Rasendes "Spielzeug"

Minibikes werden aufgrund ihrer geringen Größe oft für ein Spielzeug gehalten. Das KfV warnt vor dem rasenden Risiko, das eine Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h erreichen kann.

Wien (OTS) - Kaum jemand hat eine genaue Vorstellung von Pocket-oder Mini-Bikes. Auch ihre rechtliche Stellung ist hinlänglich unbekannt. Pocket-Bikes sehen aus wie herkömmliche Motorräder, nur um einiges kleiner. In der Regel sind sie nicht größer als 110 cm x 50 cm x 50 cm. Umso bemerkenswerter aber ist ihre Höchstgeschwindigkeit, die bis zu 80 km/h erreicht. Diese Kombination aus attraktiver Miniausgabe von "echten" Motorrädern und extrem hoher Geschwindigkeit lässt das Pocket-Bike zu einem rasenden, ja sogar tödlichen Risiko werden, das vor allem auf Kinder und Jugendliche einen großen Reiz ausübt. Schlagzeilen machte der Tod eines erst 13-Jährigen im letzten Sommer in Deutschland. Er war mit seinem Pocket-Bike auf einem Parkplatz unterwegs. Er übersah die Querstange eines Absperrgitters und erlitt bei dem Aufprall tödliche Kopfverletzungen. Selbst sein Helm hielt diesem enormen Aufprall nicht stand.

Pocket-Bikes sind keine Spielzeuge!
"Eltern muss klar sein, dass es sich bei den Mini-Bikes keinesfalls um ein Spielzeug handelt, sondern um ein äußerst gefährliches Gerät. Nicht nur die hohe Geschwindigkeit stellt ein großes Unfallrisiko dar, sondern auch die Tatsache, dass solche Gefährte gravierende Konstruktionsmängel aufweisen", warnt Mag. Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Verkehr & Mobilität im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Hinzu kommt die mangelnde Verbraucherinformation seitens der Hersteller oder Händler. Deshalb ist es keine Seltenheit, dass die Mini-Motorräder als "Spielzeug" deklariert werden. Hergestellt werden sie vorrangig in China und hierzulande zu Billigpreisen angeboten. Des Weiteren sind sie meilenweit von jeglichen Sicherheitsnormen entfernt. In der Rennszene werden diese Billigprodukte aufgrund ihrer schlechten Qualität als "Chinakracher" bezeichnet. "Mittlerweile häufen sich ernsthafte Unfälle mit Pocket-Bikes in Europa. Es ist höchste Zeit, diese Gefahr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen", bekräftigt Kaltenegger.

Rechtliche Aspekte
Grundsätzlich sind Pocket-Bikes nicht zur Verwendung auf öffentlichen Straßen bestimmt. Die kleinen Zweiräder stellen auch dann ein großes Unfallrisiko dar, selbst wenn sie ausschließlich auf Privatgrund ohne öffentlichen Verkehr benutzt werden. Da sie keine Kraftfahrzeuge im Sinne des Kraftfahrgesetzes sind, gibt es keinerlei Vorschriften über Lenkberechtigung, Kennzeichnung und das Tragen von Helmen. Pocket-Bikes werden jedoch oft als Sportgeräte eingesetzt. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland finden regelmäßige Pocket-Bike-Meisterschaften statt, an denen Fahrer aus dem gesamten EU-Raum teilnehmen.

KfV unterstützt Forderung nach mehr Verbraucherinformation
Laut Europäischer Kommission sollen für Behörden, die für Marktaufsicht in den Bereichen Maschinen, Verbraucherschutz, Zoll und Straßenverkehrssicherheit zuständig sind, Leitlinien für den Umgang mit Mini-Bikes erstellt werden. Des Weiteren fordert die EU in einem Schreiben an alle Mitgliedsstaaten, die Konstruktion von Pocket-Bikes mit Hilfe von Stichproben zu überprüfen, Importeure und Händler zu beraten und die Rücknahme unsicherer Geräte zu gewährleisten. Im Dezember 2006 soll über weitere Maßnahme beraten werden. "Ich begrüße es sehr, dass die Gefahr der Miniaturmotorräder nun auch von der EU erkannt wurde und es eine offizielle Aufforderung an die Mitgliedsstaaten gibt, Leitlinien herauszugeben und die Öffentlichkeit ausreichend zu informieren. Nur so kann auf das Gefahrenpotenzial dieser scheinbar harmlosen Zweiräder aufmerksam gemacht werden", sagt Kaltenegger abschließend.

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Mag. Kerstin Gardill
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