0,73%-Punkte überschritten. Aber auch bei Einlagen mit Laufzeit von bis zu 1 Jahr bzw. 1-2 Jahren gab es in diesem Quartal erhebliche Zuwächse (+0,27 bzw. 0,53%-Punkte) und die Zinssätze in Österreich (2,72% bzw. 3,06%) lagen auch hier über den Durchschnittswerten des Euroraums (2,57 bzw. 2,88%). Bei täglich fälligen Einlagen von privaten Haushalten konnten - getrieben von hohen Zinssätzen von Bausparkassen und Direktbanken - weitere Zinssatzanstiege verzeichnet werden. Im Schnitt konnte im Juni ein Zinssatz von 1,23% beobachtet werden, im Dezember 2005 war der Zinssatz noch bei genau 1,00% gelegen.

Auch Kreditnehmer mussten im zweiten Quartal 2006 höhere Zinssätze in Kauf nehmen. Bei den Zinssätzen für neu vereinbarte Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen gab es bei Großkrediten (über 1 Million Euro) im Juni mit 3,53% den höchsten Wert seit März 2003 zu verzeichnen. Ein Vergleich mit dem Tiefststand des vorigen Jahres (2,83% im September 2005) zeigt, dass die drei Leitzinsanhebungen bereits nahezu vollständig an die Kunden weitergegeben wurden. Auch bei Unternehmenskrediten bis zu 1 Million Euro war ein Großteil der Leitzinsanhebungen schon in den Konditionen der Kunden enthalten. Der entsprechende Durchschnittszinssatz stieg gegenüber dem niedrigsten Zinssatz des Vorjahres um 0,59%-Punkte auf 4,00%. Die Neugeschäftszinssätze für Unternehmenskredite in Österreich lagen aber nach wie vor unter den vergleichbaren Durchschnittszinssätzen des Euroraums (3,79% bei über 1 Million Euro bzw. 4,48% bei unter 1 Million Euro).

Bei Krediten an private Haushalte gab es bei Konsumkrediten im Neugeschäft im zweiten Quartal deutliche Anstiege - um 0,23%-Punkte auf 5,33%. Der Tiefststand des Vorjahres wurde um 0,56%-Punkte überschritten. Zusätzlich zu den Nominalzinssätzen wurden aber auch die Gebühren erhöht, sodass der Effektivzinssatz für Konsumkredite gegenüber dem Tiefststand des Vorjahres gar um 0,70%-Punkte auf 6,30% stieg. Am schwächsten weitergegeben wurden die Leitzinsanhebungen -wettbewerbsbedingt - bei neu vereinbarten Wohnbaukrediten. Der entsprechende Durchschnittszinssatz stieg im ersten Halbjahr 2006 nur um 0,02%-Punkte und war mit 3,65% der niedrigste im Euroraum. Gegenüber dem Tiefststand des Vorjahres gab es in diesem Kreditsegment einen Anstieg um nur 0,21%-Punkte - es wurde also noch nicht einmal die erste der drei Leitzinsanhebungen vollständig weitergegeben.

Betrachtet man die Zinssätze über den aushaftenden Gesamtbestand an Krediten, so war festzustellen, dass nach wie vor die Zinssätze in Österreich unter jenen des Euroraums lagen. Aufgrund des höheren Anteils an variabel verzinsten Krediten in Österreich (im Neugeschäft waren im Juni in Österreich im Schnitt 90% der Kredite variabel oder bis zu 1 Jahr fix verzinst vereinbart, während der entsprechende Anteil im Euroraum nur rund 76% betrug) spiegelten sich die Leitzinsanhebungen in Österreich etwas schneller in den Kundenkonditionen wider als im Euroraum-Schnitt. Bei langfristigen Konsumkrediten (über 5 Jahre Laufzeit) lag der Zinssatz in Österreich mit 4,91% um 0,37%-Punkte über dem Tiefststand vor der Leitzinsanhebung, im Euroraum hingegen wurde der Tiefststand mit 5,73% erst um 0,13%-Punkte überschritten. Ähnliches gilt auch für langfristige Unternehmenskredite (Österreich +0,27%-Punkte auf 3,98%, Euroraum +0,16%-Punkte auf 4,40%).

Im Fremdwährungsbereich ließ sich ein weiterer Rückgang des relativen Zinsvorteils für die nach wie vor populären CHF-Kredite (an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen) verzeichnen. Nach einem Anstieg um 0,32%-Punkte im zweiten Quartal 2006 auf 2,61% lag der Zinssatz nur noch 1,04%-Punkte unter dem wichtigsten Konkurrenzprodukt - den Wohnbaukrediten in EUR, während der vergleichbare Abstand im März 2006 noch 1,26%-Punkte betragen hatte und im Dezember 2005 gar noch 1,57%-Punkte.

Weitere detaillierte Daten für Österreich finden Sie unter www.oenb.at im Bereich "Statistik und Melderservice/Statistische Daten", für den Euroraum unter www.ecb.int.

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